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Doping-Vorwürfe:Olympiasiege der DDR sollen überprüft werden

Kornelia Ender 1976 Montreal

Kornelia Ender holte in Montréal viermal Gold, gab später allerdings zu, anabole Steroide eingenommen zu haben. Die Auszeichnung "Welt-Schwimmerin des Jahres" wurde ihr aberkannt.

(Foto: Imago)

Vor 40 Jahren holten DDR-Schwimmerinnen in Montréal elf von 13 Goldmedaillen - der kalifornische Senat will die Dopingvorwürfe nun aufarbeiten lassen. Der Schwimm-Weltverband dürfte begeistert sein.

Der Beschluss trägt das unscheinbare Kürzel SR-88, der kalifornische Senat hat ihn vor Kurzem verabschiedet, mit 39:0 Stimmen. Doch das Vorhaben hinter den schmalen Ziffern ist durchaus bemerkenswert.

Die Resolution soll das Internationale Olympische Komitee dazu drängen, das Systemdoping der ehemaligen DDR aufzuarbeiten, 40 Jahre nach den Sommerspielen von Montreal. 11 der 13 Goldmedaillen im Schwimmen der Frauen waren damals in den Besitz von DDR-Athletinnen gewandert, der staatlich abgeschirmte Pharmabetrug hatte gerade tiefe Wurzeln geschlagen. Viele Konkurrentinnen fühlen sich bis heute betrogen, die Amerikanerin Shirley Babashoff etwa, die in Montreal vier Silbermedaillen gewann, jeweils hinter DDR-Schwimmerinnen.

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Der kalifornische Senat beruft sich nun erneut auf Akten und Belege über die staatlich gestützte Manipulation, die die Dopingforscher Brigitte Berendonk und Werner Franke einst aus den Wirren des Mauerfalls hoben. Senator John Moorlach, der die Resolution mit Babashoff vorangetrieben hatte, forderte das IOC auf, die "Fehler" in den Ergebnislisten zu korrigieren. Es sei unabdingbar, der "Jugend von heute zu zeigen, ehrlich im Wettstreit zu kämpfen."

Was sagt der Schwimm-Weltverband?

Das IOC äußerte sich zunächst nicht, auch nicht auf Anfrage. Und vom Schwimm-Weltverband Fina darf man wohl wenig Begeisterung für die Resolution erwarten. Am Wochenende erst traten drei Mitglieder des "Doping Control Review Boards" der Fina zurück, sie sind erbost über die lasche Anti-Doping-Haltung des Verbands. Der ehemalige DDR-Verbandsarzt und Stasi-Mitarbeiter Lothar Kipke hält bis heute die silberne Ehrennadel der Fina, obwohl das Landgericht Berlin ihn vor 16 Jahren zu eineinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilte. Kipke hatte gestanden, in 58 Fällen Beihilfe zum Doping von Minderjährigen geleistet zu haben.

Auch in der Leichtathletik sind Olympiasiege aus der DDR gerade wieder ein Thema. Die australische Sprinterin Raelene Boyle beschwerte sich unlängst in einer TV-Doku, der verseuchten Kraft von Athletinnen wie Renate Stecher und Marlies Göhr ausgeliefert gewesen zu sein. Stecher und Göhr stritten daraufhin ab, jemals manipuliert zu haben - obwohl Göhr in Frankes Akten mehrfach als Dopingempfängerin auftaucht. Am Wochenende wurde sie beim Istaf-Meeting in Berlin als eine von 19 Olympiasiegern in einem Cabrio durchs Stadion gefahren und beklatscht - als "Legende der Leichtathletik".

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