Borussia DortmundEine sinnbildliche Süle-Szene

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Unter Schmerzen: Niklas Süle (Mitte) verlässt den Rasen in Sinsheim.
Unter Schmerzen: Niklas Süle (Mitte) verlässt den Rasen in Sinsheim. Heiko Becker/HMB-Media/Imago

Bei der Niederlage in Hoffenheim verdreht sich der Verteidiger das Knie und verursacht dabei einen Elfmeter. Doch Süle bekommt womöglich die Chance, sich angemessen aus Dortmund zu verabschieden.

Von Ulrich Hartmann

Niklas Süle hat binnen knapp vier Jahren 109 Pflichtspiele für Borussia Dortmund absolviert. Dabei kam der Abwehrspieler gemäß der Transfermarkt-Datenbank auf 7498 Spielminuten. Das sind umgerechnet 124 Stunden und 58 Minuten Fußball im BVB-Trikot, oder auch: fünf Tage und fast fünf Stunden.

In der bislang letzten dieser 7498 Minuten ist der 30-Jährige am Samstag in der Arena in Sinsheim ohne gegnerische Einwirkung im eigenen Strafraum bei einem Ausfallschritt ausgerutscht und hat sich dabei das linke Knie verdreht. Just als sich Süle am Boden abrollte, blockierte er mit dem linken Arm einen Torschuss des Hoffenheimers Andrej Kramaric. Süle hielt sich schmerzverzerrt das linke Knie, musste ausgewechselt werden und humpelte vom Feld, Hoffenheim erhielt einen Elfmeter, den Kramaric verwandelte.

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Bereits kurz nach dem Spiel hatten Medien spekuliert, ob diese unglückliche Aktion, in der sich Süle verletzte, den Elfmeter verursachte und den Weg zur Dortmunder Niederlage ebnete, vielleicht seine letzte Szene im Trikot von Borussia Dortmund gewesen sein könnte. Nur noch vier Spiele sind in dieser Saison zu absolvieren, und vor einem Monat hatte der Klub bereits mitgeteilt, dass Süles Ende 2026 auslaufender Vertrag nicht verlängert werde. Doch am Sonntag gab es leichte Entwarnung. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht, nach einer Untersuchung teilte der Klub mit: „Niklas Süle hat sich im Bundesligaspiel bei der TSG Hoffenheim eine leichte Knieverletzung zugezogen und muss vorerst pausieren.“ Der Innenverteidiger werde dem BVB „aller Voraussicht nach im Saisonendspurt wieder zur Verfügung stehen“.

Die Szene zuvor gegen Hoffenheim hatte zu Süles BVB-Ära gepasst. Denn seine Zeit in Dortmund war nicht gerade von Glück und Erfolg geprägt. Im Sommer 2022 war der gebürtige Frankfurter vom FC Bayern zur Borussia gewechselt, in den vier Jahren hat der BVB keinen Titel gewonnen. Als Dortmund am 1. Juni 2024 im Londoner Wembley-Stadion das Champions-League-Finale gegen Real Madrid 0:2 verlor, saß Süle nur auf der Bank. In jenem Sommer berichteten Zeitungen, der Spieler habe bei den Klubbossen wegen Übergewichts zum Rapport erscheinen müssen.

Die elfte Champions-League-Qualifikation in Serie sollte dem BVB sicher sein

Süle fiel immer wieder aus, unter anderem wegen Verletzungen des Sprunggelenks, der Syndesmose, eines Zehs, des Rückens, des Oberschenkels. Süle bestritt zwar 109 Pflichtspiele für den BVB, verpasste aber verletzungsbedingt oder krank auch 47 Pflichtspiele. Die Bild schrieb kürzlich, Süle sei zuletzt mit „14 Millionen Euro“ Jahresgehalt „der unangefochtene Spitzenreiter“ unter den BVB-Topverdienern gewesen.

Die 1:2-Niederlage in Sinsheim war die erste Dortmunder Bundesliga-Auswärtsniederlage seit dem 18. Oktober 2025 (1:2 in München). Nach 13 Monaten hat der BVB erstmals wieder zwei Bundesligaspiele hintereinander verloren, erst 0:1 gegen Bayer Leverkusen, jetzt 1:2 auswärts in Hoffenheim. Nicht einmal der Umstand, dass Trainer Niko Kovac seinen Spielern für den Fall eines Sieges einen zweiten freien Tag in der kommenden Woche in Aussicht gestellt hatte, konnte die Niederlage verhindern. Der Vorsprung des Tabellenzweiten Dortmund auf den voraussichtlich nicht mehr für die Champions-League-Qualifikation genügenden fünften Platz (Hoffenheim) beträgt allerdings immer noch zehn Punkte. Das sollte für Dortmunds elfte Champions-League-Qualifikation in Serie reichen.

Allzu zerrüttet wirkten die Dortmunder nach der Niederlage jedenfalls nicht. Sie zweifelten zwar ein wenig an der Rechtmäßigkeit zweier durch umstrittene Handspiele verursachter Elfmeter, die Kramaric zu den beiden siegbringenden Hoffenheimer Treffern verwandelte: den ersten in der 42. Minute und den zweiten in der achten Minute der Nachspielzeit. Es waren Kramarics Bundesliga-Treffer Nummer 137 und 138, womit er HSV-Legende Uwe Seeler in der sogenannten ewigen Torjägerliste überholte; dazwischen hatte Serhou Guirassy in der 87. Minute für Dortmund den Ausgleich erzielt.

„Hoffenheims Sieg ist nicht unverdient“, gab Kovac allerdings zu und erklärte, dass er den zuletzt nicht mehr zur BVB-Stammformationen zählenden Süle diesmal auch deshalb in die Startelf berufen hatte, weil dieser in Hoffenheim einst seine Karriere begonnen hatte. „Schade, dass er sich dann verletzt hat“, sagte Kovac. Tags darauf war die Erleichterung groß.

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