Doping im Radsport:Fast zehn Jahre gesperrt

Thurau

Björn Thurau im Jahr 2013 beim Rennen Mailand - Sanremo.

(Foto: Imago)

Wegen diverser Dopingvergehen verhängt die Nada gegen den früheren Radprofi Björn Thurau eine Rekordstrafe. Er galt einst als eines der größten deutschen Talente - ihn belasten Informationen aus der "Operation Aderlass".

Von Johannes Aumüller

Im Verfahren gegen den ehemaligen Radprofi Björn Thurau, 33, hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) eine Rekordstrafe verhängt: Der Sohn des früheren Spitzenfahrers Dietrich Thurau, der 1977 bei der Tour de France für zwei Wochen das Gelbe Trikot trug und später den Konsum von verbotenen Mitteln zugab, ist wegen Dopingvergehen zwischen 2010 und 2014 für neun Jahre und sechs Monate gesperrt worden. Die außergewöhnliche Höhe der Sanktion liegt daran, dass es die Nada als erwiesen ansieht, dass Thurau verbotene Mittel nicht nur gebrauchte, sondern auch erwarb und vertrieb. Für einen solchen Verstoß sieht das Nada-Reglement Sperren zwischen vier Jahren und lebenslänglich vor.

Dass sich die Anti-Doping-Agentur innerhalb des möglichen Spektrums derart weit vorwagt, deutet darauf hin, dass ihr umfangreiches, kompromittierendes Material vorliegt. Ihre Informationen beruhen insbesondere auf Erkenntnissen aus dem Kontext der "Operation Aderlass" um einen Erfurter Blutdopingring, den der inzwischen zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilte Mediziner Mark Schmidt einst leitete. In dem Prozess gegen den Sportarzt vor dem Münchner Landgericht war öffentlich das Vernehmungsprotokoll der Schweizer Polizei mit dem Radprofi und Schmidt-Kunden Pirmin Lang verlesen worden, laut dem Thurau im Chat mit Lang die Lieferung von Dopingmitteln besprach.

Thurau hat sich nie zu den Vorwürfen geäußert

Bei der Strafe von Thurau gab es jedoch eine Besonderheit: Normalerweise trägt die Nada Verstöße eines Athleten vor ein Sportschiedsgericht. Weil sich die Regularien für den Anti-Doping-Kampf geändert haben und Thurau auf ein Disziplinarverfahren verzichtete, verhängte sie die Höhe der Strafe selbst.

Laut Nada ging es bei Thuraus Dopingverstößen um zwei Substanzen. Bei der einen handelt es sich es um den Fettverbrenner Aicar, der vor rund einem Jahrzehnt und bis zur Entwicklung eines Nachweisverfahrens 2013 als neues Wundermittel galt - und in Mini-Dosierungen angeblich bis heute im Peloton zum Einsatz kommt. Das zweite Präparat ist das Hormon TB-500, das vor allem als Schnellmacher im Pferdesport bekannt ist.

Thurau äußerte sich seit dem Aufkommen der Vorwürfe nie zum Thema. Er hatte eine Weile als eines der hoffnungsvollsten deutschen Talente gegolten. Fast zehn Jahre lang war er in dem Gewerbe aktiv, unter anderem eine Saison lang für das heutige Spitzenteam Bora-Hansgrohe. Sein größter Erfolg war 2014 der Gewinn des Bergtrikots bei der Tour de Suisse, 2019 beendete er seine Karriere. Durch das Verdikt der Nada sind nun auch alle Ergebnisse zwischen Dezember 2010 und März 2021 annulliert.

© SZ/jkn/ska
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