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2. Bundesliga:Protest ist Dynamos Pflicht

28. Juni 2020: Dresden, Fussball 2. Bundesliga, 34. Spieltag: SG Dynamo Dresden - VfL Osnabrueck: Dresdens Florian Ball

Wollen den Abstieg nicht akzeptieren: Für Dynamo Dresden ging es mit Kapitän Florian Ballas in dieser Saison eine Liga runter. Seit dem letzten Saisonspiel ist klar, dass Dresden die rechtliche Lage prüft - mit der Idee, den Abstieg auszusetzen und die Liga in der neuen Saison auf 20 Teams aufzustocken

(Foto: Eisenhut/photoarena/imago)

Der Frust von Absteiger Dresden angesichts der Benachteiligung nach der Corona-Pause ist verständlich, eine Klage das gute Recht des Klubs - doch einen juristischen Hebel zu finden, könnte schwierig werden.

Kommentar von Johannes Aumüller

In Frankreichs Profifußball ist die Saison schon lange vorbei. Ende April erfolgte im Angesicht der Corona-Pandemie und im Unterschied zu allen anderen wichtigen europäischen Fußball-Nationen der Abbruch mitten im Spielbetrieb. Aber auch ein Vierteljahr später ist eine Wertungsfrage nicht final geklärt - nämlich die, ob es in der Ligue 1 Absteiger gibt. Der Hickhack im Schnelldurchlauf: Die Liga beschließt, dass die beiden Schlusslichter Amiens und Toulouse in die zweite Liga müssen; ein Gericht hebt diese Entscheidung auf; ein Verbandsorgan beschließt den Abstieg noch einmal; eine neuerliche Klage von Amiens beim nationalen Verwaltungsgericht scheitert; und nun erwägt der Klub eine Berufung.

Es gehört zu den Folgen der Corona-Pandemie im Fußball, dass es verstärkt auch um (sport)juristische Themen geht. Und das gilt nicht nur in Ländern wie Frankreich, die ihre Saison am grünen Tisch beendeten. Sondern auch in Deutschland, wo sich die Verantwortlichen mit Blick auf die wirtschaftliche Situation dazu entschieden haben, die Saison durchzupeitschen - und es nun rund um Dynamo Dresden juristisch wird.

Die Sachsen sind als 18. der Abschlusstabelle aus der zweiten Liga abgestiegen, aber sie wollen das nicht akzeptieren. Schon seit dem letzten Saisonspiel ist klar, dass Dresden die rechtliche Lage prüft - mit der Idee, den Abstieg auszusetzen und die Liga in der neuen Saison auf 20 Teams aufzustocken. Nun liegt dem Klub nach Angaben der Bild ein Gutachten vor, und Ende vergangener Woche kamen die Vereinsbosse sogar mit Vertretern der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in deren Frankfurter Zentrale zusammen. Das zeigt immerhin, dass die Liga-Spitze das Thema nicht einfach so abtun will oder kann.

Dynamo ist ohne Frage der deutsche Profi-Klub, der aus sportlicher Sicht am meisten unter der Corona-Zeit zu leiden hatte. Zwar war er schon vor der Auszeit Tabellenletzter gewesen. Aber weil die Mannschaft wegen positiver Corona-Fälle für zwei Wochen in Quarantäne musste, konnte sie erst verspätet und mit reduzierter Vorbereitung in die Rest-Saison einsteigen. Ein straffes Programm mit neun Partien binnen vier Wochen musste sie bestreiten, das war ein klarer Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Und der entstand, weil in den Bundesligen der Ansatz galt, die Saison möglichst bis zum 30. Juni über die Bühne zu bringen.

Es ist zwar müßig, zu spekulieren, wie die Saison für die Sachsen geendet wäre, wenn sie nach der Corona-Pause im Gleichschritt mit der Konkurrenz gespielt hätten. Aber es ist das absolute Recht der Dresdner Verantwortlichen, das Thema auch juristisch anzugehen. In gewissem Sinne ist es sogar ihre Pflicht gegenüber ihren Kontrollorganen und den Vereinsmitgliedern, das bestmögliche herauszuholen für ihren Klub.

Doch so sehr der Dresdner Frust über den Saisonverlauf emotional nachvollziehbar ist, so schwer ist es, sich einen erfolgversprechenden juristischen Hebel vorzustellen. Dresden will seine Argumente noch nicht offenbaren. Womöglich könnte der Klub auch damit leben, wenn die diesjährigen Absteiger aufgrund der besonderen Umstände eine finanzielle Kompensation erhalten. Falls es wirklich auf den Klageweg geht, kann der Profibetrieb nur hoffen, dass sich die Sache schneller klärt als in Frankreich. In zwei Monaten soll es ja schon wieder losgehen mit der neuen Saison.

© SZ vom 22.07.2020
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