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Dopingproben von Athen 2004:Fünf Medaillen ohne Wert

Erst jetzt wird klar: Fünf Sieger von den Olympischen Spielen in Athen sollen gedopt gewesen sein. Doch auch die Nachtests der Proben von 2004 zeigen nicht die ganze Dimension des Betrugs: Warum geht alles so langsam? Und warum kamen nur 110 der 3667 Proben auf den Prüfstand?

Best of Athens 2004

Schneller als die schnellsten schwarzen Sprinterinnen: Die Weißrussin Julija Nesterenko (Nr. 6) auf dem Weg zu Olympia-Gold 2004 in Athen.

(Foto: REUTERS)

Im Frühjahr war die Geschichte der Olympischen Spiele in Athen noch halbwegs in Ordnung. Es war viel passiert damals, im Sommer 2004, auch viel Unerfreuliches. Vor allem die Flucht der griechischen Leichtathletik-Idole Konstantinos Kenteris und Ekaterini Thanou vor der Dopingfahndung am Vorabend der Eröffnungsfeier war in Erinnerung geblieben. Der Dopingverdacht war damals sehr gegenwärtig bei den Wettkämpfen, es gab viele positive Tests. Aber im Grunde war alles ausgestanden.

Die Ergebnisse ruhten in den Chroniken, und da ruhten sie gut, wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) offensichtlich fand. Der TV-Sender ARD fragte, ob das IOC seine Politik umgesetzt habe, nach der es die eingefrorenen Proben aus dem Teilnehmerfeld binnen acht Jahren nachträglich mit moderneren Testverfahren prüfen konnte. Arne Ljungqvist, Chef der medizinischen Kommission im IOC, sagte: "Warum hätten wir das tun sollen? Auf was sollten wir denn nachtesten? Die Methoden damals waren gut genug. Wir haben keine Informationen, dass damals irgendwas genommen wurde, das wir nicht testen konnten." Und nun?

Nun stehen ein Olympiasieger und vier weitere Medaillengewinner als mutmaßliche Betrüger da. Der Sport muss aufs Neue feststellen, dass es nicht reicht, seine Geschichte in Hochglanzfolianten und verklärenden Erinnerungen zu bewahren. Das IOC hat sich dann nämlich doch noch belehren lassen, nachdem es viel Kritik gegeben hatte an seiner nachlässigen Art. Im Mai räumte Ljungqvist ein, dass das IOC vor Ablauf der achtjährigen Frist am 29. August Nachtests veranlassen werde. 110 der 3667 Proben kamen auf den Prüfstand.

Im Juli erklärte Ljungqvist, dass die Nachuntersuchungen weitere Verdachtsfälle ergeben hätten. Zuletzt meldete die Nachrichtenagentur Reuters, die fünf verdächtigen Proben von 2004 stünden als Thema auf der Tagesordnung der IOC-Vorstandssitzung am 4. und 5. Dezember. Und die ARD meldete am Montag, wer nach ihren Informationen die Athleten seien, bei denen die Anti-Doping-Forscher nachträglich Steroid-Missbrauch nachgewiesen haben: Kugelstoß-Sieger Juri Belonog (Ukraine), der weißrussische Hammerwurf-Zweite Ivan Tichon sowie die drei Bronzemedaillen-Gewinner Irina Jatschenko (Weißrussland/Diskus), Kugelstoßerin Swetlana Kriweljowa und Gewichtheber Oleg Prepetschenow (beide Russland).