Dortmund demütigt den HSV:Lams Treffer aus dem Nichts

Dann ließ Fink seine Arme sinken. Ein langer Freistoß von Schmelzer hatte die Hamburger Dreierkette gesprengt, Aubameyang sprintete in die Flugbahn und zog ab; weil Adler erstmals nicht gut aussah, war der Dortmunder Führungstreffer perfekt (18.). Bis zum nächsten Rückschlag dauerte es nur knapp vier Minuten: Dortmund trug einen rasanten Angriff vor, Mkhitaryan nutzte nach Vorarbeit von Lewandowski exakt die Lücke, die sich in der Dreierkette zwischen Djourou und Westermann auftat und vollstreckte kühl zum 2:0 (22.).

Als sich manch einer auf eine sehr bittere Halbzeit für den HSV einstellte, plötzlich der Anschlusstreffer. Zhi-Gin Lam sah sich auf dem linken Flügel mit einer schwarz-gelben Übermacht konfrontiert, also drehte er sich und zog einfach ab; Lams Ball klatschte an den rechten Innenpfosten, von dort ins Netz. Lam jubelte nicht mal, trabte zur Mittellinie zurück. Er war wohl selbst überrascht, in welcher Situation ihm sein erstes Bundesligator gelungen war.

Die Dortmunder blieben trotzdem ruhig, beim HSV brach die Panik aus. Trainer Fink hatte richtigerweise gesehen, dass die Dreierkette überhaupt nicht funktionierte. Seine Mannschaft hatte es dem gesamten Glück der Fußballwelt zu verdanken, dass der Klub bis zur 45 Minute nur zwei Gegentore erhalten hatte - also stellte Fink um, mitten im Spiel, auf eine Viererkette. In der Hoffnung, dass nun zumindest ein wenig Stabilität zurückkehren würde.

Das Spiel wurde zunächst endgültig absurd. Nach fünf Minuten in der zweiten Halbzeit kam der Hamburger SV zu seiner zweiten Chance. Und schon stand es 2:2. Rafael van der Vaart, der bislang nur mit einer Wutattacke gegen den Schiedsrichter auffällig geworden war, schlug einen Freistoß auf Westermann, der den Freiraum, den ihm Subotic bot, bestens nutzte. "Wir kriegen aus dem Nichts das 1:2 und aus dem Nichts das 2:2", kritisierte Reus später, "wir bestrafen uns immer wieder selbst für die Arbeit, die wir tun." Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der HSV zweimal aufs Tor geschossen. Beim BVB zählten die Statistiker schon 14 Torschüsse.

Es dauerte bis zur 65. Minute, bis die Dortmunder wieder für ihre Mühen belohnt wurden. Zuvor hatte der BVB weitere beste Chancen ausgelassen, denn die Hamburger Viererkette stand der Dreierkettte aus der ersten Halbzeit in Sachen Instabilität kaum nach. Mit dem 3:2 durch Aubameyang war der Widerstand aber gebrochen: Binnen 16 Minuten erhöhte der Champions-League-Finalist auf 6:2, Stadionsprecher Norbert Dickel kam gar nicht mehr hinterher. Lobenswert erwähnt werden muss vor allem das 4:2 durch Lewandowski, in dessen Vorbereitung Reus seine gesamte Weltklasse aufblitzen ließ.

Vier Tore in 16 Minuten zeigen, wie überlegen die Dortmunder an diesem Samstagabend waren. Und wer sechs Tore schießt, kann irgendwie verschmerzen, dass es gut und gerne die doppelte Anzahl hätte sein müssen.

© Süddeutsche.de/ebc
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