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DOSB-Chef Hörmann:Ein Präsident, der nicht mehr tragbar ist

Fordernd - oder zu fordernd? DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist seit Langem von Kontroversen umkreist.

(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Nach dem Urteil der Ethiker soll DOSB-Chef Alfons Hörmann die Vertrauensfrage stellen - doch es ist längst offensichtlich, dass er an der Spitze des Verbandes keine Zukunft mehr hat.

Kommentar von Johannes Knuth

Der Politiker Thomas de Maizière ist in seinen neun Jahren als Innen- und Verteidigungsminister nicht mit überproportional vielen scharfkantigen Äußerungen aufgefallen. Weder brachte er es fertig, wie sein Nachfolger Horst Seehofer, an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen abzuschieben, wobei de Maizière ein solches Kunststück dank seines jüngeren Jahrgangs ja (noch) gar nicht möglich war. Auch vermied er es, wie seine Nach-Nachfolgerin im Verteidigungsressort, sich als Putzfrau Gretel beim Karneval über Menschen des dritten Geschlechts zu belustigen. Dass de Maizière von deutschen Athleten mal forderte, bei Olympischen Spielen bitte ein Drittel mehr Medaillen abzuräumen, taugte angesichts des Pharmamissbrauchs im Hochleistungssegment zwar bestenfalls als Faschingsscherz. Ansonsten hielt sich der promovierte Jurist mit markanten Forderungen aber eher zurück.

Es ist also schon bemerkenswert, was die von de Maizière geleitete Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zuletzt folgerte: Sie wolle ganz bestimmt kein Urteil fällen in der Affäre um DOSB-Präsident Alfons Hörmann, den Mitarbeiter in einem anonymen Brief für eine "Kultur der Angst" verantwortlich gemacht hatten. Ein solches Verdikt stehe nur den Mitgliedern zu, bei einem Vertrauensvotum im Dezember etwa. Doch wer den Bericht der Ethiker studiert, kommt nicht an dem Schluss vorbei, dass Hörmann im DOSB im Grunde keine Zukunft mehr haben kann. Und es ist bezeichnend genug, dass sich nach der Mitteilung von de Maizières Kommission der Präsident und die Führungsgremien zwar ausdauernd zusammenschalteten - dass ihnen aber nicht einmal 48 Stunden ausreichten, um zu erklären, wie sie mit dem Bericht umgehen wollen. Bis zum Mittwochabend gab es keine inhaltliche öffentliche Stellungnahme.

Hörmann musste sich schon 2018 einer Art Vertrauensfrage stellen. Besserung trat danach nicht ein

Hörmann war 2013 als Nachfolger des olympischen Karrieristen Thomas Bach ins DOSB-Amt gekommen, seitdem hat er es sich mit einer rekordverdächtigen Zahl an Vertretern verscherzt. Spitzenverbände bis hin zu Dopingopfer-Repräsentanten waren früh irritiert über seinen Stil. Hamburgs gescheiterte Olympiabewerbung wurde nie schlüssig aufgearbeitet, stattdessen schimpfte Hörmann auf die Politik. Nach der nahezu gescheiterten Rhein-Ruhr-Bewerbung warf er dem Internationalen Olympischen Komitee vor, es hantiere mit Falschaussagen, was das IOC wiederum zurückgab. Eine Beraterfirma, die der DOSB einst engagierte, monierte vieles. Hörmann pinselte sich die Welt derweil oft so zurecht, wie sie ihm gefiel, etwa indem er vor fünf Jahren eine Umfrage unter Athleten eher eigenwillig auslegte.

Das alles muss man wissen, wenn de Maizières Kommission nun folgert, dass es im deutschen Sport "in dieser Art nicht weitergehen" könne. Allein der Graben, der zwischen den Schilderungen von Hörmanns Verteidigern und seinen Kritikern klaffe, sei nicht zu tolerieren, der Chor der Klagenden zu groß, die dem Präsidenten unter anderem attestieren, er nehme Kritik dauerhaft übel und vergreife sich im Ton. Allein in dieser Feststellung wurzelt im Grunde schon ein Misstrauensvotum. Denn: Wie soll eine Führungskraft ihren Stil ändern, den sie selbst zwar beizeiten für einschüchternd hält, im Kern aber bis zuletzt offenbar für völlig angemessen? Dessen Präsidium im Bericht der DOSB-Ethiker seitenweise mit Mängeln überschüttet wird, von fehlender Transparenz bis zu mangelhafter Kommunikation? Und der sich im Grunde schon einer Vertrauensfrage stellen musste, ohne dass Besserung aufzog? Bei der Präsidiumswahl 2018 trat Martin Engelhardt, Präsident der Deutschen Triathlon-Union, gegen Hörmann an, der Anlass: der anhaltende Unmut über den Amtsinhaber.

Für die Beantwortung all dieser Fragen braucht es wohl kaum ein zweites Vertrauensvotum.

© SZ/aum/ska
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"Kann in dieser Art nicht weitergehen": Nach schweren Vorwürfen über den Führungsstil des DOSB-Präsidenten übt die Ethikkommission erhebliche Kritik - und empfiehlt Neuwahlen.

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