Deutscher Olympischer Sportbund:Immer noch aufgewühlt

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Deutscher Olympischer Sportbund: Thomas Weikert hat beim DOSB auch mit hausgemachten Debatten zu tun.

Thomas Weikert hat beim DOSB auch mit hausgemachten Debatten zu tun.

(Foto: Robin Rudel/Imago)

Olympia-Bewerbung, Leistungssport-Reform, Aufarbeitung der Vergangenheit: Der DOSB führt gerade ein paar hausgemachte Debatten, in denen das Agieren der aktuellen Führung verwundert.

Kommentar von Johannes Aumüller

Als das neue Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) um Thomas Weikert ins Amt kam, lautete eine vordringliche Aufgabe, die nach der Präsidentschaft von Alfons Hörmann aufgewühlte Sportlandschaft wieder zu beruhigen. Ein Dreivierteljahr ist das jetzt her, vorige Woche kündigte das Gremium an, im Dezember wieder zu kandieren. Doch aufgewühlt ist die deutsche Sportlandschaft immer noch, wenngleich auf eine andere Art.

Der deutsche Sport führt gerade ein paar bemerkenswerte Debatten, und keineswegs nur solche, die ihm das Weltgeschehen in Form von Corona und Energiekrise aufdrückt; sondern auch ein paar hausgemachte, in denen das Agieren der neuen Führung verwundert.

Das betrifft zuvorderst die mögliche Bewerbung für Olympische Spiele 2034 oder 2036. Offiziell lautet die Linie, behutsam einen Plan zu entwickeln, aber die Diskussion treibt teils so seltsame Blüten, als wolle man nach sieben missglückten Anläufen ein achtes Scheitern geradezu heraufbeschwören. Nur ein Punkt von vielen: Gerade wird von Sportlobbyisten bis hin zu Uli Hoeneß erkennbar öfter infrage gestellt, ob es für eine Olympia-Bewerbung überhaupt eine Mehrheit in der Bevölkerung brauche. Das wäre natürlich eine sehr schräge Art, nach dem Nein der Menschen zu München 2022 und Hamburg 2024 ein drittes Veto zu verhindern. Der DOSB sollte dringend klarmachen, dass es in jedem Fall zu einem verpflichtenden Referendum kommt.

Just die Athleten fordern ein Ende der Fixiertheit auf Medaillen

Ein anderes Themenfeld: der Zustand des Leistungssports. Acht Jahre hat sich der Sport in einem unglaublich mühevollen Prozess an einer sogenannten Reform abgearbeitet, die zu mehr Medaillen führen sollte. Das Ergebnis: mehr Geld aus dem Bundesinnenministerium, aber nicht mehr sportliche Erfolge - und zugleich viel mehr Bürokratie und viel Frust. Der zuständige Leistungssport-Vorstand Dirk Schimmelpfennig muss demnächst auch gehen, aber die missliche Lage hat weiß Gott viele Väter (und auch ein paar Mütter).

Jetzt geht es mal wieder um eine Reform der Reform, und besonders spannend: Just die Athleten fordern ein Ende der Fixiertheit auf Medaillen und einen stärkeren Fokus auf die gesellschaftliche Bedeutung. In einem aktuellen DOSB-Papier hingegen steht, man wolle "potentialreiche" Sportarten, Disziplinen und Sportler "vorrangig" fördern, die Landessportbünde sekundieren mit der Idee, manche Sportarten künftig gar nicht mehr zu fördern. Offenkundig droht der deutsche Sport ein zweites Mal in dieselbe Falle zu rattern.

Und schließlich ist da der Umgang mit Personal und Vergangenheit. Schon die Art, auf die der neue Vorstandschef Torsten Burmester ins Amt kam, erzeugte eine Protestnote im Sport. Jetzt richten sich alle Blicke auf die zu Jahresbeginn eingesetzte Kommission, die die Ära von Ex-Boss Hörmann aufarbeiten soll. Dabei irritierte schon die Zusammensetzung, weil zu ihr auch die Ex-Funktionärin Christa Thiel zählt, unter Hörmann DOSB-Vize.

Bis Ende September sollen die Ergebnisse vorliegen, und dann zeigt sich, wie genau die Kommission hingeschaut hat; beim umstrittenen Ex-Präsidenten, aber auch bei anderen Funktionären, die heute noch im Sport mitmischen. Und vor allem wird die aktuelle Führung des DOSB dann daran gemessen, welche Konsequenzen sie daraus zieht.

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