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Dortmund verliert gegen Köln:"Ich bin tief enttäuscht"

Borussia Dortmund - 1. FC Köln

Natürlich nicht zufrieden: Lucien Favre.

(Foto: Uwe Kraft/dpa)

Borussia Dortmund erleidet beim 1:2 gegen engagierte Kölner einen herben Rückschlag. Beide Gegentore fallen auf identische Weise - Trainer Favre kritisiert das Spieltempo.

Von Ulrich Hartmann

Geduld ist eine Lieblingsvokabel von Lucien Favre. Der Trainer von Borussia Dortmund ermuntert seine Fußballer immer wieder, mit unbeeindrucktem Spiel die vollen 90 Minuten auszunutzen. Das tun sie dann auch gern. 18 von 21 Treffern in dieser Saison haben sie erst in der zweiten Halbzeit geschossen, auch jenes am Samstag gegen den 1. FC Köln. Doch diesmal war das zu wenig. Die Steigerung von Geduld ist Torschlusspanik, und die hat den BVB gepackt, als sein zuvor 18 Bundesligaspiele lang siegloser Kontrahent vom 1. FC Köln in Dortmund in der 60. Minute mit 2:0 in Führung gegangen war. Fast eine halbe Stunde lang stürmten die Borussen am Ende mit allen ihren Wunderkindern Erling Haaland, Jadon Sancho, Giovanni Reyna und Youssoufa Moukoko - doch außer dem Anschlusstreffer durch Thorgan Hazard (74.) gelang ihnen nichts mehr. Nach dieser 1:2 (0:1)-Niederlage ausgerechnet gegen das Kellerkind Köln wird in Dortmund eine neue Debatte beginnen um Mentalität, Titelbereitschaft und den Trainer Favre. Dabei war man doch gerade wieder einem ganz guten Weg gewesen. "Ich bin tief enttäuscht", sagte Favre.

Die Kölner hingegen erlebten beim Abpfiff nach fünfminütiger, nervenaufreibender Nachspielzeit eine Erleichterung, die man als Druckwelle in ganz Dortmund gespürt haben müsste. Der Trainer Markus Gisdol wusste vor lauter Freude gar nicht wohin mit seiner Energie und schubste den vor ihm stehenden Kingsley Ehizibue vor Begeisterung mal einfach weg. Dieser nahm ihm das allerdings überhaupt nicht übel. Die beiden Treffer, mit denen die rheinländischen Außenseiter die westfälischen Favoriten besiegten, waren interessanterweise völlig identisch: Eckball: Ondrej Duda, Kopfballverlängerung am ersten Pfosten: Marius Wolf, Kölns BVB-Leihgabe, Tor am zweiten Pfosten durch Ellyes Skhiri - einmal in der 9. und dann in der 60. Minute.

Borussia Dortmund v 1. FC Koeln - Bundesliga

Zum zweiten Mal am langen Pfosten frei: Ellyes Skhiri macht das 2:0.

(Foto: Pool/Getty Images)

Die Kölner lieferten ein überzeugendes spielerisches Plädoyer für die These, dass man sich durch keine noch so schlimme Statistik vom größtmöglichen Bemühen abhalten lassen darf. Nach achteinhalb Monaten ohne Bundesliga-Sieg und im Wissen, dass der 1. FC Köln seit 1991 nicht mehr in Dortmund gewonnen hatte, gingen sie binnen einer Stunde also mit 2:0 in Führung. Die Kölner zeigten sehr gutes Pressing und kamen bei Ballbesitz immer wieder gefährlich vors Tor. Dafür, dass Dortmunds Jadon Sancho ein Mal die Latte traf, Haaland seine beiden einzigen Chancen vergab und ein Kopfballtreffer von Mats Hummels wegen Abseits aberkannt wurde, brauchten sich die Kölner nicht zu grämen. "In unserer Situation bei scheinbar übermächtigen Dortmundern zu gewinnen, ist eine Sensation", sagte der Torwart Timo Horn. Mit einer Glanzparade gegen Mats Hummels (87.) hatte er seinen Teil zur Überraschung beigetragen.

In Mittelstürmer Sebastian Andersson und dem Innenverteidiger Jorge Meré waren bei Köln kurzfristig noch zwei Stammspieler verletzt ausgefallen. In der Fünferkette feierte deshalb der 19 Jahre alte Sava-Arangel Cestic seine Bundesliga-Premiere und ließ sich weder von Haaland (23 Treffer in 23 Bundesligaspielen) noch von Moukoko austricksen. "Er war gut", sagte sein Trainer Gisdol in der Pressekonferenz grinsend und bat die Journalisten, Cestic "nicht mit Superlativen" zu belasten. "Aber wenn ein Schwabe wie ich 'gut' sagt, dann bedeutet das manchmal auch ein bisschen mehr", witzelte Gisdol.

Gisdol freut sich: "Ein Anfang ist gemacht."

Kölns Trainer wirkte gerührt, als er berichtete, er habe sich bei jedem Mitglied seiner Mannschaft einzeln bedankt "für die aufopferungsvolle Arbeit in schwierigen Wochen". Das Ende der Misserfolgsserie sei "wichtig für die Köpfe". Mit diesem Sieg sei "ein Anfang gemacht, die Mannschaft wird sich weiter stabilisieren". Und dann blickte er kurz zurück: Wir haben enorm viel Zuspruch bekommen von den Fans, von den echten Fans, die den Klub lieben, die Mannschaft lieben und getragen haben. Das haben wir immer gespürt, es ist auch ein kleines Dankeschön."

Favre wirkte in der Pressekonferenz hingegen niedergeschlagen. "Zwei Gegentore auf diese Weise - das ist schwer zu akzeptieren." Er verteidigte seine Mannschaft jedoch, was die Einstellung anging: "Sie hatten Respekt vor Köln, sie haben es nicht zu leicht genommen - aber sie haben zu langsam gespielt, mit zu wenig Bewegung, sie haben einfach nicht gut gespielt heute." Dass sie es mit der oft gepriesenen Geduld diesmal vielleicht übertrieben hätten, fand Favre allerdings gar nicht. "Wir haben ein wenig unsere Geduld verloren", fand der Schweizer sogar über die Phase nach dem Gegentor zum 0:2. "Da haben wir zu überhastet gespielt."

© SZ/schm
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