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Doping in Brasilien:Der Oberschenkel-Macher

Roberto Carlos; Carlos

Roberto Carlos bei der Weltmeisterschaft 1998.

(Foto: Getty Images)
  • Der ehemalige Fußballprofi und Weltmeister Roberto Carlos sieht sich Dopingvorwürfen ausgesetzt: Er soll während seiner Karriere mit unerlaubten Mitteln nachgeholfen haben.
  • Der 44-Jährige wehrt sich und will seine Anwälte einschalten.

Von Johannes Aumüller

Roberto Carlos war immer der Mann mit den dicken Oberschenkeln und dem satten Linksschuss. Über ein Jahrzehnt besetzte der Fußballprofi bei Real Madrid und der brasilianischen Nationalmannschaft die linke Außenbahn. Mit seinem Verein gewann er unter anderem vier Mal die Meisterschaft und drei Mal die Champions League - und mit der Seleção 2002 den WM-Pokal, nach einem 2:0 im Finale gegen Deutschland. Inzwischen ist er 44 Jahre alt und war im Fußball zuletzt als Jugendtrainer und Botschafter von Real aktiv. Doch nun rücken er und seine dicken Schenkel noch einmal in den Fokus - weil Roberto Carlos unter Dopingverdacht geraten ist.

Am Samstag veröffentlichte die ARD Recherchen über die Dopingprobleme in Brasilien. Das Kontrollsystem dort ist bekanntermaßen lückenhaft und reduziert. So gab es im Jahr vor den Olympischen Spielen von Rio (2016) ganze fünf Kontrollen durch die nationale Anti-Doping-Agentur. Und nun ergeben sich auch erste Hinweise, wie umfangreich diese Schwachstellen ausgenutzt worden sind. Es geht im Kern um einen 200-Seiten-Bericht, den Brasiliens Sportministerium erstellte und vor zwei Jahren an die zuständige Staatsanwaltschaft schickte. Eine zentrale Rolle dabei spielen die Praktiken eines Arztes namens Júlio César Alves aus Piracicaba, einer Stadt nahe São Paulo.

Bei diesem Mediziner soll auch Roberto Carlos im Juli 2002 gewesen sein. So steht es jedenfalls in dem Bericht des Ministeriums, der nun bei der Staatsanwaltschaft versauert. Der Arzt Alves selbst sagte den Rechercheuren vor versteckter Kamera: "Ich habe seine Oberschenkel entwickelt, ich habe die Oberschenkel von Roberto Carlos zu dem gemacht, was sie heute sind."

Roberto Carlos wehrt sich

Gegenüber der ARD wollten sich der Fußballer und sein Management nicht äußern. Nach der Ausstrahlung wies Carlos die Vorwürfe zurück: "Ich bestreite vehement die von der ARD gemachten Anschuldigungen und bekräftige, dass ich niemals auf Mittel zurückgegriffen habe, die mir einen Vorteil gegenüber meinen Kollegen hätten verschaffen können", hieß es in einem offenen Brief des ehemaligen Kickers. Weil er den im Bericht genannten Arzt nicht kenne, seien seine Anwälte eingeschaltet worden.

Es gehört zur Tradition des Dopings, dass sich um skrupellose Mediziner herum gewisse Netzwerke bilden. Das war schon früher in Deutschland unter den Gurus Joseph Keul und Armin Klümper so. In Spanien begrüßte über Jahre der Gynäkologe und Blutmixer Eufemiano Fuentes nationale und internationale Kundschaft. Und im Vorjahr erklärte der englische Doktor Marc Bonar, er versorge Fußballer bestimmter Premier-League-Klubs - ohne dass dies rechtliche Schritte nach sich zog.

Auch bei Alves scheint es nun um eine Vielzahl an Sportlern zu gehen. Er selbst hatte schon kurz nach dem Fußball-WM-Titel 2002 behauptet, er hätte zwei Spieler betreut. Ebenso teilte er später mit, dass bei ihm 25 Top-Sportler des Landes gewesen seien. Und während er nun auf offizielle Anfrage der Rechercheure nicht antwortete, sagte er bei versteckt laufender Kamera, er behandele und berate via Skype auch Radfahrer, die an der Tour de France teilnähmen; Athleten aus Spanien, Belgien, Deutschland. Zudem riet er, schon bei Jugendlichen mit Behandlungen anzufangen. Es sieht so aus, als stünde nun auch Brasiliens Sport ein größeres Beben bevor.

© SZ vom 12.06.2017/ebc

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