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Doping in der Leichtathletik:"Wir alle sind Opfer"

"Die Situation an der Spitze hat sich nicht geändert", lautet die Bilanz von Werner Franke: "Die Athleten wissen aber, dass es nicht mehr auffällt." Denn die Dosierungen sind heutzutage niedriger als früher, dopende Sportler werden oft ärztlich kontrolliert. Ihre Werte sind zwar erhöht, aber sie sind beständig und überschreiten die verbotene Schwelle nicht.

Franke sagt: "Seit einem Jahrzehnt weiß man, dass auch Kurzleister wie Sprinter ständig auf erhöhtem Hämatokrit - auch im Training - arbeiten." Kontrolleure können allerdings nichts Verbotenes nachweisen, Strafen werden nicht ausgesprochen.

Eine Folge: "Wegen des gebremsten Dopings sind die Leistungsunterschiede nicht mehr so drastisch wie früher", sagt Franke. "Manche Bestmarken werden nicht mehr erreicht." Nie wieder ist eine Frau über 100 Meter so schnell gerannt wie Florence Griffith-Joyner 1988, nie konnte die Bestmarke von Marita Koch über 400 Meter aus dem Jahr 1985 unterboten werden, nie wieder warfen Athleten so weit wie die deutschen Diskuswerfer vor fast 30 Jahren.

Doch nicht nur die kalkulierte Dosierung bereitet den Fahndern Probleme, sondern auch die Mittel, die - zumindest derzeit - nicht nachweisbar sind. Franke sagt: "Doping mit humanidentischem tierischem Testosteron oder mit dem Anabolika IGF-1 wird seit 25 Jahren intensiv betrieben, aber nicht entdeckt." Wie viele andere Experten fordert der Heidelberger Anti-Doping-Kämpfer deswegen, mehr Geld in die Analyse zu stecken, um neue Tests zu entwickeln.

Solange dies nicht geschieht, bleibt Franke nur eine Erkenntnis: "Wir alle sind Opfer eines permanenten, immer wieder adaptierten kriminellen Systems."