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Dritte Etappe:Alaphilippe im Gelben Trikot

Tour de France - The 215-km Stage 3 from Binche to Epernay

Trotz mancher Erfolge auch auf Kletterabschnitten zählt Julian Alaphilippe nicht zu den Top-Kandidaten auf den Gesamtsieg.

(Foto: GONZALO FUENTES/REUTERS)

Der Franzose siegt auf dem Teilstück zwischen Binche in Belgien und Epernay in der Champagne.

Normalerweise bekommen die Gewinner einer Tour-de-France-Etappe immer erst am Abend den Champagner-Geschmack auf die Lippen, wenn sie sich zur Feier ihres Erfolges ein Gläschen im Kreis ihrer Mannschaft gönnen. Aber der Franzose Julian Alaphilippe musste an diesem Montag nach seinem Sieg und seiner Fahrt ins Gelbe Trikot nicht so lange warten. So Champagner-geschwängert ist die Luft in den Gassen von Épernay, diesem Städtchen südlich von Reims, dass er fast schon beim bloßen Durchfahren ein wenig Schaumwein-Geschmack kosten konnte.

Es war eine starke Vorstellung, die der 27 Jahre alte Klassikerspezialist vom Team Quick Step in dem schwierigen Finale durch die Weinberge gezeigt hatte. Schon 16 Kilometer vor dem Ziel - und damit früher als von der Konkurrenz erwartet - attackierte er, und nach der letzten steilen Rampe hinauf zum Ziel kam er dort 26 Sekunden vor den nächsten Verfolgern an. Michael Matthews (Sunweb/Australien) wurde Zweiter, der Slowake Peter Sagan aus der deutschen Bora-Mannschaft durfte sich nach Rang fünf immerhin das Grüne Trikot des Punktbesten überstreifen.

Ein bisschen angespannt war die Stimmung bei Bora gleichwohl. Denn das anspruchsvolle Schlussprofil der Etappe war auch dem Berliner Maximilian Schachmann entgegenkommen. Der schaffte es zwar nicht, Alaphilippes Attacke mitzugehen, aber immerhin in eine vierköpfige Verfolgergruppe direkt hinter dem Franzosen. Doch da sollte er nur der Aufpasser sein, aber nicht wirklich mitarbeiten, weil das Team auf die Karte Sagan und den Schlussspurt setzte. "Die Frage können Sie an die Sportliche Leitung weitergeben", sagte Schachmann, als er angesprochen wurde, warum Bora sich trotz des schweren Profils so eindeutig entschieden hatte. Der Sportliche Leiter Enrico Poitschke wiederum erklärte, dass Schachmann ja freie Fahrt gehabt hätte - wenn er denn bei Alaphilippes Attacke drangeblieben wäre.

Dabei war auch bemerkenswert, dass dieser erste etwas schwierigere Tour-Tag gleich ein paar Folgen für die Gesamtwertung hatte. Der Russe Ilnur Zakarin (Katjuscha) etwa fiel schon fast vier Minuten zurück. Auch direkt hinter Alaphilippe zerfiel die Gruppe ein bisschen, so kam dann pikanterweise der junge kolumbianische Ineos-Fahrer Egan Bernal, 22, fünf Sekunden vor dem etwas älteren britischen Ineos-Fahrer Geraint Thomas, 33, ins Ziel. Fünf Sekunden sind natürlich nicht viel bei einer Tour. Aber bei der Frage, wer in der aktuellen Rundfahrt beim dominierenden Team der vergangenen Jahre die Nummer eins ist, sind es manchmal auch Kleinigkeiten, die wichtig sein können.