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Dopingmittel bei Hobbysportlern:Die Muskel-Mafia

Bei einer weltweiten Razzia gegen Anabolika-Händler wird deutlich, dass Doping im Freizeitsport gefährliche Ausmaße angenommen hat.

Punkt elf Uhr stürmten die Polizisten das illegale Dopinglabor im hessischen Kronberg, und was sie sahen, überraschte selbst die Profis des Frankfurter Zolls. Der Raum im Keller glich einer engen, schmuddeligen Abstellkammer. In der Ecke lehnten alte Skier. Direkt daneben standen frisch angerührte Dopingmittel, abgedeckt mit einer Art Krepppapier. Und in einem alten Kühlschrank lagerten 18 Plastikflaschen, in denen früher Mineralwasser oder Apfelsaft verkauft wurde. Darin schwappten zwölf Liter fertiger Injektionslösung, eine milchige Suppe - anabole Steroide, wie sie sich Bodybuilder in die Muskeln spritzen, um auszusehen wie Supermänner.

Echt oder mit Pillen nachgeholfen? Viele Hobby-Bodybuilder nehmen Anabolika, um riesige Muskeln zu bekommen.

(Foto: Foto: dpa)

Von sterilen Laborbedingungen konnte in dem Keller keine Rede sein. ,,Das war ein Panschen, was da passiert ist'', sagt Hans-Jürgen Schmidt vom Frankfurter Zollfahndungsamt, ,,die Produkte waren möglicherweise verschmutzt''. Gummihandschuhe, mit denen der Betreiber die Übertragung von Bakterien hätte verhindern können, fanden die Beamten jedenfalls keine. Der Verdächtige, ein 30-Jähriger aus Königstein, ist selbst Bodybuilder. Unter einem Firmenkürzel verkaufte er die selbstgemischten Doping- und Arzneimittel im Internet. Über das Netz erhielt er auch seine Rohstoffe, meist von dubiosen Händlern in China.

260.000 Tabletten

Der Schlag gegen das Labor in Kronberg war Teil einer weltweiten Aktion. In Deutschland durchsuchten die Fahnder Donnerstag und Freitag fünf versteckte Dopinglabors, dazu zahlreiche Wohnungen. In Köln stießen sie auf 260.000 Tabletten und Ampullen mit Anabolika. In Minden nahmen sie einen 46-jährigen Laborbetreiber fest. Auch in Hamburg und Konstanz wurden sie fündig.

Zur gleichen Zeit nahmen Ermittler in den USA 56 Drogenküchen hoch und stellten 6,5 Millionen Dollar sicher. Auch in acht weiteren Staaten - darunter Mexiko, Kanada, Belgien und Schweden - griffen die Beamten zu. Hygienisch waren die Verhältnisse nirgendwo: Von ,,gefährlichen Drogen, die in dreckigen Umgebungen ohne Rücksicht auf die Sicherheit gekocht wurden'', spricht Karen Tandy, Geschäftsführerin der US-Antidrogenbehörde DEA. Sie koordinierte die Aktion unter dem Codenamen ,,Raw Deal'', auf Deutsch: rohes Geschäft.

Die Razzien gewähren Einblick in die Apotheke des ganz normalen Freizeitsportler-Alltags in Deutschland. Doping im Breitensport ist eine plumpe Wissenschaft, bei der sich die Sportler hinter dem Recht verschanzen, selbst entscheiden zu dürfen, was ihnen gut tut. Dopingtests müssen sie keine fürchten, die Einnahme von Anabolika ist bislang straffrei. Allein die Händler müssen wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz mit drei bis zehn Jahren Haft rechnen.