Doping Festnahme in Estland

Der 65 Jahre alte Mati Alaver war viele Jahre Trainer der estnischen Langlauf-Teams und des Kasachen Alexej Poltoranin. Er vermittelte Athleten an den Erfurter Zirkel - und ist eine der Schlüsselfiguren in der aktuellen Affäre.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner, Frankfurt

In der Affäre um ein von Erfurt aus gesteuertes Blutdoping-Netzwerk ist es am Montag erneut zu einer Festnahme gekommen. Sie fand diesmal aber nicht in Deutschland oder Österreich statt, sondern in Estland: In einer Gemeinde im Süden des Landes setzten die Behörden den früheren estnischen Langlauf-Trainer Mati Alaver fest, bestätigte die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Tallinn der SZ auf Nachfrage.

Alaver, 65, ist eine der Schlüsselfiguren in der aktuellen Doping-Affäre. Er räumte schon vor zwei Wochen nach der Enttarnung des Netzwerks bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem estnischen Langläufer Karel Tammjärv ein, dass er diesem den Kontakt zu dem Erfurter Zirkel um den Sportmediziner Mark Schmidt vermittelt habe. Auch die beiden anderen geständigen estnischen Langläufer, Algo Kärp und Andreas Veerpalu, sollen über Alaver vermittelt worden seien. Die Staatsanwaltschaft in Tallinn hat deswegen ein eigenes Verfahren eröffnet. Bisher ist Alaver der einzige Beschuldigte.

Starke Hinweise auf Kontakte zu österreichischen Trainern

Daneben hat Alaver allerdings auch gute Kontakte zu einem weiteren der fünf Langläufer, die vor knapp zwei Wochen am Rande der nordischen Ski-WM in Seefeld festgesetzt worden waren: dem Kasachen Alexej Poltoranin. Dieser hatte Blutdoping bei den Behörden gestanden, nach seiner Abreise aus Österreich aber flott widerrufen. Stattdessen behauptet er nun, er habe im Gefängnis ein "psychologisches Trauma" erlitten. Fakt ist, dass Alaver von 2014 bis 2018 Poltoranins Trainer war. Danach drängte der kasachische Verband offenkundig ob des nicht zufriedenstellenden Abschneidens bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang auf ein Ende der Zusammenarbeit. Allerdings sagte Alaver selbst den nationalen Medien noch zu Jahresbeginn, dass er weiterhin engen Kontakt zu Poltoranin pflege. Laut ARD gibt es in Ermittlerkreisen den Verdacht, dass es sich bei Alaver um die Figur mit dem Decknamen "General" handele, die für Poltoranin in gebrochenem Deutsch Behandlungstermine koordinierte (SZ vom 9./10.03.).

Auch anderen Mitgliedern des Erfurter Zirkels ist der estnische Trainer bekannt. Einer der Beschuldigten beschrieb gegenüber der SZ die Art als "geradezu lästig", in der Alaver vor einigen Jahren ständig Kontakt zu seinem Trainer gesucht habe - um zu erfahren, was in Erfurt möglich sei. Wie die SZ erfuhr, soll auch in Zeugenaussagen schon der Verweis darauf gefallen sein, dass Alaver über gute Verbindungen zu österreichischen Spitzentrainern verfügte. Zu Schmidts Kundenstamm gehörten mindestens fünf Österreicher, drei Langläufer und zwei Radsportler.

Alaver war bereits früher mit dem Thema Doping in Verbindung geraten. Er trainierte von Anfang der Neunzigerjahre bis 2011 die estnische Männer-Mannschaft, in diese Zeit fiel ein spektakulärer Positivbefund. Bei Andrus Veerpalu, als zweimaliger Gold-Gewinner bei Olympischen Spielen und zweimaliger Weltmeister der beste Langläufer in Estlands Geschichte und Vater des jetzt überführten Andreas Veerpalu, war ein erhöhter Wachstumshormon-Wert festgestellt worden. Dafür gab es zunächst eine Sperre, aber zwei Jahre später hob diese der Internationale Sportgerichtshof (Cas) auf, weil Veerpalu die Grenzwerte für das Nachweisverfahren des Dopingmittels moniert hatte.

Andrus Veerpalu spielt auch in der neuesten Blutdoping-Affäre eine Rolle: Einer der drei überführten estnischen Läufer berichtete bei seinem Geständnis, dass auch Veerpalu senior von den verbotenen Praktiken gewusst habe. Der Kreis dehnt sich immer weiter.