Dritte Liga Appell vor dem Rauswurf

Ernster Blick: Michael Frontzeck musste nach der Misere der letzten Wochen seinen Posten beim 1. FC Kaiserslautern räumen.

(Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Der 1. FC Kaiserslautern trennt sich von Trainer Michael Frontzeck - dieser sieht die Probleme allerdings auch im Kader.

Von Christoph Leischwitz, Unterhaching

Schon in der ersten Halbzeit genügte ein Blick auf die Nordtribüne des Unterhachinger Sportparks um zu sehen, dass die Zeit abgelaufen war. Die SpVgg hatte das zweite von insgesamt fünf Toren geschossen, die letzten, die Michael Frontzeck als Trainer des 1. FC Kaiserslautern erleben sollte. Dessen Spieler verhielten sich völlig ratlos: Beim Anstoß nach dem 0:2 führte Julius Biada den Ball mit dem Rücken zum Gegner spazieren, als ob noch nicht wieder angepfiffen worden sei. Er verlor den Ball, der nächste Hachinger Angriff rollte. Da forderten die Gästefans erstmals Entlassungen, Dutzende Ordner stellen sich an den Zaun. Drei Tore später ersetzten Polizisten die Ordner, sie bewachten für den Fall eines Platzsturms sogar den Kabinengang an der gegenüberliegenden Südtribüne.

Eine halbe Stunde später im Presseraum. "Das kann noch dauern", sagte Trainer Claus Schromm. Alle warteten auf Frontzeck, es roch nach Gulaschsuppe. Als Frontzeck da war, wirkten seine Worte wohlüberlegt. Dem 54-Jährigen mit der Erfahrung von 436 Bundesligaspielen war klar, dass er bald beurlaubt werden würde, was ja am Tag danach, am Samstag, offiziell gemacht wurde. Dass der Trainer die Verantwortung übernehme, meinte er, das sei ja "letztendlich auch das Einfachste".

Er sagte, dass er 18 neue, meist junge Spieler einzubauen hatte nach dem Abstieg in die dritte Liga. Diese Spieler hätten gelernt, was es bedeutet, in Kaiserslautern Fußball zu spielen. "Das ist nicht nur, mit 45 000 Zuschauern gegen Sechzig 1:0 gewinnen", meinte er - damit spielte Frontzeck auf den furiosen ersten Spieltag an, als auf dem Betzenberg alle noch "himmelhoch jauchzend" unterwegs gewesen seien. So ein 0:5 wie in Unterhaching sei auch Teil eines Prozesses für so ein "fragiles Gebilde". Und: "Letztendlich ist es die Frage, die du dann anderen stellen musst, ob wir genug Zeit haben für diese Entwicklung." Sportdirektor Martin Bader übrigens hatte nach dem Spiel den Eindruck, dass "die Mannschaft nicht weiß, was es bedeutet, für den FCK Fußball zu spielen".

Frontzecks Doppeldeutigkeit dürfte geplant gewesen sein. Er spielte auf die Historie des Vereins an, darauf, dass an einem Ort wie Kaiserslautern schnell Ungeduld aufkommt. Ein Treppenwitz, dass auch Otto Rehhagels Abschied vom FCK einst in Unterhaching begann, vor ziemlich genau 18 Jahren, ebenfalls nach einem Freitagabendspiel. Einziger Unterschied: Das 0:0 damals bescherte Rehhagel noch drei weitere Wochen. Frontzeck sprach aber auch von seiner eigenen Arbeit, die er erst im Februar begonnen hatte. Er sagte, dass man sich vor vier Wochen "noch in den Armen lag", und in der vergangenen Woche plötzlich "Druck auf dem Kessel" gewesen sei nach dem 0:0 gegen Wehen Wiesbaden. Mit anderen Worten: Ein bisschen mehr Zeit hätte er sich schon erhofft. Selbstkritik übte er im Presseraum zwar nicht. Doch nach dem Schlusspfiff hatte er in einem TV-Interview gesagt: "Wenn wir über Entwicklung sprechen, dann musst du natürlich irgendwann anfangen, diese individuellen Fehler abzustellen."

Noch am Freitagabend schickte Frontzeck, als sei er schon ein Außenstehender, einen Appell an den Verein. Zusammenhalt und niedrigere Erwartungen seien vonnöten, um die dritte Liga zu meistern. Am Samstag sprach Sportdirektor Bader dann von "neuen Impulsen", die nötig seien. Die Zeit für den Trainer war da auch offiziell abgelaufen. Der Verein kündigte "zeitnah" eine Nachfolgelösung an. Dem nächsten Trainer dürfte klar sein, dass es angesichts von vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze erst einmal nicht um den direkten Wiederaufstieg geht. Er wird darum bitten, im Abstiegskampf in Ruhe arbeiten zu können.