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DOSB:Hörmanns Alarm

DOSB-Präsident Alfons Hörmann schlägt in der sich zuspitzenden Corona-Krise Alarm - stößt mit seinen Thesen bei der Politik aber auf Unverständnis. Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes kritisierte in einem Interview der Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung unter anderem Probleme bei der Umsetzung des 200 Millionen Euro schweren Hilfsprogramms der Bundesregierung für Vereine der ersten, zweiten und dritten Ligen. "Es gibt keine pragmatische und schnelle Soforthilfe", sagte Hörmann, "und es werden wohl nur wenige Vereine in den Genuss der Hilfe kommen, weil die Vorgaben zu restriktiv sind."

Dagmar Freitag, die Vorsitzende im Sportausschuss des Bundestages, widersprach energisch: "Die Bestimmungen entsprechen nach meiner Kenntnis den Vorgaben der Bundeshaushaltsordnung und des Bundesrechnungshofes." Und: "Die jetzt vermehrt eingehenden Anträge zeigen, dass die Anforderungen zu bewältigen sind", teilte die SPD-Politikerin mit. Die Forderung, das Hilfsprogramm auf 2021 auszudehnen, hält Freitag für überflüssig: Man beobachte die Situation und sei sich der "Bedeutung von Breiten- und Spitzensport für unsere Gesellschaft bewusst". Die Annahme Hörmanns, dass der Schaden für den Sport noch die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten werde, fuße aus Freitags Sicht auf fragwürdigen Zahlen.

Hörmann sieht angesichts der angespannten finanziellen Situation auch die Vielfalt des Sports in Gefahr: Zwei Drittel der Spitzensportverbände seien unsicher, ob ihre Existenz für die nächsten 15 Monate gesichert ist. Zugleich gebe es die Prognose, "dass ein Mitgliederrückgang in den Vereinen zwischen fünf und 15 Prozent droht, was deutschlandweit einer Zahl zwischen zwei und vier Millionen weniger Mitgliedschaften entspricht - das wäre erheblich", sagte Hörmann.

© SZ vom 21.10.2020 / sid
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