Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Elfmeter-Fest an der Alten Försterei

Borussia Dortmund - Bayer 04 Leverkusen 4:0 (1:0), Tore: 1:0 Paco Alcacer (28.), 2:0 Reus (50.), 3:0 Guerreiro (83.), 4:0 Reus (90.)

Der BVB und Bayer 04 waren in dieser Saison die Teams, die noch vor dem FC Bayern den meisten Ballbesitz hatten. Die Frage war also: Wer nimmt sich die Pille und die Antwort darauf war: Leverkusen. Die Mannschaft von Ex-BVB-Trainer Peter Bosz zog als Auswärtsmannschaft im Westfalenstadion das Spiel auf - nach 30 Minuten hatte Dortmund eine Quote von 37 Prozent. Und der BVB schlug daraus Kapital. Mats Hummels tauchte erst mit seinen Locken unter einer Flanke durch, in der 25. Minuten scheiterten Marco Reus und Julian Brandt am unglaublich reagierenden Finnen Lukas Hradecky. Paco Alcacer versenkte schließlich eine Flanke von Achraf Hakimi volley zum verdienten 1:0. Karim Bellarabi und Nadiem Amiri waren sich zuvor uneinig, wer zum Ball gehen sollte. In der 33. Minute traf Hakimi nach einer erneuten Parade von Hradecky die Latte.

Und in der zweiten Halbzeit? Leverkusen begann mutig, aber Dortmund machte das Tor. Umschaltmoment nach Ballverlust Leverkusen, Jadon Sancho sprintete, Alcacer ließ durch und Marco Reus traf zum 2:0. Leverkusen kam dank gut verteidigender Dortmunder nicht mehr zu entscheidenden Aktionen, Raphael Guerreiro und Marco Reus machten dann mit dem 3:0 und 4:0 nach Tempogegenstößen dieses Spiel zu.

Was man daraus lernen kann: Dortmund hat nach der Niederlage gegen Union keinen Dauerknacks, Leverkusen hat nicht die Mittel, eine Spitzenmannschaft zu beherrschen, und der BVB gewinnt das erste Top-Spiel der Saison mit einem auf dem Papier beeindruckenden Ergebnis - aber auch, weil es Leverkusen dem BVB erlaubte, seine größten Stärken (mit Tempo über Sancho, Reus und Alcacer zum Abschluss kommen) problemlos auszuspielen. Für Dortmund heißt es: Haken dran, jetzt kommt Barcelona.

1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:1), Tor: 0:1 Plea (14.)

Für 14 Millionen holte Gladbach im Sommer Breel Embolo aus Gelsenkirchen - der Transfer scheint sich auszuzahlen. Nach guten Auftritten war der Schweizer auch im Rheinischen Derby der dominierende Spieler. In der 14. Minute schüttelte Embolo zahlreiche Kölner ab, ehe er einen feinen Pass spielte, auch wenn der nicht bei Mitspieler Thuram landete, sondern von einem Kölner abgefälscht wurde - und Alassane Plea nur noch einnetzen musste. Es war eine einseitige Partie, doch da die Borussia mit ihren Chancen fahrlässig umging, fiel kein weiteres Tor.

Mainz 05 - Hertha BSC 2:1 (1:0), Tore: 1:0 Quaison (40.), 1:1 Grujic (83.), 2:1 St. Juste (88.)

Am Vormittag spazierten die Berliner Spieler am Rhein entlang. Ob sie die Partie gegen den Tabellenletzten aus Mainz zu locker genommen haben? Erstmals spielte Marius Wolf für die Hertha, Davie Selke stürmte statt Vedad Ibišević, er traf in der 18. Minute allerdings nur den Pfosten. Hertha war die bessere Mannschaft, doch Mainz ging in Führung: Kunde flankte in der 40. Minute Robin Quaison direkt vor die Füße, so dass dieser den Ball nur noch reinschieben musste. In der 83. Minute gelang der Hertha durch einen Kopfballtreffer von Marko Grujc der Ausgleich. Doch danach schalteten sie in den Spaziergang-Modus: Mainz gelang in der 89. Minute durch Jerry St. Juste noch der Siegtreffer. Nun ist die Hertha Letzter.

