Dopingaffäre um Lance Armstrong:Der Druck auf Beteiligte steigt

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Armstrongs Anwälte sagten dem Blatt, sie hätten "keine Ahnung", was Kathy LeMond meine. Auch Nike wies die Vorwürfe am Dienstag zurück: "Nike verneint strikt, dass es dem früheren UCI-Präsidenten Hein Verbruggen 500.000 Dollar für die Vertuschung eines positiven Dopingtests bezahlte." Und Verbruggen selbst hat im Lauf der Zeit Dutzende Male rigoros jeden Vorwurf von sich gewiesen, der ihn der Kumpanei mit Armstrong oder der Mitwisserschaft von Dopingpraktiken zieh.

Die Zeugenaussagen sind vom Hörensagen. Trotzdem erhöhen sie den Druck. Gerade Rolle und Verhalten der UCI wird im Usada-Report ja generell hinterfragt. Speziell in einem Fall, der den neuen Vorwürfen nicht unähnlich ist: Armstrong soll auch bei der Tour de Suisse 2001 positiv getestet worden sein und ein als Spende getarntes Schweigegeld von 100.000 Dollar an die UCI gezahlt haben. Insgesamt sollen gar 125.000 Millionen Dollar an Spenden geflossen sein, mit deren Zuordnung sich die UCI Jahre später reichlich schwer tat.

Nun also das klare Urteil des Sponsors. Der sah sich schon einmal, 1992 durch Buchenthüllungen der vormaligen Werbechefin Julie Strasser, mit sehr konkreten Vorwürfen belastet; er soll in seinem damaligen Leichtathletik-Klub Athletics West Doping von Nike-Athleten toleriert und unterstützt haben. Seit Mittwoch also sieht sich der Konzern von Armstrong konkret betrogen in der Dopingfrage, die Beweisfülle lässt ihm keine Hoffnung auf eine von der Dopingagentur koordinierte Verschwörung - das ist kein Lavieren mehr, es ist die radikale Abkehr eines börsennotierten Unternehmens.

Sie wird sich in der Öffentlichkeit niederschlagen. Und in Washington, wo bis zuletzt Politiker Druck auf die Usada ausgeübt hatten. Sie monierten, die Usada versteife sich zu sehr auf Armstrong und verschwende ihre Steuermittel. Jetzt ist Wahlkampf in den USA. Abzuwarten bleibt, ob nicht bald die Stimmen überwiegen, die just den Verdacht der Steuerverschwendung für ein anderes Ziel nutzen wollen.

Für die Wiederaufnahme der im Februar vom kalifornischen Bundesanwalt ohne Begründung eingestellten Ermittlungen gegen Armstrong und dessen damaligen US-Postal-Rennstall. Der Verdacht, dass der Staatsbetrieb mit Steuermitteln auch im Dopingprogramm aktiv gewesen sein könnte, dürfte neuerdings sogar Armstrongs einst engste Mitstreiter plagen.

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