Dressur-Reiterin Laudrup-Dufour:Der Wallach schafft seine Liegestütze

Lesezeit: 3 min

Cathrine Laudrup-Dufour

"Ich mach' das alles nicht für die Turniere, ich liebe meine täglich Arbeit, es ist mehr die Liebe zum Reiten, zu den Tieren": Cathrine Laudrup-Dufour.

(Foto: Volker Essler/Sven Simon/Imago)

Ein leistungsstarkes Pferd und Sport-Größen in der Familie: Die dänische Reiterin Cathrine Laudrup-Dufour dominiert die Dressur-Szene - und will auch bei der WM in ihrer Heimat ihre Liebe zu den Tieren demonstrieren.

Von Gabriele Pochhammer, Herning/München

Wohlig räkelt sich Vamos Amigos in seinem Bett aus Spänen, lässt sich genüsslich das Fell striegeln und pflegen und schaut zwischendurch seine Reiterin mit großen, feuchten Augen an. Wie gut, dass es Social Media gibt, sonst wüsste die Welt das alles nicht. Es gefällt dem zehnjährigen braunen Wallach gut an der Stätte seines möglichen Triumphes, signalisiert seine Reiterin Cathrine Laudrup-Dufour mit den Videoschnipseln.

Glückliche Pferde braucht es, um zu siegen, davon ist die 30-Jährige fest überzeugt, die bei der Weltmeisterschaft ab diesem Samstag als hohe Favoritin antritt. Eine kurze Trainingssequenz, eine taktmäßige, mühelose Piaffe soll zeigen, dass Laudrup-Dufour und Vamos Amigos bereit sind für drei Weltmeistertitel. So viele sind drin, eine mit der dänischen Mannschaft und die beiden Einzelchampionate im Grand Prix Special und der Musikkür.

Ungeschlagen kam die Dänin mit ihren beiden Pferden (neben Vamos Amigos noch das zwölfjährige Olympiapferd Bohemian) vom CHIO Aachen zurück - fünf Starts und fünf Siege, das gelang selbst den sieggewohnten Deutschen bisher nur selten. Die werden sich bei dieser Weltmeisterschaft schwer tun, frühere Triumphe zu wiederholen. Vier ihrer Pferde, die in den letzten Jahren mit Noten von mehr als 80 Prozent gewonnen haben, sind nicht (mehr) dabei, auch keines der Pferde, die 2021 olympisches Gold in Tokio geholt haben.

Bei der WM könnte Laudrup-Dufour davon profitieren, dass die Deutschen mit anderen Dingen beschäftigt sind

Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl erwartet in diesen Wochen ihr zweites Kind, ihre Trakehnerstute Dalera bekommt nur spärlich Bewegung. Weihegold und Bella Rose von Isabell Werth wurden in den Ruhestand verabschiedet - kaum einer traut Nachfolger Quantaz ähnliche Glanzleistungen zu. Der zweimalige Mannschaftsolympiasieger Showtime von Dorothee Schneider ist wieder mal verletzt, die Reiterin mit Faustus nur als Reservistin dabei.

Dafür reiten drei Neulinge, Ingrid Klimke mit Franziskus, die bisher nur in der Vielseitigkeit Championatserfahrung sammelte, Benjamin Werndl mit Famoso und Frederic Wandres mit Duke of Britain. Bundestrainerin Monica Theodorescu nimmt es gelassen: "Das ist der Sport, und wenn andere diesmal besser sind, dann ist das eben so. Wir konzentrieren uns auf uns selbst."

Mit fünf Jahren saß Cathrine Laudrup-Dufour zum ersten Mal im Sattel, mit zwölf begann sie mit ihrem Pony Turniere zu reiten, und irgendwann kam dann das Pferd, das sie im Sport nach oben brachte. So oder so ähnlich beginnen viele Reiterinnen-Biografien. Das Pferd, dem Laudrup-Dufour ihren internationalen Aufstieg verdankte, heißt Cassidy, es ist 19 Jahre alt und wird in Herning eine Abschiedsparty bekommen. Der hübsche Fuchs galt zunächst als schwierig und nicht übertalentiert.

Cassidy, den Braunen, hatten die Experten lange unterschätzt. Dann trug er Laudrup-Dufour in die Weltspitze

"Ein Grand Prix-Pferd wird das nicht", sagte Laudrup-Dufours damaliger Trainer Andreas Helgstrand, heute einer der größten Pferdehändler und Hengsthalter der Szene. Er täuschte sich. Mit Cassidy wurde Laudrup-Dufour zweimal Europameisterin der Jungen Reiter, gewann ihre ersten Medaillen bei den Senioren, EM Bronze 2017 und 2019 - und die Richter begannen aufzumerken, wenn das elegante Paar ins Viereck galoppierte. An Cassidy lernte sie zu schätzen, was seitdem ihr Vorhaben bei allen Pferden ist, die sie sich aussucht.

"Er gibt immer mehr, als er eigentlich kann", sagt sie. Die Leistungsbereitschaft, der Wille, sich trainieren zu lassen, sei das Allerwichtigste bei einem Pferd, die Lust am Vorwärtsgehen. Faule Pferde mag sie nicht. Auch ihre Schüler, von denen sie inzwischen etliche trainiert, müssen "neugierig und fleißig" sein. Das gilt gleichermaßen für Laudrup-Dufour selbst. Das tägliche Fitnesstraining sieht man ihr an, wenn sie ausbalanciert und mit Körperspannung im Sattel sitzt. Es hat ihr auch die Augen geöffnet für das, was sie von ihrem Sportpartner verlangt.

Eine Piaffe oder eine Passage sei für das Pferd so etwas wie Liegestütz oder Gewichtheben, sagt sie. Dazu braucht es Kraft und genügend Zeit, um sich wieder zu erholen. Deshalb startet Laudrup-Dufour seltener als viele ihrer Konkurrenten in Wettkämpfen. Dennoch hat sie es mit Bohemien und Vamos Amigos in der Weltrangliste auf Platz zwei und drei geschafft. Platz eins ist noch von Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera besetzt. Im November 2021 hat Laudrup-Dufour die Springreiterin Rasmine Laudrup, Tochter des früheren Bayern-Fußballers Brian Laudrup, geheiratet. Seitdem der Doppelname.

Das Paar lebt mit etwa 20 Pferden in dem kleinen Ort Grønholt bei Kopenhagen. Zum Training kommen die früheren Olympiareiterinnen Nathalie zu Sayn-Wittgenstein und Kyra Kyrklund vorbei und geben Tipps. Das sind für Cathrine Laudrup-Dufour die schönsten Tage. "Ich mach' das alles nicht für die Turniere, ich liebe meine täglich Arbeit, es ist mehr die Liebe zum Reiten, zu den Tieren." Das klingt gut. Und wenn dann noch ein paar Medaillen herausspringen, umso besser.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Cathrine Laudrup-Dufour fälschlicherweise als Olympiasiegerin bezeichnet.

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