Deutscher Olympischer SportbundRückschlag für Michael Mronz

Lesezeit: 4 Min.

Nahe dran an der Macht: Michael Mronz (links neben Bundeskanzler Friedrich Merz) könnte im kommenden Dezember Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) werden.
Nahe dran an der Macht: Michael Mronz (links neben Bundeskanzler Friedrich Merz) könnte im kommenden Dezember Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) werden.
Andreas Gora/dpa
  • Die Findungskommission des DOSB wollte Sportmanager Michael Mronz als einzigen Kandidaten für das Präsidentenamt empfehlen, scheiterte damit aber in Oberhaching.
  • Mehrere Spitzenverbände lehnten Mronz ab, weil sie befürchten, dass unter ihm die klassische Verbandsarbeit zu kurz kommen könnte.
  • Eine offizielle Empfehlung soll nun erst Anfang November nach Ablauf der Bewerbungsfrist am 31. Oktober folgen, Gegenkandidaten sind möglich.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Der 59-jährige Sportmanager soll als neuer Präsident des DOSB durchgeboxt werden. Doch der Plan gerät ins Stocken: Auf einer Sitzung wehren sich einflussreiche Verbände dagegen.

Von Johannes Aumüller und Johannes Knuth, Oberhaching

SZ bei Google bevorzugen

Am Freitagnachmittag, rund fünf Stunden, nachdem die ersten Sitzungen des Tages angebrochen waren, hatten sich nicht ganz die Ritter der Tafelrunde zusammengefunden, dafür aber wichtige Vertreter des organisierten deutschen Sports – und hielten Rat. Vor dem Eingang der Sportschule Oberhaching, vor hohen Glasfenstern, hellem Holz und grauem Himmel, waren unter anderem anwesend: Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, sowie Sprecher der Spitzenverbände; Hanns-Michael Hölz, Präsident von Snowboard Germany, und Vertreter der Arbeitsgruppe Wintersport; der Baden-Württemberger Jürgen Scholz als Sprecher der Landessportbünde; sowie Michael John vom Boccia-, Boule- und Pétanque-Verband und als solcher auch Repräsentant der nichtolympischen Verbände.

Und als schließlich zwei Gesandte hervortraten, verkündeten sie die Botschaft des Tages. Sie lautete: Die Suche nach einem neuen Präsidenten für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) läuft etwas anders gedacht – vor allem für Michael Mronz und dessen Unterstützer.

DOSB-Präsident Thomas Weikert
:Der Chef des deutschen Sports geht mit etwas Selbstkritik

DOSB-Boss Thomas Weikert erklärt, dass er bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten wird – wohl auch, weil die Unterstützung für ihn schwand. Sein Nachfolger hat einen Berg an Aufgaben.

Von Johannes Knuth

Die Vertreter von Spitzenverbänden und Landessportbünden, den beiden großen Gruppen in der DOSB-Mitgliedschaft, waren in Oberhaching zusammengekommen, weil ihnen eine Findungskommission dort das Destillat einer monatelangen Arbeit präsentierte. Deren Kern: den Kölner Sportmanager Mronz, 59, seit drei Jahren Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), als einzigen Kandidaten zu empfehlen, der im Dezember auf Thomas Weikert als DOSB-Präsident folgen soll. Das Ganze galt als fein eingefädelt, verschiedene Funktionäre hatten zuletzt schon Pressemitteilungen angedacht, Mronz sprach am Freitag in Oberhaching vor, auch Weikert und Otto Fricke, der DOSB-Vorstandsvorsitzende, glitten über die Flure der Sportschule.

Doch nachdem alle getagt hatten – die Landessportbünde an der Sportschule, die Spitzenverbände am Tennisstützpunkt die Straße gegenüber –, verkündeten ihre Abgesandten Hanns-Michael Hölz und Jürgen Scholz sinngemäß: Man vertage sich. Eine offizielle gemeinsame Empfehlung gebe es nicht, diese folge allenfalls Anfang November, wenn die Bewerbungsfrist für Präsidiumskandidaten verstrichen ist. Sollte der Plan mancher Protagonisten also umfasst haben, das Treffen von Oberhaching zur Vorentscheidung zu nutzen, dann wäre er kolossal gescheitert.

Ein kurzer Rückblick: Im März hatten Vertreter diverser Mitgliedsverbände im DOSB eine Kommission geformt, die nach einem künftigen Präsidium fahnden sollte. Deren Angehörige um Turner-Chef Hölzl oder Basketball-Präsident Ingo Weiss hatten das auch öffentlich mit den gewaltigen Aufgaben begründet, die der deutsche Sport vor der Brust habe: Spitzensportreform, Olympiabewerbung, Regelwerke für sexualisierte und andere Gewalt, nur als kleine Auswahl. Da sollte geeignetes Personal rechtzeitig angeworben werden. Zugleich hatten Interessengruppen dem diensthabenden DOSB-Präsidenten Thomas Weikert längst übermittelt, dass sie ihn nicht mehr unterstützen würden, sollte er nochmals kandidieren. Erst am Donnerstag gab der 64-Jährige dann bekannt, dass er sich zurückziehen werde, wobei er vor allem persönliche Gründe anführte.

