SkispringenLindvik siegt mit Trotz

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Weltmeister Marius Lindvik, hier in Trondheim, gewinnt das erste sommerliche Mattenspringen in Courchevel.
Weltmeister Marius Lindvik, hier in Trondheim, gewinnt das erste sommerliche Mattenspringen in Courchevel. Hendrik Schmidt/dpa
  • Der norwegische Skispringer Marius Lindvik gewinnt fünf Monate nach dem Betrugsskandal bei der WM das erste Springen des Sommer-Grand-Prix in Courchevel.
  • Die Vorschriften für Sprunganzüge wurden nach dem Skandal massiv verschärft, was zu mehreren Disqualifikationen beim Wettbewerb führt.
  • Die Ethik-Kommission des Skiweltverbands Fis soll am Montag bekannt geben, ob und welche Strafen auf den vorsätzlichen Betrug bei der WM folgen.
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Das erste Springen im Sommer-Grand-Prix gewinnt der Norweger, der bei der WM im Winter disqualifiziert wurde. Dafür werden diesmal andere Athleten wegen ihrer Anzüge sanktioniert.

Von Barbara Klimke

Fünf Monate nach dem Betrugsskandal von Trondheim ist der Norweger Marius Lindvik am Samstag wieder bei einem internationalen Wettbewerb von einer Schanze gesprungen – und hat dabei die Konkurrenz überflügelt. Eine Menge Trotz und Eigensinn gab ihm am Samstag beim Sommer-Grand-Prix in Courchevel Auftrieb, das verhehlte Lindvik, 27, nach seinem Sieg vor dem DSV-Athleten Philipp Raimund und dem Japaner Sakutaro Kobayashi nicht. „Ich glaube, nicht alle waren so verdammt glücklich darüber, dass ich heute gewonnen habe“, ließ er sich von der norwegischen Zeitung Dagbladet zitieren: „Deshalb war es so verdammt schön!“

Im ersten Skisprungwettbewerb des Olympiawinters 2025/26 lag also ein Norweger vorn. Das führte dazu, dass die Materialschummelei an den Sprunganzügen während der WM im März – der „Hoppskandalen“ von Trondheim, der Ärger und Entsetzen in dem skandinavischen Land ausgelöst hatte – weiter die Debatten bestimmt. Zumal die Ethik-Kommission des Skiweltverbands Fis an diesem Montag bekannt geben soll, ob und welche Strafen auf den vorsätzlichen Betrug folgen. Die illegalen Manipulationen im Team hatte der Sportchef des norwegischen Skiverbands, Jan-Erik Aalbu, bereits am 9. März zugegeben; die Athleten bestritten Mitwisserschaft. Nun liegt auch der Abschlussbericht der Compliance-Abteilung der Fis (IECO) vor.

Lindvik, der bei der WM in Trondheim auf der Großschanze disqualifiziert worden war, hat seinen Weltmeistertitel von der Normalschanze – vorerst – behalten dürften. Er sprang am Samstag in den französischen Alpen mit regelkonformem Equipment, im Gegensatz zu einigen anderen Kollegen. Die Vorschriften für diese Saison sind massiv verschärft worden: Die Neuerungen betreffen Anzugschnitt und -form, vor allem im Schritt, bei den Ärmeln und der Hosenbeinlänge. Die Vorgaben wurden so präzisiert, „dass sie weniger Raum für Manipulationen lassen“, wie die Fis ausführte.

Der Deutsche Luca Roth wird aus dem Wettbewerb genommen – und auch zwei Norweger

Nicht alle Vorgaben wurden offenbar gleich zum ersten Wettbewerb korrekt umgesetzt. Es gab eine Reihe von Disqualifikationen, darunter war am Samstag auch Luca Roth, 25, aus Albstadt, der wegen des Anzugs vor dem zweiten Durchgang aus dem Rennen genommen wurde. Bei den Norwegern wurden Benjamin Oestvold und Kristoffer Eriksen Sundal ausgeschlossen. „Die Dinge sind jetzt viel strenger. Sie sind knallhart, bis auf den Millimeter genau“, sagte Johann André Forfang, der zum WM-Team gehörte, das zwischenzeitlich suspendiert war.

Am Sonntag, beim zweiten Springen durfte Roth wieder teilnehmen und wurde Dritter hinter Philipp Raimund und vor Lindvik.

„Es ist völlig normal, dass die Teams Zeit brauchen, um sich nach solch umfassenden Materialregeländerungen an die neuen Bedingungen anzupassen“, sagte der Skisprungdirektor der Fis, Sandro Pertile, am Sonntag: „Manche kommen damit sofort zu recht, andere haben mehr Schwierigkeiten.“ Auch in der Vergangenheit habe es zu Saisonbeginn nach Regeländerungen Disqualifikationen gegeben; in diesem Jahr habe sich die Lage insofern zugespitzt, als es „so viele neue Aspekte zu berücksichtigen“ gebe. Pertile betonte, dass es bei den beanstandeten Fällen nicht den geringsten Hinweis auf eine Absicht gegeben habe.

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