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Dressurreiten:Wenn Roboter auf Pferde treffen

Equestrian - Olympics: Day 10

Isabell Werth mill mit ihrer Stute Weihegold wie zuletzt bei Olympia auch beim Weltcup-Finale in Paris triumphieren

(Foto: Rob Carr/Getty)
  • Dressurreiten ringt mit dem Image, gestrig und unspektakulär zu sein, zuletzt fiel bei einem Kongress das Wort "Dressur-Omas" für die Dominanz älterer Reiterinnen.
  • Doch der Sport denkt über Veränderungen nach, zum Beispiel über die Einführung von Robotern zur Punktevergabe.
  • Reiterin Isabell Werth plädiert trotzdem für Traditionspflege - in der einzigen Sportart, die zusammen mit einem Lebewesen ausgeübt wird.

Wo sie reitet, ist vorne: Isabell Werth dominiert so unangefochten die Dressur, dass einige Konkurrenten gar nicht erst zum Weltcupfinale nach Paris gereist sind. Werth belegt zur Zeit in der Weltrangliste die ersten beiden Plätze, Nummer eins mit ihrem Paris-Pferd Weihegold, Rang Zwei mit Emilio.

Außer der US-Reiterin Laura Graves muss Werth auf dem Weg zum vierten Weltcupgewinn kaum jemanden fürchten. Dressurreiten ist ein Sport der langfristigen Erfolge, wer oben ist, hält sich dort oft Jahrzehnte. Werth, 48, ritt als 20-Jährige in ihrem ersten Championat für Deutschland. Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach Sportarten sucht, die fetzig und interessant für junge Leute sind, wie etwa das 2020 erstmalig ausgetragene Klettern an senkrechten Wänden, scheint die Dressur mit ihren strikten Lektionen manchmal aus der Zeit gefallen zu sein. Beim Sportforum der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) im März in Lausanne rutschte einem jungen Teilnehmer das Wort von den "Dressur-Grannies" heraus, Dressur-Omas, wofür er sich umgehend entschuldigte.

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Ist die Zeit hinweggerollt über den feinen Sport im Frack? "Nein", sagt Isabell Werth, "ganz im Gegenteil. Unsere Attraktivität ist es auch, dass wir ein Stück Tradition hochhalten. Wir sind nach wie vor die einzige Sportart, die zusammen mit einem Lebewesen ausgeübt wird. Die Dressur ist halt nicht schnelllebig und spektakulär, das ist unsere Stärke, die müssen wir pflegen."

"Die Ausbildung ist nicht mitgewachsen"

Das mit den Dressur-Omas will sie ebenfalls nicht auf sich sitzen lassen: "Wir haben alle jung angefangen, waren auch mal die Youngster im Championatsteam." Auch in anderen Sportarten sind nicht nur Teenager am Start, aber dass 70-Jährige fröhlich bei Olympia mitmachen, gibt es wohl nur in der Dressur.

Es sei vor allem eine Frage der Konkurrenz, dass so viele Reiter solange die vorderen Plätze besetzen. "Der Dressursport hat sich zwar weltweit verbreitet, aber oft fehlt es an Kompetenz. Die Ausbildung ist nicht mitgewachsen, und nur wenige Reiter können Pferde bis zur Weltklasse ausbilden," sagt Werth. Auch die Ausbildung der Richter hinkt hinterher. Schwer nachzuvollziehende Ergebnisse sind das größte Problem. Wenn schon die Fachleute die Richternoten nicht verstehen, stehen die Nicht-Experten, und das sind ja die meisten, erst recht vor einem Buch mit sieben Siegeln.