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Dopingverdacht im Fußball:Alle Proben der WM 1998 sind zerstört

Noch so ein Argument mit arger Schieflage: Wenn sich der Radsport diese Betrugsvariante leistet, was vermag dann erst der reiche Fußball? Ferret fand, Fußball sei sauber im Vergleich mit "energetischen" Sportarten; die Kunst eines Zidane sei nicht mit Pharmazie zu erreichen. Zinedine Zidane übrigens spielte auch bei Juventus und musste m italienischen Dopingverfahren als Zeuge aussagen. Später erzählte der französische Rock-Barde Johnny Halliday im TV, Zidane habe ihm eine gute Schweizer Klinik zur Blutauffrischung empfohlen.

In der Befragung räumte Ferret erhöhte Hämatokrit-Werte bei WM-Spielern ein, fand sie aber nicht unnormal. Auch nicht bei Deschamps, dessen indirekte Werte "normal" gewesen seien - was die Ermittlungen der italienischen Justiz über den Haufen wirft, die zu Verurteilungen von Arzt und Manager geführt hatten. Länder wie Italien würden ihre Spieler eben "aggressiver" medizinisch versorgen, so Ferret weiter, auch Deutschland sei so ein Fall: "Bei der WM 1974 gaben die Deutschen ihren Spielern Infusionen, das war für uns eine Verirrung."

Mediziner zeichnet über Fußball ein idyllisches Bild

Konfrontiert mit einer Aussage von 2010, dass er 1998 gemeinsam mit Paclet "biologische Anomalien" bei einigen Spielern korrigiert habe, sagte Ferret, dies habe sich auf Ernährungsfragen bezogen. Er räumte ein, dass Frankreichs Verband Sportministerin Buffet wegen der damaligen Weihnachtstests unter Druck gesetzt habe - der Nachfrage, ob dahinter "Staatsräson" gestanden haben könne, wich er aus. Die Fragesteller mokierten sich über das idyllische Bild, das Ferret zeichnete, sie seien nicht naiv. Dass Topspieler 1998 im Schnitt 41 Partien pro Jahr absolvierten, heute aber bis zu 70, mit höherem Tempo und mehr Laufwegen? Man habe heute die Energiereserven besser im Griff.

Zeuge Mandard weiß vielleicht besser, mit welch diskreter Nachhaltigkeit sich der Fußball im Minenfeld der Pharmazie bewegt. Vor einigen Jahren fragte er Pierre Bordry, Chef des Pariser Dopinglabors, warum er neben den Urinproben der Tour-Fahrer von 1998 nicht auch die der WM-Fußballer nachgeprüft habe. Bordry habe ihm gesagt, ein Gesandter des Weltverbandes Fifa sei damals im Labor aufgekreuzt und habe "alle Proben gewissenhaft zerstört, die einmal für negativ erklärt worden waren". Zu der Zeit gab es keine Aufbewahrungspflicht für spätere Nachkontrollen. Sicher ist sicher?

© SZ vom 27.07.2013/schma
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