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Dopingverdacht gegen Lance Armstrong:Der nächste Eid im Fokus

Greg LeMond, dreimaliger Tour-Sieger, kündigt eine Zeugenaussage im Rahmen der US-Ermittlungen gegen Lance Armstrong an. LeMond soll von einer angeblichen Dopingbeichte Armstrongs gewusst haben.

Der dreimalige Tour-Sieger Greg LeMond wird im Rahmen der US-Ermittlungen gegen Lance Armstrong als Zeuge von der Grand Jury vernommen. Dies ließ er am Wochenende bestätigen. "Wir sind darüber überglücklich", sagte seine Frau Kathy, "wir hoffen, dass nun die Wahrheit herauskommt." LeMond wurde für den 30. Juli beim Bundesgericht Los Angeles vorgeladen, wo er Unterlagen, Dokumente und seine Kenntnisse über den Radsport in den Fall einbringen soll.

Greg LeMond, Floyd Landis,

Greg LeMond könnte einer der Kronzeugen im Rahmen der US-Ermittlungen gegen Lance Armstrong werden.

(Foto: ag.ap)

Dazu gehört ausdrücklich auch sein Verfahren gegen die Radmarke Trek, die sich von LeMond vor Vertragsende getrennt hatte - angeblich, weil Armstrong, Treks Galionsfigur, die Firma wegen LeMonds Kritik an der Zusammenarbeit mit dem zwielichtigen Arzt Michele Ferrari dazu drängte. Trek-Vertreter werden ebenfalls als Zeugen vernommen, denn bei den Dopingvorwürfen gegen Armstrong durch dessen früheren US-Postal-Kollegen Floyd Landis ging es auch um angebliche schwarze Kassen aus dem Verkauf von Teamrädern.

Brisante Aussage

Durch LeMonds Aussage dürfte auch ein Dokument wieder in den Fokus geraten, dessen Existenz die Zeitung Le Monde 2006 bekanntmachte: Ein Telefonat LeMonds mit Stephanie McIlvain. Darin bestätigt sie, Armstrong habe nach seiner Krebsdiagnose am 27. Oktober 1996 im Krankenhaus auf Ärztebefragung den Konsum von Epo, Wachstumshormonen, Steroiden, Kortison und Testosteron zugegeben. McIlvain arbeitete früher für Armstrongs Ausrüster Oakley.

In dem halbstündigen Telefonat fragt LeMond, ob sie die Vorgänge in dem Krankenhaus in einem möglichem Verfahren bestätigen würde. Sie antwortet: "Wenn ich befragt würde, werde ich nicht lügen. Ich habe es (Armstrongs Dopingbeichte) ja gehört."

Das Telefonat fand im Juli 2004 statt - doch Ende 2005 machte McIlvain ihre Ankündigung gegenüber LeMond nicht wahr und sagte in einem Verfahren von Armstrong gegen die Firma SCA unter Eid aus: Sie habe von dem Dopinggeständnis nichts gehört. Damals ging es um die Bonuszahlung für Armstrongs sechsten Toursieg 2004, den SCA nicht überweisen wollte wegen diverser Dopingvorwürfe. Nur Betsy und Frankie Andreu, Armstrongs einstiger Teamkollege, bestätigten unter Eid den Vorgang in der Uniklinik in Indianapolis. Der Rest der Runde aus Freunden und Geschäftspartnern stützte Armstrongs Version, der Doping bis heute bestreitet.

Armstrong streitet alles ab

Zuletzt hatte Armstrong selbst eine Diskrepanz zu Aussagen in dem SCA- Prozess (den er gewann) produziert. 2005 hatte er unter Eid ausgesagt, etwa zehn Prozent an der Betreiberfirma von US Postal zu besitzen - vorige Woche hatte er eine Beteiligung bestritten und auch deshalb die US-Ermittlungen gegen ihn als überflüssig bezeichnet.

Derweil haben weder er noch der Weltverband UCI auf LeMonds Rundumschlag (SZ vom 17.7.) reagiert. Er hatte unter anderem von einem Bestechungsversuch Armstrongs bei einem früheren LeMond-Teamkollegen und mafiösen UCI-Strukturen gesprochen. "Wir haben dazu nichts zu sagen", teilte UCI-Chef Pat Quaid auf sid-Anfrage mit.

© SZ vom 19.07.2010/jbe
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