Doping-Skandal in der Leichtathletik:Putin und der IOC sind eng verbunden

Die russischen Funktionäre sahen aber gar nicht ein, sich überhaupt eine Krankheit einzugestehen. Wadim Zelischenok, Chef des russischen Leichtathletik-Verbandes, sprach von einer "Verschwörung", Rusada-Vorstand Nikita Kamaew von "Nonsens". Sportminister Witalij Mutko, der die Zerstörung von Dopingproben angeordnet haben soll, hatte kürzlich zur SZ gesagt: "Wir haben alle denkbaren Maßnahmen ergriffen, um unsere Anti-Doping-Politik zu verschärfen, wir arbeiten da eng mit der Wada und dem IOC zusammen." IAAF-Präsident Sebastian Coe teilte sanft mit, er werde das Council dazu drängen, einen Ausschluss zu "erwägen".

Coe hat das Council, die Regierung der Leichtathletik, für Freitag einberufen, aber ob er dort eine Mehrheit für einen Bannspruch zusammenkratzen kann, gilt als unsicher. Überhaupt sind die IAAF und der russische Verband eng verhakt, 2016 wollen sie in Kasan die Junioren-WM ausrichten, jetzt vermutlich ohne ein von der Wada abgesegnetes Labor. Die VTB-Bank ist zudem Sponsor der IAAF, eine Firma, die zu 60,9 Prozent vom russischen Staat gelenkt wird.

Und damit wohl auch von Putin. Ach ja, Putin. Dem dürfte Pounds Befund des staatlich gesteuerten Dopings missfallen, bei aller vorgetragenen Lässigkeit. Was wiederum den Weltsport aufwühlen dürfte. Der ist ja unterwandert vom Kreml, dank Sponsoren in Verbänden (VTB, Gazprom), dank Putin-Vasallen im IOC, dank Mutko, der gerade die Fußball-WM 2018 vorbereitet, Putins jüngste Trophäe.

Verharmlost das IOC?

IOC-Präsident Thomas Bach lässt sich gerne mit Putin blicken, bei den Winterspielen in Sotschi prosteten sie sich mit Champagner zu, kurz darauf überfielen russische Soldaten die Krim. Kaum überraschend, dass die Reaktion des IOC am Montag den Keim der Verharmlosung in sich trug. Sie sprach von "Athleten und ihrem Gefolge", nicht von staatsimmanentem Betrug, und vor allem müsse man die sauberen Athleten schützen. Das las sich so, als wolle man auf keinen Fall einen Verband kollektiv bestrafen. Sondern das Problem personalisieren, eine Marotte des Sports, um vom Systemcrash abzulenken. Tatsächlich ist der Skandal ja ein weltumspannender.

"Russland ist nicht das einzige Land und Leichtathletik nicht der einzige Sport mit einem Dopingproblem", hatte Pound am Montag betont. Sein Bericht war nur ein weiterer Beleg dafür, dass das Konzept der Selbstkontrolle im Sport kollabiert ist, Ermittler und Staatsanwälte sind ja immer häufiger zu Gast in Verbandszentralen. Ein Sport, der sich hochjubelt und zugleich kontrollieren soll, nutzt seinen Anti-Doping-Kampf im besten Fall nur als PR-Werkzeug, und im schlimmsten Fall, um Geld zu erpressen. Vieles deutet darauf hin, dass dieses Modell von der IAAF aus gesteuert wurde. Der dazugehörige zweite Bericht der Wada-Kommission steht übrigens noch aus.

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