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Doping:"Mit Müsli gegen Atombomben"

Für die deutschen Leichtathleten verliefen die Olympischen Spiele bisher enttäuschend. Hauptgrund neben dem Verletzungspech: Die Konkurrenz soll flächendeckend gedopt sein.

Der deutsche Leichtathletik-Teamarzt Helmut Schreiber spricht offen aus, was viele denken: "Es wird gedopt auf Teufel komm raus mit EPO, Anabolika und Wachstumshormonen. Unsere Leute sind chancenlos. In mir wächst das Gefühl, dass ich keine Lust mehr habe", sagt Schreiber. DLV-Cheftrainer Bernd Schubert schließt sich an und fordert "resoluteres Vorgehen gegen Leistungsbetrug".

"Ein Wunder, dass er so lange erfolgreich war": Diskuswerfer Lars Riedel

(Foto: Foto: ddp)

Neue Enttäuschungen im deutschen Team

Die Verletzungsmisere im Leichtathletik-Team hatte am Montag mit der Adduktorenverletzung von Atlanta-Olympiasieger Lars Riedel (Chemnitz) im Diskusfinale, dem Muskelfaserriss von Hürdensprinterin Kirsten Bolm (Mannheim) im Halbfinale und dem Bänderriss des früheren Junioren-Weltmeisters Dennis Leyckes (Uerdingen) im Zehnkampf einen Höhepunkt erreicht.

Riedels Trainer Karlheinz Steinmetz sagt angesichts der Verletzungsanfälligkeit, die gerade eine Disziplin wie Diskuswurf mit sich bringt: "Es ist ein Wunder, dass Lars Riedel sich so lange auf diesem Niveau halten konnte und so erfolgreich war. Wir kämpfen doch mit Müsli gegen Atombomben."

Kindermann: IAAF toleriert Vorgänge

Wilfried Kindermann sagt trotz der vielen Erfolge an der internationalen Dopingfront: "Ich habe den Eindruck, dass das Ganze durch die strenger gewordenen Kontrollen ungerechter geworden ist."

Dort, wo schon immer nach Verbotenem gesucht wurde, bestehe eine sehr hohe Kontrolldichte. Große Defizite im Anti-Doping-Kampf sieht Kindermann, 1962 Europameister mit der deutschen 4x400-m-Staffel, vor allem im Bereich der früheren Sowjetunion, aber nicht nur dort. In den USA sei nach dem Skandal um das kalifornische Doping-Labor Balco sicher Einiges besser geworden, aber noch längst nicht alles."

Aus Sicht von Kindermann bürdet der Leichtathletik-Weltverband IAAF seinen Athleten immer mehr Meisterschaften auf, andererseits stehe er der Lösung des Dopingproblems im Weg. "Die Fälle um die Griechen Kenteris und Thanou hätten wir hier nicht gehabt, wenn die IAAF schon bei den ersten starken Anzeichen auf Dopingvergehen 1997 einen Riegel vorgeschoben hätte. Aber sie toleriert offenbar viele Dinge."

"Es wäre nun Aufgabe der Internationalen Anti-Doping-Agentur Wada, die IAAF anzuschieben", sagt Kindermann. Aber statt stärker nach Wachstumshormonen, Anabolika und EPO zu fahnden, treibt diese einen Riesenaufwand im Kampf gegen die ohnehin nicht wirkungsvollen Asthmasprays."

Missbrauch auch in Athen

Kindermann glaubt, dass auch in Athen mit Wachstumshormonen Missbrauch getrieben wird. "Sie sind viel schwerer feststellbar als Anabolika, wenn auch nicht so effektiv. Niemand weiß, ob das IOC hier wirklich schon einen Nachweis führen kann." Auch aus Sicht von DLV-Cheftrainer Bernd Schubert sind viele Leistungssprünge nur mit Doping zu erklären - Wachstumshormone oder altbekannte Steroide.

Einig sind sich alle Insider, dass diese Hormone im Training die Belastungsgrenzen stark hinausschieben. Kindermann: "Da sind ganz andere Umfänge möglich als bei unseren Athleten."