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Dritte Fußball-Liga:Beliebtes Spanien

Die bayerischen Klubs trainieren wieder: Die Löwen bestreiten nur ein Testspiel, die Ingolstädter gleich fünf.

Von Christoph Leischwitz und Markus Schäflein

Die Würzburger Kickers sind, so hat es das bei Statistiken überaus verlässliche Fachmagazin Kicker berechnet, der "nach Drittliga-Siegen erfolgreichste Klub des Kalenderjahres". Auch wenn es einiger Kreativität bedurfte, um diesen Superlativ zu erschaffen, können die Unterfranken mit ihrer Entwicklung also zufrieden sein. Dennoch möchten sie den Kader in diesem Winter umgestalten. Die erst vor einem halben Jahr verpflichteten Angreifer Hüseyin Cakmak (aus Kaiserslautern) und Niklas Zulciak (aus der zweiten polnischen Liga) dürfen laut dem Magazin schon wieder gehen. Torhüter Leon Bätge und Stürmer Patrick Breitkreutz, deren Verträge am Saisonende auslaufen, flogen am Dienstag gar nicht erst mit ins Trainingslager an die spanischen Costa de la Luz. Sie sollen die Zeit sinnvoller nutzen und sich neue Arbeitgeber suchen. Dafür kommt eventuell ein Neuer: Der 20-jährige Mittelfeldspieler Leon Bürger kam beim Ligakonkurrenten Braunschweig nicht zum Zug und präsentiert sich nun bei den Würzburgern.

Beim TSV 1860 München, dem nach nicht verlorenen Spielen unter Michael Köllner erfolgreichsten Klub des vergangenen Novembers und Dezembers, hat der neue Coach die Mannschaft vor dem Trainingsauftakt ins Löwenstüberl zum leckeren Rouladenessen eingeladen - anlässlich seines 50. Geburtstag und zugleich als nachträgliche Einstandsparty. Anlass für Einstandspartys haben auch die Jungprofis Ahanna Agbowo (U19, Mittelfeldspieler) und Maxim Gresler (U17, Linksverteidiger). Sie durften erstmals bei den Profis mittrainieren und werden voraussichtlich auch mit ins Trainingslager nach La Manga (auch in Spanien) fliegen. Dort werden die Löwen kein Testspiel absolvieren. Die einzige Probepartie findet bereits vor der Abreise statt, am Samstag beim österreichischen Zweitligisten Wacker Innsbruck. Nachdem die Sechziger unlängst eine für die dritte Liga sehr außergewöhnliche Ablösebeteiligung für Julian Weigl (aus Dortmund zu Benfica Lissabon) von rund 1,5 Millionen Euro kassiert haben, hoffen sie nun noch auf einen Transfer von Marin Pongracic von RB Salzburg - auch da würden sie mitprofitieren.

Mit der Empfehlung von 13 Treffern in 19 Bayernliga-Partien kommt der Stürmer Patrick Görtler vom FC Eintracht Bamberg zum FC Ingolstadt, dem nach Punkten Zweitplatzierten der Tabelle. Da sich der 21-Jährige zunächst in der zweiten Mannschaft empfehlen soll, wird er allerdings nicht als offizieller Zugang geführt - und andere Neue wird es, wenn es nach Jeff Saibene geht, voraussichtlich auch nicht geben. "Wir sind jetzt nicht so auf der Suche, dass wir unbedingt Spieler wollen. Wir sind gut besetzt", sagte der Trainer des Tabellenzweiten dem Donaukurier. In Patrick Sussek (Mittelfußbruch), Agyemang Diawusie und Frederic Ananou (beide Schulteroperation) kehren zudem drei Spieler in den Kader zurück. Das Trainingslager findet im bewährten Oliva Nova (natürlich in Spanien) statt. Dort werden auch drei der insgesamt fünf geplanten Testspiele veranstaltet. Gegen Saibenes früheren Klub FC St. Gallen gewannen die Schanzer am Dienstag 6:3 (4:2) durch Tore von Maximilian Wolfram, Tobias Schröck, Robin Krauße, Marcel Gaus und Caniggia Elva (2). Der Zwischenstand von 3:2 war in der kuriosen Partie gegen den Schweizer Erstligisten bereits nach 22 Minuten erreicht.

Woran es im Einzelnen lag, dass sie gleich nach der Winterpause schon mehrmals in eine Krise gerieten, wissen sie bei der SpVgg Unterhaching bis heute nicht, es lässt sich selbst aus den Kicker-Statistiken nicht ablesen. Dass es obendrein vor einem Jahr ganz besonders schlecht lief - vor der Winterpause eine Niederlage, nach der Winterpause elf Niederlagen - hat die Verantwortlichen im Nachhinein aber sogar zusammengeschweißt: Trainer Claus Schromm stand nie zur Debatte und genießt so viel Vertrauen wie kaum ein anderer Drittliga-Coach. Jetzt sind die Hachinger auch zuversichtlich, dass es diesmal wirklich zu keinem Leistungseinbruch kommt: Den fünften Tabellenplatz, punktgleich mit dem Dritten Mannheim, hat man sich erspielt, obwohl mehrere Leistungsträger lange fehlten. Marc Endres in der Abwehr oder Luca Marseiler im Mittelfeld konnten geschont werden, weil der Kader diesmal breit genug aufgestellt ist. Seit Montag trainieren sie wieder mit (Marseiler aber noch nicht mit der Mannschaft). Nach dem Testspiel gegen Heidenheim am Donnerstag wird es im Trainingslager in Cadiz (Spanien!!) auch darum gehen, nach längeren Einzelgesprächen den großen Kader eher noch zu verkleinern, und sei es nur durch Ausleihe. Was den Aufstieg angeht, so nimmt Präsident Manfred Schwabl zwar das Wort "Attacke" in den Mund. Aber keine bedingungslose, sondern nur eine mit "Hirn und Verstand".

Auch wenn es manchen spanisch vorkommt: Der FC Bayern München II bestreitet überhaupt kein Trainingslager, er bleibt einfach zu Hause. Am Campus ist man ein bisschen stolz auf ein anderes Alleinstellungsmerkmal: einziges Nachwuchsteam im Profifußball. Mithilfe dieses Lockstoffes sollen auch weitere Talente verpflichtet werden. Da wäre es vonnöten, dass der Aufsteiger auch in der dritten Liga bleibt - doch der Vorsprung auf die Abstiegsplätze schmolz laut Kicker zuletzt auf drei Punkte zusammen. Ob sich schon für die aktuellen Spieler die Lücke zu den Profis entscheidend verkleinert, muss sich erst noch zeigen. Einerseits durfte Joshua Zirkzee dank seiner Profi-Tore im Dezember frohlocken. Andererseits wurde dem U23-Stammtworwart Christian Früchtl die Verpflichtung Alexander Nübels vorgesetzt, und das nur wenige Wochen nach Früchtls Vertragsverlängerung. Dass jüngere Spieler wie Sarpreet Singh oder Leon Dajaku mit ins Trainingslager der ersten Mannschaft nach Katar reisen durften, ist ebenfalls kein bedeutendes Indiz für Profieinsätze. Womöglich muss ein Großteil der Jungprofis schlicht aushelfen, damit die U23 nicht absteigt. Aber für diese Spieler macht sich ein Ligaverbleib in der Vita ja sicher auch nicht schlecht.

© SZ vom 08.01.2020
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