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Bundesliga:Dortmund bringt sich wieder aus dem Rhythmus

Borussia Dortmund - FSV Mainz 05

Enttäuscht nach dem Spiel: Dortmunds Kapitän Marco Reus, der einen Elfmeter verschoss.

(Foto: Leon Kuegeler/dpa)

Der BVB verpasst es gegen abstiegsbedrohte Mainzer, in der Tabelle weiter zu klettern. Beim 1:1 vergibt Marco Reus per Elfmeter die Chance zum Sieg - allerdings hat Dortmund auch Glück.

Von Ulrich Hartmann

Ein Torwart, der zwei Jahre beim Bayern-Pokalschreck Holstein Kiel gespielt hat, der Enkel von Uwe Seeler und der eigene Kapitän Marco Reus haben Borussia Dortmund im Heimspiel gegen den als Tabellenletzter angereisten FSV Mainz 05 den Sieg gekostet. Der Mainzer Torwart Robin Zentner hat fast alles gehalten, was auf sein Tor kam. Der Mainzer Angreifer Levin Öztunali hat die Gäste nach einer knappen Stunde mit einem Traumtor 1:0 in Führung gebracht. Und BVB-Kapitän Reus hat eine Viertelstunde vor Schluss einen Elfmeter verschossen, als mit diesem die Chance bestand, nur zwei Minuten nach dem 1:1-Ausgleich durch Thomas Meunier das Spiel zu drehen.

Am Ende verpassten die Westfalen durch ein sogar noch glückliches 1:1 (0:0) die Chance, weiter in die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga vorzudringen. "So viele gute Chancen!", jammerte Meunier bei Sky kopfschüttelnd, "und defensiv waren wir ja geradezu panisch!" Zwei Mal hatte nämlich auch noch Aluminium gerettet gegen die tapferen Mainzer.

Nach einem 2:0-Sieg gegen Wolfsburg und einem 3:1-Erfolg in Leipzig schienen die Dortmunder unter dem neuen Trainer Edin Terzic die Wende schon geschafft und wieder Ansprüche auf eine Topplatzierung angemeldet zu haben. Doch im heimischen, riesigen, leeren Stadion bringen sie sich in dieser Saison immer wieder selbst aus dem Erfolgsrhythmus. Drei Niederlagen gegen München (2:3), Köln (1:2) und Stuttgart (1:5) hat es hier bereits gegeben, das Remis gegen Mainz nun fühlt sich auch nicht viel besser an. Die Rheinhessen hatten in ihren vorangegangenen sechs Pflichtspielen nur zwei Tore geschossen, beide gegen den FC Bayern - aber gegen den trifft zurzeit ja jeder.

Haalands Treffer nach gerade mal 84 Sekunden wurde vom Videoassistenten zurückgenommen

Terzic lobte hernach die Leidenschaft der Mainzer und fand, es sei schwierig gewesen, gegen "stark verteidigende" Kontrahenten den Mittelstürmer Erling Haaland in Position zu bringen: "Mit der zweiten Halbzeit war ich aber auch nicht zufrieden, weil wir aufgehört haben, den Gegner zu bewegen." Dadurch seien nur noch wenige Gelegenheiten entstanden. In Leverkusen (Dienstagabend) und in Mönchengladbach (Freitagabend) können sich die Dortmunder in der kommenden Woche gegen schwierige Gegner rehabilitieren.

In Leverkusen fehlt über den langfristig verletzten Mittelfeldspieler Axel Witsel (Achillessehnenriss bereits in der Partie in Leipzig) hinaus auch Emre Can, der gegen Mainz seine fünfte gelbe Karte der Saison sah. Für die Doppel-Sechs vor der Abwehrkette bleiben dem BVB am Dienstag folglich nur Jude Bellingham und Thomas Delaney, den Terzic gegen Mainz vorsorglich draußen gelassen hatte, weil auch er bereits vier gelbe Karten hat.

Die torlose erste Halbzeit war ein Kampf Zehn gegen Eins gewesen: der BVB gegen Robin Zentner. Und der Mainzer Torwart (2015 bis 2017 in Kiel) gewann. Zuerst versuchten die Dortmunder ihn zu überraschen. Doch Haalands Treffer nach gerade mal 84 Sekunden wurde vom Videoassistenten zurückgenommen, weil in der Vorbereitung Meunier im Abseits gestanden hatte. Dann wollten sie Zentner klassisch überwinden, doch sowohl Julian Brandts Schlenzer als auch das plötzliche Auftauchen von Reus ganz allein vor dem Tor beantwortete dieser mit herausragenden Paraden. Und schließlich wollten sie ihn zermürben, doch auch der Fuß von Haaland in seinem Gesicht - nachdem er ihm am Boden den Ball vom Fuß geklaut hatte - konnte den Mainzer Torwart nicht brechen.

Hätte Hack für die Mainzer per Kopf nicht nur die Latte getroffen, wäre die Partie vielleicht schon vorentschieden gewesen

Nach der Pause erhielten die Mainzer die besseren Chancen, weil sie mit einem 5-3-2 massiv verteidigten und daraus clever konterten. In der 57. Minuten erhielt Öztunali, Sohn der Tochter von Uwe Seeler, an der Mittellinie vom Kollegen Danny Latza den Ball. Er lief kraftvoll gen Tor, trickste kurz vor dem Strafraum per Hacke mit Rechts Dortmunds Mats Hummels aus und schoss mit Links aus 20 Metern sagenhaft zum 1:0 ein.

Hätte Alexander Hack für die Mainzer in der 64. Minuten per Kopf nicht nur die Latte getroffen, wäre die Partie vielleicht schon vorentschieden gewesen. So aber konnte Meunier in der 73. Minute nach starker Vorarbeit des eingewechselten Youssoufa Moukoko nicht nur das 1:1 erzielen, Reus hatte per Elfmeter nach Foul von Hack an Meunier sogar das zweite Tor auf dem Fuß. Zentner sprang nach rechts, doch Reus schoss in der 76. Minute links am Tor vorbei.

Zwei Minuten nach diesem Fauxpas hatte Latza den Mainzer Sieg auf dem Fuß, traf in der 78. Minute aber nur den Pfosten. "Wir können mit dem Punkt trotzdem leben", sagte Zentner bei Sky. "Wir haben alle füreinander gekämpft", ergänzte Öztunali, nachdem das in dieser Saison phasenweise als Mainzer Manko reklamiert worden war. "Diese Leistung ist ab jetzt der Maßstab", beschloss der neue Sportdirektor Martin Schmidt. Für den neuen Trainer Bo Svensson war es der erste Punktgewinn. "Wir waren echt griffig und hatten am Ende die besseren Chancen, um das Spiel sogar gewinnen zu können", sagte er, "insgesamt war die Leistung ein Schritt in die richtige Richtung." Für Dortmund hingegen war es ein erneuter Rückschlag.

© SZ/and/chge
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