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Olympia:Alles sah nach einem Deal zwischen IOC und Russland aus

Formal wird die Exekutive des IOC an diesem Samstag über eine mögliche Aufhebung der Suspendierung beraten; eine dreiköpfige Kommission liefert eine Empfehlung. Bisher gab sich das Ringe-Gremium unter der Führung seines Präsidenten Thomas Bach während der kompletten Affäre russlandfreundlich. Im Dezember 2017 suspendierte es zwar das Russische Olympische Komitee, ließ aber zugleich 168 Athleten als "OAR" zu, die unter neutraler Flagge starten durften - und stellte zudem eine Rückkehr bereits zur Schlussfeier in Pyeongchang in Aussicht. Diese schien hinter den Kulissen abgemacht zu sein, obwohl sich Russland weiterhin weigert, das Ausmaß des Dopingskandals zuzugeben. Die 168 Starter pries IOC-Bach stets als Vertreter einer neuen, sauberen Generation.

Doch dann kam diesem Plan zunächst der Positivbefund des Curlers und Bronze-Gewinners Kruschelnizkij in die Quere - zumal der seine Schuld zunächst nicht eingestand, sondern verbreitete, es könne sich nur um einen Anschlag gehandelt haben. Eigentlich hätte schon dieser Dopingfall ein Ausschlusskriterium sein können, aber das wollte das IOC nicht bestätigen.

Stattdessen hatte es noch am frühen Freitag so ausgesehen, als ob sich Russland und IOC zum wiederholten Mal auf einen Deal verständigt hätten. Unter der Woche war es in Pyeongchang zu einem Treffen zwischen IOC-Chef Bach und dem russischen Spitzenpolitiker Igor Lewitin, einem Vertrauten von Russlands Staatschef Wladimir Putin, gekommen. Kurz danach gab der Curler Kruschelnizkij bekannt, vor dem Sportgerichtshof Cas nicht gegen seinen Dopingbefund ankämpfen, sondern seine Medaille zurückgeben zu wollen. Die russische Seite teilte zudem mit, dass sie die im Dezember geforderte Strafe von 15 Millionen Dollar überwiesen habe.

Doch dann wurde der Fall der Bobpilotin Sergejewa bekannt, und nun kommt es darauf an, wie das IOC und Bach die beiden Olympia-Fälle einsortieren. Und wenn sie Russland trotzdem zur Schlussfeier offiziell zurück an den Tisch der olympischen Familie bitten - wie sie es dann begründen werden.

© SZ vom 24.02.2018/tbr

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