Doping im Gewichtheben Doping im Gewichtheben: "Die machen einfach immer weiter"

Rio 2016 - Gewichtheben epa05491468 Lasha Talakhadze of Georgia sets a World Record during the men's +105kg competition of the Rio 2016 Olympic Games Weightlifting events at the Riocentro in Rio de Janeiro, Brazil, 16 August 2016. EPA/LARRY W. SMITH +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Der Gewichtheber-Bundestrainer Oliver Caruso verzweifelt an seinem Sport und fordert im SZ-Interview, dass Weltverband und IOC "jetzt mal klare Kante zeigen müssen."

Interview von René Hofmann, Rio de Janeiro

SZ: Herr Caruso, mit welchen Gefühlen verlassen Sie diese Olympischen Spiele?

Oliver Caruso: Ich bin maßlos enttäuscht.

Warum?

Nicht wegen meiner Mannschaft. Wir hatten vier Top-Ten-Platzierungen, zwei Athleten haben ihre persönlichen Rekorde verbessert. In der Lage, in der wir sind, bin ich damit nicht unzufrieden.

Worüber sind Sie dann so enttäuscht?

Darüber, dass sich in unserem schönen Sport so gar nichts geändert hat. Dabei hatte es vor den Spielen doch so viele positive Doping-Kontrollen gegeben.

Bundestrainer Oliver Caruso.

(Foto: imago/Schreyer)

Sie meinen unter anderem die 31 Betrugsfälle, die bei den Nachtests der Proben gefunden wurden, die bei den Spielen 2008 in Peking und 2012 in London genommen wurden.

Bevor ich nach Rio aufbrach, war ich der festen Überzeugung: Das schreckt ab. Ich habe geglaubt, dass die Leute jetzt vernünftig werden, dass sie verstanden haben, um was es geht, und sich verändern. Aber da wurde ich eines Anderen belehrt.

Das Gewichtheben stellt den ersten Medaillengewinner, der bei diesen Spielen des Dopings überführt wurde. In einer Probe des Kirgisen Issat Artykow, der in der Klasse bis 69 Kilogramm Bronze gewonnen hat, wurde Strychnin gefunden. Das kann als Stimulanz-Mittel wirken, wird im Allgemeinen aber in Rattengift eingesetzt.

Dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Ich hatte schon vier Wochen vor Beginn der Spiele bewusst die Öffentlichkeit gesucht und darauf hingewiesen, dass hier Nationen am Start sind, denen drei Dopingfälle und mehr nachgewiesen wurden, die vom Gewichtheber-Weltverband IWF gesperrt wurden, die das Internationale Olympische Komitee aber starten lässt, weil die Verfahren formal noch nicht abgeschlossen sind: Kasachstan und Weißrussland.

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Der Kasache Nijat Rachimow, der wegen Dopings schon mal zwei Jahre gesperrt war, verbesserte einen 15 Jahre alten Weltrekord. Als er mit Gold dekoriert und vom Cheftrainer Alexey Ni gefeiert wurde, unter dessen Ägide es in dem Land mehr als 20 Dopingfälle gab, verließen Sie demonstrativ die Halle. War das eine geplante Aktion?

Nein. Ich war einfach nur perplex. Ich hatte auch nicht vor, mich öffentlich zu äußern. Das kam erst, als mir bewusst wurde: Das kann ja nicht sein, die machen einfach immer weiter.