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Doping:Petacchi suspendiert

„Keine Ahnung“: Italiens ehemaliger Sprintstar Alessandro Petacchi.

(Foto: Pascal Pavani/AFP)

Im Zuge der Ermittlungen um die Erfurter Blutdoping-Affäre werden immer mehr Sportler bekannt, die Kunden des Doping-Netzwerkes gewesen sein sollen. Prominentester Fall: der ehemalige Top-Sprinter Alessandro Petacchi.

Im Zuge der Erfurter Blutdoping-Affäre rücken mehr und mehr die Radsportler in den Vordergrund. Die Ermittlungen der "Operation Aderlass" hatten bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Februar in Seefeld/Tirol begonnen. Nach Auswertung der Ergebnisse der Razzia stehen nun Italiens ehemaliger Radsport-Sprintstar Alessandro Petacchi sowie drei weitere Profis im Verdacht, Kunden eines Blutdoping-Netzwerks um den Erfurter Arzt Mark S. gewesen zu sein. Wie der Rad-Weltverband UCI am Mittwoch mitteilte, wurden auf Grundlage von Informationen staatlicher Ermittlungen in Österreich neben Petacchi und dem ebenfalls nicht mehr aktive Borut Bozic (Slowenien) auch Kristijan Durasek (Kroatien) und Kristijan Koren (Slowenien) suspendiert. Durasek fährt aktuell im Team von UAE-Emirates bei der Kalifornien-Rundfahrt, Koren für Bahrain-Merida beim Giro d'Italia.

Nach Aufdeckung des Blutdoping-Skandals am 27. Februar mit Razzien in Erfurt und Seefeld sind damit 15 der bislang offenbar 21 in die Affäre verwickelten Sportler namentlich bekannt geworden. Dazu gehören die Radsportler Georg Preidler, Stefan Denifl (beide Österreich) und der ehemalige deutsche Profi Danilo Hondo. Er hat gestanden, bei Mark S. Blutdoping praktiziert zu haben. Hinzu kommen sieben Skilangläufer, zu denen auch der österreichische Whistleblower Johannes Dürr zählt. Außerdem steht der frühere deutsche Eisschnellläufer und heutige Trainer Robert Lehmann-Dolle unter Verdacht, die verbotene Methode genutzt haben. Nach den Erkenntnissen der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft München sollen bislang 21 Athleten aus acht Ländern und insgesamt fünf Sportarten in den Fall verwickelt sein.

Die Vorwürfe gegen Petacchi, 45, sind brisant. Noch am Dienstag bestritt er jegliche Beteiligung, über die zunächst die Tageszeitungen Corriere della Sera (Italien) und Le Monde (Frankreich) unter Berufungen auf Ermittlerkreise berichtet hatten. Seine abwehrenden Sätze stehen nun in einem völlig anderen Kontext. Petacchi, der 22 Giro-Etappen gewonnen hat und mittlerweile TV-Experte in seiner Heimat ist, verteidigte sich wie folgt: "Ich habe erfahren, dass dieser Mark S. ein Arzt bei Milram war, als ich dort gefahren bin. Vielleicht hat er sich um die deutschen Fahrer gekümmert. Ich bin aber nie in seine Praxis in Deutschland oder anderswo gegangen, hatte noch nie eine Bluttransfusion. Ich habe keine Ahnung, warum mein Name in der Datei auftaucht." Die UCI aber beruft sich auf österreichische Behörden. Bei Petacchi gehe es wie bei Koren und Bozic, der 2018 seine Laufbahn beendete, um den Gebrauch verbotener Methoden der Leistungssteigerung 2012 und 2013. Der Kroate Kristijan Durasek soll 2017 die Anti-Doping-Regularien verletzt haben.

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