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KFC Uerdingen:Der Tiger predigt Demut

KFC Uerdingen und Manager Effenberg trennen sich

Stefen Effenberg.

(Foto: dpa)
  • Drittligist KFC Uerdingen leistet sich zwei Alphatiere: Neben dem umstrittenen Mäzen Michail Ponomarew heuert Ex-Profi Stefan Effenberg als Manager an.
  • Seine erste Aufgabe: einen neuen Trainer finden.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Über die spektakulären Emotionen des Mäzens Michail Ponomarew, 45, ist kürzlich eine geleakte Whatsapp-Nachricht des Krefelder Fußballers Manuel Konrad im Internet aufgetaucht. Konrad parodiert in dieser Sprachnachricht an Freunde mit gekonnt russischem Akzent einen Kabinen-Ausraster Ponomarews nach einer Heimniederlage des Krefelder Drittligisten KFC Uerdingen 05. Konrad erklärt in der Audiodatei: "Er schmiss Tische durch die Gegend und schlug mit der Faust gegen den Kühlschrank." Konrads Diagnose: "Geisteskrank, ein Monster in der Kabine, hätte der ein Messer gehabt, der hätte uns gemetzelt."

Ponomarews Tobsuchtsanfall war ein nicht sehr subtiles Indiz dafür, dass er mit der akuten Situation beim KFC Uerdingen nicht vollends zufrieden ist. Am Tag nach seiner lebendigen Manöverkritik hat er den Trainer Heiko Vogel entlassen, aber noch bevor er einen neuen Trainer verpflichtete, engagierte er den früheren Fußballprofi Stefan Effenberg, 51, als Sportmanager. Nun muss sich zeigen, ob die beiden Alphatiere harmonieren, aber passenderweise sagt auch Effenberg über sich: "Bei mir können schon mal die Emotionen rauskommen." Seine Frau Claudia verriet einst in einer Fernsehsendung, dass ihr Mann gerne Biografien über Serienmörder liest.

Es ist bekannt, dass es in der dritten Fußballliga ruppig zugeht, aber die Zustände beim KFC Uerdingen sind extrem. Ponomarew, ein in Meerbusch bei Düsseldorf lebender Russe, der ein Vermögen in der Energiebranche gemacht haben soll, ist seit drei Jahren Hauptgesellschafter der KFC Fußball GmbH und zugleich Präsident des KFC Uerdingen. Er hat als allmächtiger Mäzen in dieser Zeit fünf Trainer entlassen. Er fackelt nie lange.

Effenberg wird weiter als TV-Experte arbeiten

Am Donnerstag saßen Ponomarew und Effenberg gemeinsam in einer Pressekonferenz, hinter ihnen an der Wand hing ein großes Tuch mit dem blau-roten Vereinswappen und dem Slogan: "Weil das Blau für die Treue und das Rot für Liebe steht." Effenberg sagte, er schätze an Ponomarew "seine Ehrlichkeit und seine Empathie". Ponomarew sagte, er schätze an Effenberg "seine Führungsqualitäten und seine unglaubliche Erfahrung".

Seit Effenberg 2004 seine Fußballerkarriere (drei Meistertitel und ein Champions-League-Triumph mit dem FC Bayern München) beendet hat, arbeitete er verschiedentlich als TV-Experte, machte 2012 seinen Fußballlehrerschein, war von Oktober 2015 bis März 2016 Cheftrainer beim damaligen Zweitligisten SC Paderborn sowie zuletzt Teilhaber der Bremer Sportlerberatungsagentur Acorado und Firmenkundenberater bei der thüringischen Volksbank Bad Salzungen Schmalkalden, die Kredite an Fußballklubs vergibt. Für diesen Job ist Effenberg extra nach Düsseldorf gezogen. Die letzteren beiden Tätigkeiten habe er nun beendet, er werde jedoch weiter als TV-Experte bei Sport 1 arbeiten, sagte er am Donnerstag. Sein Vertrag beim KFC Uerdingen läuft bis Ende Juni 2022.

Ganz akut muss Effenberg die Trainerfrage klären

Der KFC, den es mittelfristig in die zweite Liga zieht, steht in der dritten Liga mit 13 Punkten aus elf Spielen einen Platz vor der Abstiegszone. "Jetzt ist erst mal wichtig, in Ruhe zu arbeiten", sagt Effenberg, der vor dreieinhalb Jahren in Paderborn entlassen wurde mit dem präsidialen Hinweis, "diese Hollywood-Welt passt einfach nicht nach Paderborn". Vielleicht deshalb predigt Effenberg nun "Demut" und verkneift sich, sportliche Ziele auszugeben. "Dinge gehen nicht von heute auf morgen." Effenberg bringt viel Verständnis für seine Verpflichtung auf: "Es ist nie verkehrt, sich große Kompetenz dazuzuholen."

Ganz akut muss Effenberg erst mal die Trainerfrage klären. Der bisherige Assistent Stefan Reisinger amtiert momentan übergangsweise als Chefcoach, besitzt aber nur die Trainer-A-Lizenz und darf damit in der dritten Liga langfristig kein Trainer sein. Er spielt in Ponomarews Planungen trotzdem eine relevante Rolle. Man muss Reisinger folglich einen Mann mit Fußballlehrerlizenz an die Seite stellen, aber er selbst werde das nicht sein, sagt Effenberg deutlich. Man arbeite kreativ an einem zulässigen Konstrukt.

Ein Ausstieg von Ponomarew ist angeblich kein Thema

"Der KFC Uerdingen ist kein Chaosklub", das war Effenberg noch wichtig zu vermelden, und: "Ich sehe großes Potenzial, sonst würde ich es gar nicht machen." Der Aufstieg in die zweite Liga und die Renovierung des maroden Grotenburg-Stadions in Krefeld gelten als größte Projekte jenes Klubs, der seine Heimspiele zurzeit in der Arena von Fortuna Düsseldorf austrägt.

Und Ponomarew? Der will die Zukunft in Uerdingen aktiv mitgestalten, ein Ausstieg sei gar kein Thema. Ganz anders äußert er sich über seinen 46-prozentigen Anteil am Eishockey-Erstligisten Krefeld Pinguine, wo man ihm vorwirft, finanzielle Zusagen in der Größenordnung einer sechsstelligen Summe nicht eingehalten zu haben. Ponomarew plant seinen Ausstieg aus dem Eishockey. Er sagte: "Ich will meine Anteile wieder verkaufen." Und er sei guter Dinge, fügte er hinzu, dass es in der Sache noch in dieser Woche Fortschritte geben werde.

© SZ vom 11.10.2019/tbr
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