FC Augsburg - Eintracht Frankfurt 2:1 (2:0), Tore: 1:0 Richter (35.), 2:0 Niederlechner (43.), 2:1 Paciencia (73.)

Durch Augsburg fährt eine Straßenbahn, die mit Bildern von FC-Spielern beklebt ist. Wegen eines technischen Defekts blieb sie allerdings wenige Stunden vor Anpfiff am Königsplatz liegen, berichtet der Bayerische Rundfunk. Holpernd war auch die bisherige Saison für die Augsburger verlaufen, nur einen Punkt aus den ersten drei Spielen hatten die Schwaben geholt. Doch gegen Eintracht Frankfurt hatten sie diesmal überraschend wenig Probleme. Die erste Riesenchance hatte Florian Niederlechner bereits nach 14 Sekunden. Das erste Tor erzielte Marco Richter, nachdem er sich in einem Kopfballduell gegen den ehemaligen Teamkollegen Martin Hinteregger durchgesetzt hatte. Kurz danach erhöhte Niederlechner mit einem sehenswerten Weitschuss. Gonzalo Paciencia verkürzte noch auf 1:2. Augsburg gewann verdient und ist zurück in der Spur, auch die Tram soll bald wieder fahren können.

Union Berlin - Werder Bremen 1:2 (1:1), Tore: 0:1 Klaassen (5., Foulelfmeter nach Videobeweis), 1:1 Andersson (14., Handelfmeter nach Videobeweis), 1:2 Füllkrug (55.)

Vergangene Woche hatte Union Berlin den Meisterschafts-Favoriten Borussia Dortmund düpiert, die Partie gegen Werder Bremen verlief jedoch unglücklich. In der zweiten Minute gab es einen - unberechtigten - Foulelfmeter gegen den Aufsteiger, Davy Klaassen hämmerte ihn in die Mitte. Immerhin: Elf Minuten später bekam Union einen Handelfmeter zugesprochen, Sebastian Andersson verwandelte. Die Partie war etwas für Elfmeter-Liebhaber, denn in der 55. Minute durfte Klaassen noch einmal zum Strafstoß antreten, diesmal wehrte Rafal Gikiewicz den Ball zur Ecke ab. Diese köpfelte allerdings Niclas Füllkrug humorlos ins Tor zur 2:1-Führung. Neven Subotic und Nuri Sahin bekamen spät noch die gelb-rote Karte gezeigt. Nach der Gala gegen Dortmund ist Union wieder im harten Bundesliga-Alltag angekommen. Die Fans in der Alten Försterei besangen ihr Team trotzdem.

"Fan-Aktion" des Spieltags: Die Kölner Fans haben ihren Nachbarn aus Mönchengladbach zur Begrüßung ein fragwürdiges Geschenk in den Gästeblock gelegt. Anhänger schütteten vor dem Eingang Buttersäure aus, Augenzeugenberichten zufolge schmierten sie zudem den Stadionbereich mit Pferdekot ein. Riechen konnten sich die beiden Fanlager auch vor dem Derby schon nicht.

Vergessener Spieler des Tages: Mario Götzes Leistungs-Bilanz in dieser Saison: Elf Minuten DFB-Pokal, zwölf Minuten Bundesliga. Gegen Leverkusen saß er wieder 90 Minuten lang auf der Bank, aktuell ist in der Dortmunder Mannschaft kein Platz für ihn. Götzes Vertrag läuft im Sommer 2020 aus, es heißt, sein Gehalt sei ein Streitpunkt bei einer möglichen Vertragsverlängerung. Was sicher ist: Wenn er weiter gar nicht spielt, wird die Zukunft des immer noch erst 27-Jährigen wieder Thema sein.

