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Borussia Dortmund:"Schwer zu sagen, wie wir das wieder angestellt haben, das noch herzugeben"

Rechnet man all die Chancen des entschlossenen Mario Götze, des angriffslustigen Abdou Diallo oder des früheren Bremers Thomas Delaney dazu, hätten die Dortmunder nach einer Stunde auch 5:0 führen können, weil sie gleichzeitig Bremer Angriffe umsichtig unterbanden.

"Schwer zu sagen, wie wir das wieder angestellt haben, das noch herzugeben", stöhnte Julian Weigl angesichts der eigenen Überlegenheit später in die Mikrofone. Das "wieder" bezog sich wahrscheinlich auf die Statistik, wonach die Dortmunder bereits fünf Mal in dieser Saison einen Vorsprung verspielten - die Schwäche ist mittlerweile den Gegnern bekannt. Trotz eklatanter Unterlegenheit seien sie auf der Bremer Bank stets überzeugt gewesen, erzählte Werder-Trainer Florian Kohfeldt, dass ein Tor seine chancenlose Elf zurückbringen würde ins hoffnungslose Spiel.

Das ist kein Kompliment für die mentale Befindlichkeit eines Meisterschaftskandidaten, entspricht aber der Wahrheit. Ein eher verzweifelter Versuch des eingewechselten Bremers Kevin Möhwald und ein Moment der Unachtsamkeit des Dortmunder Keepers Roman Bürki, der es spielend unter die Top Ten der Torwartfehler 2018/19 schaffen wird, genügten, den BVB umzuwerfen. Der Ball rutschte Bürki durch Arme und Beine, über die Linie zum 1:2 (70.)

Den Rest erledigte Claudio Pizarro. Der Peruaner ist Werders Waffe, wenn es den schicksalhaften Verlauf eines Spiels zu manipulieren gilt. Er ist der große Bruder, den die Mitspieler zu Hilfe rufen können, wenn sie auf dem Schulhof Haue kriegen. Mit dieser Respektsperson muss ein Gegner erst mal umgehen können. Auch die jungen Dortmunder gingen dem alten Herrn auf den Leim, wie schon im Pokal-Achtelfinale, als Pizarro aus einem spannenden ein legendäres Spiel gemacht hatte.

Rein rechnerisch dürfte er angesichts seiner bald 41 Jahre ja nichts mehr in der ersten Liga verloren haben, aber so war der Fußball eben noch nie zu verstehen. Pizarro lauerte in Tornähe auf den nächsten Fehler, den Manuel Akanji zuverlässig machte, als er einen Zweikampf mit Werders Ludwig Augustinsson verweigerte wie ein Pferd das Hindernis. Die Hereingabe war Pizarros Beute, 2:2 (75.).

15 Minuten nach der Einwechslung von Möhwald und Pizarro hatten Möhwald und Pizarro das Spiel gedreht, ohne dass die Dortmunder eine Antwort auf die Veränderung gefunden hatten oder bis zum Ende finden sollten. Sie hätten sogar verlieren können - aber das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen, auch rein rechnerisch.

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