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E-Sport (II):E-Jogis Jungs

Erst die virtuelle Bundesliga mit zockenden Fußball-Profis, nun das Länderspiel gegen Spanien auf der Playstation: der E-Sport profitiert von der Absenz des Fußballs.

Der Dortmunder Einstieg in die neue Welt begann mit einem Fauxpas, den Anstoß hatte BVB-Profi Achraf Hakimi glatt verpennt. Der Mainzer Daniel Brosinski stürmte auf der Playstation schon nach vorne, als Hakimi noch am Handy hing - die Wettbewerbsspannung fehlte anscheinend im Home-Office. Das alles konnte man beobachten am Wochenende, als die Deutsche Fußball Liga (DFL) 26 Klubs aus der ersten und zweiten Liga zur virtuellen "Bundesliga Home Challenge" zusammenrief, als Beruhigungsmittel gegen Entzugserscheinungen in der fußballlosen Zeit.

Gespielt wurde die Simulation "Fifa 20", übertragen wurden die Partien vom Pay-TV-Sender Sky und dem Streamingdienst DAZN, und auch die Nachrichtenagenturen meldeten die Ergebnisse ähnlich alarmiert, wie sie sonst die Meldungen aus der Bundesliga auf den Markt bringen. Nur der FC Bayern München fehlte, weil die Münchner mit dem "Fifa 20"-Konkurrenten Pro Evolution Soccer verbandelt sind.

Ein Fußballprofi und ein Zocker pro Team, das war die Aufstellung, und am Ende des Spieltags hieß die Schlagzeile: "Eggestein verspielt Polster". Die hochfavorisierten Bremer blamierten sich gegen Zweitligist Nürnberg, weil Werder-Profi Maximilian Eggestein gegen den Club-Spieler Tim Handwerker einbrach und den Vorsprung des wohl besten Fifa-Spielers Michael "Megabit" Bittner am ende nicht halten konnte. Werder verliert: Die Simulation ist nahe dran an der Wirklichkeit der Bundesliga.

Tatsächlich sind die virtuelle Welt und das Reale am vergangenen Wochenende seltsam verknotet, als der leibhaftige Hakimi mit dem Pixel-Hakimi trifft und beide dann jubeln (Endstand: 2:2). Die DFL hat diese beiden Welten zusammengeführt, sie verwaltet jetzt die Bundesliga und die virtuelle Liga, die sonst gern als Daddelei weggelächelt wird.

Der E-Sport versucht nun also, die freie Bühne zu bespielen, am Montag wurde das Länderspiel gegen Spanien (4:7) als Ersatz für das abgesagte Freundschaftsspiel ausgetragen. Es hätte ja eigentlich ein Härtetest werden sollen für Löws Elf vor der EM.

Die Aufstellung des E-Jogis: DFB-Torhüter Bernd Leno, Vanessa Fudalla (U19-Nationalspielerin), Nico Schlotterbeck (U21-Nationalspieler) und Mohammed "MoAuba" Harkous aus der E-Nationalmannschaft des DFB. Auf Spaniens Seite zockte unter anderem Real-Profi Marco Asensio. Um 20 Uhr wurde das Spiel für fünf Minuten unterbrochen, weil in Spanien täglich den Pflegern, Ärzten und Verkäufern im Supermarkt applaudiert wird. Fußball, real oder virtuell, ist nicht das Wichtigste in diesen Tagen.

© SZ vom 31.03.2020
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