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Dopingvorwürfe gegen Claudia Pechstein:Den 30 Verdächtigen droht eine Sperre

In der Liste verbotener Methoden führt die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) seit Jahren auch "Blutdoping - die Verabreichung von Vollblut oder Zubereitungen, die rote Blutkörperchen enthalten, wenn keine medizinische Indikation für eine derartige Behandlung vorliegt". So wurde es schon im Januar 1999 in den "Richtlinien der medizinischen Kommission des IOC" festgehalten. Die Wada und auch ihr deutscher Ableger, die Nada, haben das Verbot von Eigenblutinfusionen in ihre Kodex- Neufassungen stets übernommen.

Doping-Ausreden

"Ich wollte für Chancengleichheit sorgen"

Die Nada geht demnach von 30 Dopingvergehen in Erfurt aus, in 28 Fällen sind Kader-Athleten betroffen. "Wir haben 2010 von der Wada klargestellt bekommen, dass Eigenblutbehandlung rückwirkend seit Jahren verboten ist", sagte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer der SZ. In allen 30 Fällen drohten Sperren: "Alle befinden sich in einem Zeitrahmen von etwa sieben Jahren und sind nicht verjährt." Die mutmaßlichen UV-Behandlungen, auf die sich die Nada bezieht, wären bei Pechstein nach SZ-Informationen vor ihrer Sperre vorgenommen worden.

Da sie "weder Betroffene der staatsanwaltlichen Ermittlungen noch der daraus resultierenden Verfahren der Nada" sei, könne sie sich dazu nicht äußern, teilte Pechstein am Montag mit. Bisher sind von der Nada tatsächlich erst zwei Verfahren eröffnet worden, die auf Behandlungen im Jahr 2011 zurückgehen (zum 1. Januar 2011 hatte die Wada den Blutdoping-Passus konkretisiert): WM-Eissprinterin Judith Hesse hatte sich bei der Nada selbst angezeigt. Beim zweiten Präzedenzfall handelt es sich um Jakob Steigmiller, einen Bahnrad-Nationalfahrer. Das erste Urteil des Sport-Schiedsgerichts wird für März erwartet.

Steigmillers Erfurter Teamchef Jörg Werner sagt, sein Fahrer habe "den Arzt gefragt, ob die Behandlung zulässig ist". Es müsse nun erst mal geklärt werden, "ob das überhaupt Doping ist und leistungsfördernd". Dies sei bei Dosen von 50 Millilitern fraglich, entgegnet der Nürnberger Dopingexperte Fritz Sörgel. "Doch das grundsätzliche Verbot von Blutmanipulationen macht aus meiner Sicht Sinn. Denn wer gesund ist und sich trotzdem Zugang zur eigenen Blutbahn verschafft, kann nur eines im Sinn haben: die Leistungssteigerung."

Seit Wochenbeginn hat die Nada erneut Akteneinsicht von der Justiz gewährt bekommen. Man müsse nun aber erst "die behördlichen Ermittlungen zum Abschluss kommen lassen, um diese dann sportgerichtlich verwerten zu können", sagt Mortsiefer. Auch aus finanziellen Gründen - pro Verfahren drohen Kosten in fünfstelliger Höhe - wartet die finanzschwache Nada nun die ersten Urteile ab.

Die Staatsanwaltschaft will in zwei Monaten ihre Ermittlungen abgeschlossen haben. Pechstein und auch Kittel sind dem Vernehmen nach noch nicht als Zeugen gehört worden. Das könnte sich bald ändern.