Dopingaffäre im SchwimmenBundestrainer erwartet Proteste bei Olympia

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Schwimm-Bundestrainer Bernd Berkhahn erwartet im Zuge des Freispruchs in der Doping-Affäre um 23 chinesische Schwimmer vor den Olympischen Spielen in Tokio auch bei den anstehenden Spielen in Paris Reaktionen. „Wir wissen alle, dass dies sicher einen Schatten auf die Spiele wirft. Es wird auch wieder Proteste in der Schwimmhalle geben. Es ist nun mal ein selbstgemachtes Problem von den Verbänden und Funktionären. Da spielt so viel Politik hinein, die wir als Sportler oder Trainer nicht beeinflussen können“, sagte Berkhahn in einem Pressegespräch. Sich intensiv mit dem Thema zu befassen, bringe nur Frustration mit sich, weil man nicht weiß, was hinter den geschlossenen Türen ablaufe. Man könne den Argumentationen der Wada nicht mehr richtig folgen, sagte Berkhahn. Die verschiedenen Maße von Verurteilungen oder Freisprüchen sorgten für Unglaubwürdigkeit und täten dem System und dem Sport nicht gut, betonte der Bundestrainer für die Langstrecken.

Zuvor hatte Peking das Ergebnis einer unabhängigen Ermittlung in der Doping-Affäre des chinesischen Schwimmteams im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio 2021 begrüßt. China habe Vertrauen in die Schlussfolgerungen des Ermittlers aus der Schweiz und unterstütze die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) dabei, ihre unabhängige und gerechte Führung global umzusetzen, sagte Außenamtssprecher Lin Jian in Peking. Außerdem kritisierte er, die USA nähmen internationale Organisationen ins Visier, um chinesische Athleten zu diffamieren und deren Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris zu beeinflussen. Wegen Vertuschungsvorwürfen hatte das US-Justizministerium den Fall aus dem Jahr 2021 ebenfalls untersucht.

Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur Usada, kritisiert das Urteil scharf

Die USA hätten kein Recht, sich in das System der Wada und die chinesische Arbeit gegen Doping einzumischen und sollten künstlich erzeugte Falschbehauptungen unterlassen, erklärte Lin. Der unabhängige Ermittler Eric Cottier sah im Fall der 23 positiv getesteten Schwimmerinnen und Schwimmer aus China kein Fehlverhalten der Welt-Anti-Doping-Agentur. Der Ex-Staatsanwalt habe weder eine Bevorzugung Chinas festgestellt noch die Entscheidung der Agentur gerügt, die Ermittlungen einzustellen, teilte die Wada mit.

Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur Usada, kritisierte das Urteil hingegen scharf. Die „meisten kritischen Fragen“ seien durch Cottiers Bericht nicht beantwortet worden, sagte er: „Das ist nicht überraschend, da die Wada selbst den Ermittler ausgewählt und den äußerst begrenzten Umfang der Untersuchung festgelegt hat, was eine sinnvolle Überprüfung verhindert hat.“

Der chinesischen Anti-Doping-Agentur Chinada zufolge waren die positiven Dopingtests von Anfang Januar 2021 auf Verunreinigungen in einer Hotelküche zurückzuführen. Laut Medien-Recherchen von ARD, New York Times und Daily Telegraph aus Australien waren die 23 Betroffenen im Schwimmteam bei einem nationalen Wettkampf in China Anfang 2021 positiv auf das Herzmittel Trimetazidin getestet worden.

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