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Dopingaffäre:Lauter Pechstein-Verteidiger

Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Claudia Pechstein verweist während der Pressekonferenz in Berlin auf Formfehler des Eislauf-Weltverbandes ISU.

Claudia Pechstein trat in blütenweißer Garderobe vor die Kameras. Beweise für ihre Unschuld legte sie zwar noch nicht vor, doch am Ende der Pressekonferenz in Berlin erklärte sie sich zu einer sechswöchigen Untersuchungsphase bereit. "Eigentlich bin ich nicht in der Beweispflicht, aber ich möchte die Sache geklärt haben", sagte die Eissschnellläuferin.

Viel geredet, wenig gesagt: Claudia Pechstein und Anwalt Simon Bergmann.

(Foto: Foto: Getty)

Die Leitung der Untersuchungen solle die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) als neutrale Instanz übernehmen. Täglich zweimal solle der Urin von Pechstein geprüft und jeden dritten Tag eine Blutprobe von verschiedenen Laboren entnommen werden. So erhofft sich Pechsteins Lager eine natürliche Erklärung für die Schwankungen der Retikulozyten-Werte und die mehrfache Überschreitung des erlaubten Grenzwerts von 2,4 Prozent.

Insgesamt aber glich die Veranstaltung mehr der Verteidigung während einer Gerichtsverhandlung als dem ernstgemeinten Versuch, die Doping-Vorwürfe zu entkräften. Pechstein saß eingeklemmt zwischen ihrem Anwalt Simon Bergmann sowie Manager Ralf Grengel, die mehr waren als nur Geleitschutz für die Sportlerin. Die 37-Jährige selbst kam in der ersten Stunde nicht sonderlich häufig zu Wort, um die auffälligen Werte - immerhin die Grundlage für die Sperre und für viele Experten ein massives Indiz für Blutdoping - zu erklären. Dafür redeten die beiden Herren links und rechts von ihr genug. Und auch wenn Bergmann eingangs erklärte, dass "wir uns nicht nur auf Formfehler des Eislaufweltverbandes ISU stützen", wurde schon sehr bald deutlich, dass genau dies die Strategie der Verteidigung ist.

"Schlampig" - "Irrsinn"

So versteckten sie zwischen Erklärungen über nicht identische Barcodes bei der Etikettierung der Blutproben und fehlerhafte Exceldateien den Hinweis, dass insgesamt acht der 20 Trainingskontrollen Pechsteins, die als Beweismittel vor dem ISU-Schiedsgericht dienten, nicht eindeutig einer Person zugeordnet werden könnten. Zudem gebe es eine Probe von einem Bluttest am 15. April, deren Messwerte in verschiedenen Laboren gravierende Schwankungen aufwiesen. Grengel nannte das Vorgehen der ISU daher "schlampig" und einen "Irrsinn", Bergmann wiederum bezeichnete zudem die Informationspolitik der ISU "skandalös". Überhaupt sollten Medienvertreter vor der Veröffentlichung von seines Erachtens zweifelhaften Daten doch bitteschön Rücksprache mit Pechsteins Entourage halten.

Daneben rief die Verteidigung während der Pressekonferenz auch den Bioanalytiker Wolfgang Kruse sowie Professor Holger Kiesewetter als Zeugen auf. Kruses Part war es, anhand verschiedener Messreihen vor allem den Umstand zu erklären, dass verschiedene Messgeräte verschiedene Ergebnisse liefern; Kiesewetter wiederum diskreditierte die Retikulozyten-Methode generell als ungeeignet, um einen Dopingnachweis oder -gegenbeweis zu liefern.

Wie weit die Strategie Erfolg hat, wird sich erstmals wohl Mitte August zeigen. Dann will der Internationale Sportgerichtshof Cas über Pechsteins Eilantrag auf die Rückkehr ins Training entscheiden. Das Cas-Hauptverfahren soll voraussichtlich erst im Herbst stattfinden. Da es keinen positiven Dopingtest von Pechstein gibt, wird bei der Cas-Verhandlung ein Grundsatzurteil erwartet. "Aufgrund der neuen Faktenlage bin ich optimistisch, dass der CAS zu unseren Gunsten entscheidet", erklärte Bergmann.

Klar ist bislang nur: So einfach wie bei dieser Veranstaltung, wo statt Kläger und Richter nur Pechstein-Vertraute mitwirkten, dürften es die Verteidiger künftig nicht mehr haben.

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