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DOSB:Alfons "Langstrumpf" macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt

Pressekonferenz zur Reform des Leistungssports

Arbeiten vertraulich zusammen: DOSB-Chef Alfons Hörmann (links) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Aber wie lange noch?

(Foto: dpa)

Als Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes irritiert Alfons Hörmann zunehmend die Sportler. Warum kann sich jemand mit fragwürdigen Wirklichkeitsdeutungen so lang im Amt halten?

Kommentar von Johannes Aumüller

Alfons Hörmann ist nicht Pippi Langstrumpf, aber zunehmend drängt sich der Verdacht auf, dass der oberste deutsche Sportfunktionär und das stärkste Mädchen der Welt zumindest ein Motto teilen: "Ich mach mir die Welt, wide, wide, wie sie mir gefällt." Ein deftiges Beispiel für die Hörmannsche Realitätsfindung war jüngst zu bestaunen, als er bei der Vorstellung der Leistungssportreform im Beisein von Innenminister Thomas de Maizière den Anschein erweckte, dass gemäß einer Umfrage unter 500 Athleten 95 Prozent der Teilnehmer für das umstrittene Projekt seien. Ein beeindruckender Wert, aber leider so nicht korrekt. Eine Athleten-Umfrage konkret zur Reform gab es nie; die Zahl bezog sich auf eine Umfrage zur Stärkung der Marke "Olympiamannschaft".

Drei Jahre ist Alfons Hörmann nun im Amt, und solche Episoden passen ins Bild. Anfänglich schätzte ihn die Sportgemeinde durchaus, weil nach den quälenden Jahren unter Thomas Bach jemand da war, der wenigstens ausführlich mit allen redete - und den Anschein erweckte, manches anders und besser machen zu wollen. Aber die Zahl von Fehlern, fragwürdigen Auftritten und Langstrumpfschen Wirklichkeitsdeutungen ist immens. Und die Frage ist, ob es außer dem Sport noch einen Bereich gibt, in dem sich jemand mit einer derartigen Bilanz so lang im Amt halten kann.

Die Makel beginnen mit seiner beruflichen Vergangenheit

Die Liste der Makel beginnt mit einer Affäre, die er aus seiner beruflichen Vergangenheit mit ins DOSB-Amt brachte. Das Kartellamt warf ihm vor, als Chef eines Dachziegelherstellers an unerlaubten Preisabsprachen beteiligt gewesen zu sein. Rund um seine Wahl bestritt Hörmann das, aber 2015 zog er den Einspruch gegen einen Kartell-Bescheid zurück. Plötzlich sprach er von einem "Fehler". Hörmann zahlte 150 000 Euro Bußgeld, sein damaliger Arbeitgeber kurz danach sogar fast 40 Millionen Euro.

Später scheiterte Hamburgs Spiele-Bewerbung für 2024 am Votum der Bevölkerung. Eine wirklich umfängliche und selbstkritische Aufarbeitung dieses zweiten Bürger-Neins zu einer Olympia-Kandidatur kurz nacheinander gab es nicht, stattdessen schimpfte Hörmann lieber auf die mangelnde Unterstützung der Politik (und hinter verschlossenen Türen sogar über "Mutti" persönlich).

Doping-Opfer sind über Hörmanns Stil irritiert

Den Vertrag von Vorstandschef Michael Vesper verlängerte das Präsidium, obwohl zu dieser Zeit der Good-Governance-Beauftragte des DOSB wegen Vesper aktiv war und ihn später für sein Verhalten rügte. Kürzlich holte sich der Verband für 300 000 Euro eine Beraterfirma ins Haus, die vieles rügte. Aber einen ausformulierten Abschlussbericht gibt es nicht, sondern lediglich knapp 100 Folien, von denen der DOSB auch nur 39 veröffentlicht. Und von der Doping-Opfer-Hilfe bis zu den Spitzenverbänden berichten Verantwortliche, wie irritiert sie sind von Hörmanns Stil.

Die Leistungssportreform war das Lieblingsprojekt des DOSB-Bosses. Es ist inhaltlich ein fragwürdiges Gebilde herausgekommen, weil die künftige Förderung trotz globaler Dopingauswüchse viel zu stark auf Medaillen abzielen soll. Das rief viel Kritik hervor, nicht zuletzt von den Athleten - denen Hörmann nun vorgaukelte, als seien sie fast geschlossen für die Reform. Der DOSB-Chef hat nicht mehr viele gute Verbündete; der Innenminister de Maizière gehörte bislang dazu. Wenn der aber nun als Staffage für krude Thesen herhalten muss, bleibt das vielleicht nicht mehr lange so.

© SZ vom 29.11.2016/schma

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