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Wintersport:Doping-Skandal: Dürr nannte Namen

Johannes Dürr

Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi wurde Johannes Dürr positiv getestet.

(Foto: Roland Schlager/dpa)
  • Der Skilanläufer Johannes Dürr hat mit der Staatsanwaltschaft konkret über Personen gesprochen, die ihm beim Doping geholfen haben.
  • Die Aussagen des Österreichers in einer ARD-Dokumentation sollen Auslöser für die Doping-Ermittlungen und die Razzien in Seefeld und Erfurt gewesen seien.

Skilangläufer Johannes Dürr hat mit der Staatsanwaltschaft konkret über Personen gesprochen, die ihm beim Doping geholfen haben. "Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe ich auch die Namen genannt an dieser Stelle, wo ich felsenfest davon überzeugt bin, dass sie an der richtigen Stelle sind", sagte Dürr in einem "Sportschau"-Interview.

Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft München mitgeteilt, dass die Aussagen des Österreichers Auslöser für die Doping-Ermittlungen und die Razzien in Seefeld und Erfurt gewesen seien. Der 31 Jahre alte Dürr hatte jüngst in einer ARD-Dokumentation umfassend über Dopingpraktiken im Leistungssport ausgepackt. "Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin zunächst ein Ermittlungsverfahrens gegen unbekannt wegen der Anwendung von Dopingmethoden am Zeugen Johannes Dürr eingeleitet, dieses ist nun in ein Ermittlungsverfahren gegen konkrete Beschuldigte übergegangen", teilte Oberstaatsanwältin Anne Leiding in einer schriftlichen Mitteilung am Mittwoch mit.

Bei einer koordinierten Aktion im Rahmen der nordischen Ski-WM in Seefeld waren insgesamt neun Personen festgenommen und 16 Hausdurchsuchungen vollzogen worden.

Der ÖSV zieht erste personelle Konsequenzen

Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, hat erste personelle Konsequenzen aus dem Doping-Eklat. Markus Gandler werde seinen Posten als Sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon nur noch bis zum Ende des Winters ausüben, erklärte Schröcksnadel in einem ORF-Interview am Mittwochabend.

Gandler treffe persönlich zwar keine Schuld am neuerlichen Dopingskandal, es werde aber dennoch Konsequenzen geben, sagte der Funktionär. Zudem zog der Verband seine Teilnahme an der Männer-Staffel im Langlauf zurück. Schröcksnadel stellte nach einem Tag mit Doping-Razzien und sieben verhafteten Personen in Seefeld, darunter zwei Langläufer aus Österreich, auch den gesamten Spitzensportbereich der Langläufer in Frage.

Keine Konsequenzen wird das ZDF vorerst aus dem Doping-Skandal ziehen. Der Sender wird weiter von den Weltmeisterschaften berichten. "Wir nutzen die Live-Berichterstattung, um auch über diese kriminellen Aspekte im Sportumfeld zu berichten. Ein Ausstieg aus der Berichterstattung hilft nicht weiter", teilte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann auf Anfrage der Deutsche Presse-Agentur mit.

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