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Douglas Costa beim FC Bayern:"Nicht nur nach Charakter ausgesucht"

Newly Signed FC Bayern Muenchen Player Douglas Costa Arrives in Munich

Zurück beim FC Bayern: Douglas Costa.

(Foto: Getty Images for FC Bayern)

Uli Hoeneß rief Douglas Costa einst hinterher, er sei ein "Söldner". Nun ist der kunstfertige Brasilianer zurück beim FC Bayern - mit der Vergangenheit will er sich nicht aufhalten.

Von Sebastian Fischer

Es gibt längst Bilder, die Ivan Perisic beim Jubeln im schwarz-blauen Trikot zeigen, aber das hat ihm bislang noch niemand vorgeworfen. Söldner, so werden im sich bisweilen des Militärischen bedienenden Fußballjargon ja gerne Profis genannt, die heute hier und morgen dort spielen, ohne sich daran zu stören. Im Fall von Perisic, 31, der im August noch mit dem FC Bayern die Champions League gewann und nun nach Beendigung eines Leihgeschäfts wieder für Inter Mailand aufläuft, würde man auf die Idee eher nicht kommen. In München galt er als wertvoller Musterprofi, den viele im Klub gerne weiterbeschäftigt hätten. Im Fall seines Nachfolgers war das allerdings einmal anders.

Beim FC Bayern folgte am Dienstag Teil zwei der Vorstellungsrunde jener Zugänge, deren Verpflichtung die Münchner kurz vor Transferschluss vor rund einer Woche bekanntgegeben hatten, um den Kader für eine Saison der pandemiebedingten Terminhatz zu verbreitern. Am Montag hatte Sportvorstand Hasan Salihamidzic bereits den Rechtsverteidiger Bouna Sarr und den Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting der Öffentlichkeit präsentiert, am Dienstag saß er in der Video-Pressekonferenz neben Marc Roca und Douglas Costa.

Roca, 23, ist unter anderem deshalb geholt worden, um im Mittelfeld eine Lücke zu schließen; diese entsetzliche Lücke, die der Abschied des wohl unersetzlichen Thiago zum FC Liverpool gerissen hat. Roca kann das kaum gelingen, muss es aber auch nicht - seine Verpflichtung wurde allenthalben als Schnäppchen gelobt. Die Münchner wollten ihn bereits 2019 holen, damals sollte er angeblich die festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro kosten. Diesmal soll Espanyol Barcelona, inzwischen Zweitligist, ihn für neun Millionen abgegeben haben. Salihamidzic lobte unter anderem, dass Rocas "Mentalität" zur Mannschaft passe.

Am Donnerstag könnte Costa schon im Pokal zum Einsatz kommen

Der Brasilianer Costa, 30, von 2015 bis 2017 schon mal in München und nun für ein Jahr zur Leihe von Juventus Turin zurückgekehrt, soll die Lücke schließen, die der Abschied von Perisic bedeutete. In Nationalspieler Leroy Sané kam im Sommer schon ein prominenter neuer Flügelspieler, er ist derzeit aber verletzt, was die Bedeutung von Costas Rolle unterstreicht. Er soll Flügelspieler Nummer vier im Kader sein, hinter Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman. Ähnlich wie bei Roca wollten die Münchner diesen Transfer schon mal realisieren, im vergangenen Winter. Damals scheiterte der Versuch aber offenbar an den finanziellen Vorstellungen in Turin.

Als es diesmal klappte, den Brasilianer zurückzuholen, kam man nicht umhin, im Archiv auf ein Zitat von Uli Hoeneß zu stoßen, inzwischen Ehrenpräsidenten des FC Bayern. "Costa hat nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war, der uns charakterlich nicht gefallen hat", sagte er im August 2017 der Frankenpost.

Als Salihamidzic am Dienstag nach Costas Charakter gefragt wurde, sagte er den interessanten Satz: "Natürlich haben wir nicht nur nach Charakter ausgesucht, hier wird Fußball gespielt." Er ergänzte dann aber auch, dass neben der Qualität der Neuen natürlich auch auf den Charakter geachtet worden sei, das sei auch dem Trainerteam wichtig. Und Costa selbst sagte: "Ich lebe nicht in der Vergangenheit, was passiert ist, das ärgert mich nicht. Ich glaube, das Thema ist erledigt." Er sei außerdem in drei Jahren in Italien reifer geworden. Er habe noch mehr an seinem Körper gearbeitet. Ansonsten habe er sich aber nicht so sehr verändert.

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