bedeckt München
vgwortpixel

Doping-Fall Lance Armstrong:Schlimme Flüche im Hinterzimmer

Der Radsport-Weltverband UCI hat die Sanktionen gegen den überführten Lance Armstrong akzeptiert - nur widerwillig, wie er nach und nach zu erkennen gibt. Präsident McQuaid nennt die Kronzeugen Tyler Hamilton und Floyd Landis "Drecksäcke".

Armstrong verliert nach Dopingaffäre alle sieben Tour-Titel

Verfolgt, nicht nur vom Teufel: Lance Armstrong.

(Foto: dpa)

Über Genf setzte bereits die Dämmerung ein, als Pat McQuaid unverdrossen über bessere Zeiten des Radsports und die Integrität seines Verbandes referierte. Mittags hatte der Präsident des Weltverbandes UCI die Anerkennung der Sanktionen gegen Lance Armstrong verkündet, mit dem er am Freitag zuletzt Kontakt gehabt habe, wie der Ire berichtete; der Texaner wollte wissen, was es mit dem Genfer Termin auf sich habe, "aber ich habe ihm noch nichts sagen können".

Inzwischen hat auch der überführte Dopingsünder Armstrong die Aberkennung seiner Resultate seit 1998 inklusive der sieben Toursiege akzeptiert, zumindest löschte er nachts in seinem Twitter-Profil die bisherige Selbstbezeichnung "7-time Tour de France champion". Das insgesamt positive Echo darauf, den Urteilsspruch der US-Anti-Dopingjäger übernommen zu haben, erfreue ihn, sagte McQuaid abends in einer kleinen Gesprächsrunde. "Die UCI hat sich sowieso für nichts zu entschuldigen." Doch dann begann er leise zu fluchen.

Schon im offiziellen Teil und den dutzendfach geführten Minuteninterviews mit TV-Stationen hatte McQuaid den Eindruck nicht verhehlen können, dass die endgültige Abkehr von Armstrong nur angesichts der erdrückenden Beweislast erfolgte, welche die US-Agentur Usada bei Kronzeugen, Behörden und Wissenschaftlern einsammelte. Im Kleingedruckten der schriftlichen UCI-Erklärungen, die später im Genfer Flughafenhotel verteilt wurden, fanden sich weitere Belege für ein Unbehagen.

So hält die UCI die Sichtweise der Usada, bei Armstrong die im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur vermerkte achtjährige Verjährungsfrist mit Verweis auf nationales Recht zu übergehen, für fragwürdig. Wie übrigens auch die Rolle von Floyd Landis und Tyler Hamilton, Armstrongs früheren Freunden und Teamkollegen, die mit ihren verspäteten Geständnissen die Ermittlungen auslösten und befeuerten.

Ist ihr Anteil an Armstrongs Demaskierung nicht groß, und ist die Aufarbeitung der Vergangenheit nicht Voraussetzung für eine bessere Zukunft, wird McQuaid gefragt. Der 63-jährige Ire knetet nervös seine kräftigen Hände, dann entgegnet er verärgert: "Beide sind weit davon entfernt, Helden zu sein. Sie sind Drecksäcke."

Betrug bei der Tour de France 1999 bis 2005

Armstrongs gedopte Rivalen