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Düsseldorf:Rechenspiele

Fortuna Düsseldorf - VfL Wolfsburg

Die Szene des Spiels: Düsseldorfs Matthias Zimmermann (l) und Wolfsburgs Josip Brekalo kämpfen um den Ball - der womöglich im Aus ist.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Fortunas 1:1 wird überlagert von einer Debatte zum Verkauf von Raman. Trainer Funkel nennt die Veröffentlichungen eine "bösartige Kampagne".

Lutz Pfannenstiel hat in Singapur mal im Gefängnis gesessen, als Torwart in England mal einen Herzstillstand erlitten und in Albanien mal Steinwürfe von Fans überlebt. Der 46-jährige Niederbayer hat in seinem Leben Dramatischeres erlebt als jenen Spiegel-Artikel, in dem sein Klub Fortuna Düsseldorf, dessen Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann und der Aufsichtsratsboss Reinhold Ernst gerade schlecht wegkommen. Nach dem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg stand Pfannenstiel folglich sehr lässig im Souterrain der Düsseldorfer Arena. Der Sportdirektor der Fortuna sagte mit betonter Gleichgültigkeit: "Die meisten dieser Vorwürfe waren ja bekannt." Zuvor hatte schon das Handelsblatt Interna verbreitet.

Im April hatte die Fortuna ihren Vorstandsboss Robert Schäfer beurlaubt, weil dieser zuvor den Trainer Friedhelm Funkel loswerden wollte, dabei aber nicht mit einem Aufstand der Fans gerechnet hatte. Schäfers Nachfolger wurde Thomas Röttgermann, bis 2017 Geschäftsführer vom VfL Wolfsburg. Jüngst sind nun allerhand Details aus Röttgermanns Mail-Verkehr bekannt geworden, zum Beispiel, dass er zusammen mit seinem vormaligen Wolfsburger Kollegen Felix Welling eine App für Fußballfans entwickelte, obwohl ihm die Fortuna gar keine Nebentätigkeit erlaubt. Laut Röttgermann sei er mit Amtsantritt bei der Fortuna aus dem Projekt ausgeschieden. Soeben hat er Welling als "Direktor Strategie" bei der Fortuna eingestellt, wofür er den Amtsinhaber Alexander Steinforth freistellte. Schließlich soll es zweifelhafte Angaben geben zum Erlös aus dem Verkauf des Spielers Benito Raman an Schalke 04. Röttgermann habe öffentlich mehr als 13 Millionen Euro in Aussicht gestellt, tatsächlich kämen laut Unterlagen, die dem Spiegel vorlägen, höchstens zehn Millionen Euro zusammen.

"Oh, Fortuna", schallt die "Carmina Burana" jedes Mal dramatisch aus den Lautsprechern, wenn in der Arena die Teams den Rasen betreten. Fortunas Fußballer hat der kurz vor dem Wolfsburg-Spiel veröffentlichte Artikel am Freitagabend allerdings nicht irritiert. "Das schweißt uns nur noch mehr zusammen", behauptete hernach der Trainer Funkel, der mal wieder eine leidenschaftlich kämpfende Einheit auf den Rasen gestellt hatte, die einem individuell besser besetzten Gegner wie dem VfL verdient einen Punkt abrang.

Funkel nennt die Veröffentlichungen eine "bösartige Kampagne gegen Röttgermann und Ernst". Nun sucht man im Verein den Maulwurf, der Mails und Dokumente an die Presse weitergab. Der Klub rechtfertigte sich zunächst via Mitteilung: "Der Transfer von Benito Raman hat inklusive aller Bonuszahlungen sowie dem Leihgeschäft von Bernhard Tekpetey eine Größenordnung von mindestens 13 Millionen Euro; außerdem stellt Fortuna Düsseldorf klar, dass der Vorstand bei der Personalbesetzung ausschließlich fachliche Qualitäten als Kriterium zugrunde legt und sogenannte Vetternwirtschaft somit absolut ausgeschlossen ist." Die Debatte wird anhalten und bedarf noch der einen oder anderen Präzisierung.