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Doping in der Sportmedizin:Gedopt? Niemals!

Franke sitzt in der Freiburger Kommission, die Aussage Lechners brachte ihn dazu, den alten Vergleich anzufechten. Im Juni 2011 zeigte er Huber zudem "wegen falscher Eidesstattlicher Versicherung" an, bestätigt der Freiburger Behördensprecher Wolfgang Maier der SZ. "Die Polizei wird Zeugen befragen", sagt Maier, vor allem Lechner.

Huber wies stets von sich, gedopt zu haben. Gestern äußerte er sich nicht konkret inhaltlich zu Lechners Aussagen, sein Anwalt verwies auf die ärztliche Schweigepflicht. Das Landgericht will am 1. März entscheiden, ob es Lechner als Zeugen hört.

Lechner hatte vor der Kommission sogar aus seinem alten Trainingshandbuch zitiert: "Jeden Tag zweimal eine." Zu Saisonbeginn im Frühjahr 1988 habe man dann eine Art "Sicherheitspuffer" vor Entdeckung eingebaut und sei auf Testosteron umgestiegen - just auf das von Huber in anderen Fällen als medizinisch notwendig eingeräumte Andriol, sowie auf das Cortisonpräparat Urbason.

Die Dimension des Falles liegt in der Frage: Was wussten deutsche Sportärzte zu jener Zeit über Einsatz und Nachweisbarkeitsdauer von Stromba? Donikes Labor arbeitete parallel intensiv an der Analyseverbesserung, was aber erst durch den Fall Johnson weltweit bekannt wurde. Publiziert wurde die Stanozolol-Analytik sogar erst 1990, zwei Jahre nach Seoul - es war die Arbeit des heutigen Kölner Laborchefs Wilhelm Schänzer.

Der erklärt diese Verzögerung so: Das Kernwissen zur neuen Analytik sei damals schon auf diversen Workshops vorgetragen worden, "das war auch eine Art von Publikation". Heute werde strikter publiziert: "Wir müssen die Analysen so einsetzen, dass sie transparent sind und vor Gericht standhalten." Und dabei eben auch den Nachteil in Kauf nehmen, "dass die Gegenseite weiß, was passiert".

Gegenseite - das war damals Johnson. Aber wo stand der westdeutsche Sport? Einmal, so Franke, gab es beim Olympialehrgang der Radler eine groß angelegte Urin-Untersuchung in Kooperation mit Donikes Labor. Zudem weist Franke auf den Umstand hin, dass damals Donikes Sohn dem Bahnradteam angehörte, wiewohl er nicht im Seoul-Aufgebot war.

Wie Franke glaubt generell auch Schänzer, dass deutsche Ärzte wussten, was in Seoul getestet würde. Nur könnten sie sich den Wissensvorteil auch anderweitig verschafft haben. Das Kölner Labor habe ja dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BiSp) über Stanozolol-Befunde berichtet, die frühzeitig im globalen Kraft- und Bodybuildersport auftraten: Schon 1985 zwölf Fälle. "Ich weiß nicht, was mit diesen Berichten passierte", sagt er, "aber solche Daten waren nicht geheim." Nicht für deutsche Ärzte und Funktionäre.

© SZ vom 24.02.2012/jbe

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