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Doping im Radsport:Armstrong und der Kühlschrank

Vor allem frühere Profis vom Bruyneel-Team US Postal - darunter auch David Zabriskie, der gerade in Kalifornien führt - beschuldigt Landsmann Landis. 2005 habe er zudem Allen Lim angestellt - der Sportphysiologe, zuletzt bei Zabriskies Garmin-Team angestellt, fährt für RadioShack. Lim "half Levi Leipheimer und mir, Transfusionen vorzubereiten", sagt Landis. Leipheimer, ein weiterer Kumpel Armstrongs, ist nun ebenfalls bei RadioShack. Doch auch bei Phonak hätten die Verantwortlichen von Doping gewusst, behauptet Landis - auch Andy Rihs, der Schweizer Geschäftsmann und Manager, der das Team nach zahlreichen Skandalen zumachte - angeblich angewidert vom Serienbetrug. Inzwischen führt er jedoch die US-Equipe BMC (mit Hincapie), im Juli debütiert sie bei der Tour.

Landis schreibt, er habe Rihs erklärt, "was in der Vergangenheit gemacht wurde". Rihs habe darauf gerne die Kosten des Dopingprogramms übernommen.

Wie die UCI, Hincapie und Lim hat auch Rihs, 69, alles empört zurückgewiesen. Der NZZ sagte er: "Es ist schade, dass er das macht, denn es bringt niemandem etwas - ihm am allerwenigsten."

Ein Anruf bei der Mutter

Landis wird nicht mal widersprechen. Doch er ist ja sowieso schon pleite, kein großes Team nimmt ihn, und in Frankreich existiert gar ein Haftbefehl gegen ihn, weil ein Trainer in seinem Auftrag den Computer jenes Pariser Labors gehackt haben soll, das ihn 2006 überführte. Landis schreibt, er habe zwar "viele weitere Details in Tagebüchern" stehen, die er zu einer "verständlichen Story" verarbeiten wolle. Andererseits räumt er ein, viele Vorwürfe könne er nur mit seinem Wort belegen. Es stünde dann vermutlich Aussage gegen die Aussage.

Er wolle sein "Gewissen bereinigen und nicht mehr Teil des Problems sein", das hat Floyd Landis bei ESPN.com versichert. Und mit Blick auf die Verjährungsfrist für Dopingvergehen von acht Jahren: "Wenn ich jetzt nichts sage, ist es sinnlos, überhaupt jemals etwas zu sagen." Den schwersten Anruf habe er aber schon hinter sich gebracht: Den bei der Mutter in Pennsylvania, der er erstmals die Wahrheit sagte. Andreas Burkert

© SZ vom 21.05.2010/dmo

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