Rückkehr des Spieltags: Weil Martin Hinteregger vergangenen Samstag seinen 27. Geburtstag zu exzessiv gefeiert hatte, suspendierte ihn Österreichs Nationaltrainer Franco Foda für das EM-Qualifikationsspiel gegen Polen. Auch in der Bundesliga war er ja schon einmal wegen einer Alkoholnacht auffällig geworden. Im Sommer torkelte er im Trainingslager des FC Augsburg durch die Nacht - viele FC-Anhänger warfen ihm vor, mit dieser Disziplinlosigkeit seinen Wechsel zu Eintracht Frankfurt erzwingen zu wollen. Der vollzog sich dann auch am Tag danach. An diesem Samstag musste Hinteregger allerdings zurück nach Augsburg. Als er den Platz betrat, wurde er zur Begrüßung vom Publikum ausgepfiffen. Beim ersten Gegentreffer sah er unglücklich aus und kam im Kopfballduell mit Richter zu spät - es sah ein wenig aus, als würde er torkeln.

Rotation des Spieltags: Elf Spieler darf ein Trainer auf den Platz schicken. Tatsächlich tat dies auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Samstagnachmittag gegen Union Berlin. Das überraschte ein wenig, denn in Bremen meldeten sich zehn Spieler ab wegen Verletzungen. Zuletzt musste auch noch Maximilian Eggestein passen, der in den vergangenen Spielen besonders überzeugt hatte. Auch Kapitän Niklas Moisander fehlte. So wurde Zugang Leonardo Bittencourt, der erst wenige Tage zuvor nach Bremen kam, sofort in die Startelf gespült. Ihn hatten offenbar noch nicht alle auf der Rechnung, auf dem offiziellen Aufstellungsbogen stand Loureiro statt Leonardo.

VAR des Spieltags: Nach nur zwei Minuten fiel Bremens Davy Klaassen im Sechzehner von Union Berlin, Schiedsrichter Tobias Welz entschied nach langer Bedenkzeit, sich die Szene nochmal anzuschauen und mit jeder Wiederholung sah man, das Klaassen doch sehr bereitwillig fiel - Welz blieb trotzdem bei seiner Entscheidung. Klaassen traf. Nur zehn Minuten später half der VAR Union, Welz erkannte das Handspiel von Christian Groß nicht direkt, nach Überprüfung entschied er dann korrekterweise auf Elfmeter. Sebastian Andersson machte das 1:1 - die Alte Försterei skandierte trotz Tor des eigenen Teams gegen den Videobeweis. Den zweiten Bremer Elfmeter pfiff Welz dann ohne Videobeweis (Trimmel zog am Trikot von Gebre Selassie) - den verschoss wieder Klaassen, was aber nichts machte, weil Niclas Füllkrug direkt danach einen Eckball reinköpfte.

Zwischenfall des Spieltags: Beim Spiel zwischen 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach sind zwölf Menschen verletzt worden - durch einen Böller, der aus dem Kölner Block geworfen wurde. Während der zweiten Halbzeit flog der Böller in eine Gruppe aus Ordnern, Volunteers und Fotografen. Die Verletzten wurden zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht, der Tatverdächtige per Videoaufzeichnungen identifiziert und aus dem Block geholt.

Zitat des Spieltags: Neven Subotic ist zurück in der Bundesliga und bereichert sie nicht nur mit seiner soliden Verteidigungskunst, sondern auch mit seinen Worten. Der 30-Jährige, der sich mit seiner Stiftung in Afrika engagiert, sagte dem Union-Vereinsmagazin: "Ich bin Deutscher. Klar, ich bin als Kind serbischer Eltern in Bosnien auf die Welt gekommen, habe meine prägendsten Jahre in Amerika verbracht. Ich habe nicht das Gefühl, ein Singular zu sein, also nur ein Deutscher, Serbe oder Amerikaner. Ich glaube, mit einer Nationalität kann man kaum respektvoll einen Menschen beschreiben. Ich sehe mich eher als Teil einer globalen Gemeinschaft." Kluge Sätze inmitten all dieser jeden Tag hinausgeschleuderten Fußballphrasen. Subotic fiel am Samstag jedoch auch negativ auf: Nach Gelb-Rot musste er kurz vor dem Abpfiff den Platz verlassen.

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