So war ein recht informeller Prozess eines informellen Gremiums losgerollt. Dem Vernehmen nach sprachen in dieser Findungskommission für das Präsidentenamt auch nur zwei Funktionäre vor: Michael Mronz – und Martin Engelhardt, derzeit DOSB-Vize und Präsident der Deutschen Triathlon Union. Engelhardt hat sich seit Jahren einen Ruf als recht eigenständiger Kopf erarbeitet, der sich als einer der wenigen Sportpolitiker nicht scheut, die Missstände im eigenen Betrieb klar zu benennen, auch öffentlich. Er kennt sich auch auf den Fluren der nationalen Verbandspolitik gewiss besser aus als Mronz. Kleine Pointe: Die Findungskommission schlug Engelhardt am Freitag dann auch vor – als Vize in einem künftigen Kabinett von Mronz.

Offenbar wird befürchtet, dass unter Mronz manche Verbandsarbeit zu kurz kommen könnte

Doch während sich die Landessportbünde in den Sitzungen in Oberhaching dem Vernehmen nach eher zurückhaltend gaben, ging es bei den Spitzenverbänden offenbar krachender zur Sache. Manchen stieß offenbar auf, dass sich die Findungskommission vor Bewerberfrist überhaupt positionieren wolle; anderen, dass das Gremium anscheinend ein vollwertiges Personaltableau ersonnen hatte – neben Mronz als Präsident und den aktuellen DOSB-Vizes Engelhardt und Kerstin Holze noch Silke Renk-Lange vom Landessportbund Sachsen-Anhalt, Gewichtheberpräsident Florian Sperl sowie Fritz Joussen, eine langjährige Führungskraft aus der Wirtschaft, unter anderem beim Touristikkonzern Tui.

Zugleich erklangen offenbar Vorbehalte gegen Mronz selbst: nicht unbedingt wegen dessen Rolle während der Olympiabewerbung, bei der manche eine Nähe von Mronz zur Kampagne von „KölnRheinRuhr“ wahrgenommen hatten (die Mronz in der Vergangenheit bestritten hat). Doch da das IOC-Mitglied vor allem international ausgerichtet ist, wird teilweise befürchtet, dass unter Mronz die klassische Verbandsarbeit zu kurz kommen könnte, in der es von der Spitzensportreform bis zu Safe-Sport-Initiativen gerade so viele drängende Baustellen gibt. Und obendrein passt es manchem Spitzenverband nicht, dass da ein Vertreter der Wirtschaft in die DOSB-Führung aufrücken soll, weshalb auch schon alternative Präsidiumsbesetzungen kursieren. Als gesetzt dürfen sich wohl nur Kinderärztin Holze sowie Ex-Speerwerferin Renk-Lange, die am Freitag von den Landessportbünden vorgeschlagen wurde, verstehen.

Rund ein Dutzend der 42 olympischen Spitzenverbände gelten als klare Gegner des Mronz-Plans, eine große Zahl hat sich noch nicht positioniert, und bei den Landessportbünden herrschen nicht nur in Bayern Bedenken. Die Lage ist also ziemlich gespalten. Aus dem Kreis der Opposition ist allerdings vernehmbar: Man möchte am Ende auf jeden Fall einen Gegenkandidaten präsentieren. Und auch wenn sich Triathlon-Präsident Engelhardt bisher nicht eindeutig positioniert hat und öffentlich gerade nichts sagen will, so gehen viele beteiligte Funktionäre davon aus, dass er im Zweifel auch zu einer Kampfkandidatur antreten würde.

Hanns-Michael Hölz, der Snowboardpräsident, sowie Jürgen Scholz, der neben seiner Rolle als LSB-Vertreter auch in der Findungskommission sitzt, schilderten den Tag später vor den Kulissen so: Ja, man hatte sich für diesen Freitag erst etwas anderes vorgenommen. Doch man habe sich „sehr intensiv ausgetauscht“, sagte Scholz, kritische wie wohlwollende Meinungen entgegengenommen. Daraufhin sei man „im Schulterschluss mit den Spitzenverbänden“ so verblieben, dass man die Bewerbungsfrist am 31. Oktober abwarten wolle. Das werde ja bei „jeder Bürgermeisterwahl“ so gehandhabt, assistierte Hölz. Außerdem habe die Olympiakür in Baden-Baden zuletzt „deutlich gezeigt, dass Sportdeutschland, wenn es gemeinschaftlich auftritt, eine riesige Kraft entfalten kann“.

Das ließ nur die bisherigen Pläne, insbesondere auch Mronz’ Auftritt bei Spitzenverbänden und Landessportbünden am Freitag, umso, nun ja, kurioser erscheinen. „Er hat sich vorgestellt“, sagte Jürgen Scholz, viele Vertreter des Breitensports, also der Landessportbünde, könnten mit dem 59-jährigen Sport- und Event-Manager „ja wirklich noch gar nichts anfangen“. Und alle etwaigen Berichte von Findungskommissionen? Seien als „vorläufig“ zu verstehen, sagte Scholz. Wenn bis Ende Oktober noch jemand Unterlagen einreiche, würde man diese Anfang November auch berücksichtigen. Dann wolle man sich mit Verbänden, Sportbünden und Sprechergruppen „auf ein Tableau verständigen, das auch gemeinsam zur Abstimmung kommen soll“, sagte Hanns-Michael Hölz.

Hatten fachliche Vorbehalte am Freitag eine Rolle gespielt? Nein, nein, beteuerten Hölz wie Scholz. Dass Mronz ohne eine offizielle Empfehlung aus Oberhaching abreiste, war aber in jedem Fall eine herbe Niederlage. Der 59-Jährige selbst wollte sich zur SZ nicht äußern.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

MeinungDeutsche Bewerbung für Olympia
:Sport und Politik begeben sich schon wieder in einen gefährlichen Vollrausch

SZ PlusKommentar von Johannes Aumüller
Portrait undefined Johannes Aumüller

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: