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Doping-Experimente mit Testosteronspritzen:Musterschüler mit Makel

Olympia-Arzt Bernd Wolfarth (li.): An Testosteronstudien beteiligt gewesen 

(Foto: imago sportfotodienst)

Experimente mit Testosteronspritzen an Leistungssportlern - an einer Studie der Freiburger Universität war Ende der Achtziger Jahre auch der heutige Olympia-Arzt Bernd Wolfarth beteiligt. Die Hintergründe dieser staatlich subventionierten Dopingforschung sind nun detailliert dokumentiert.

Von Boris Herrmann

Die Laufbahn von Dr. med. Bernd Wolfarth verlief bislang reibungslos. Er promovierte 1993 in Freiburg mit "magna cum laude" und betreut seit dieser Zeit deutsche Kaderathleten. Er wurde Verbandsarzt der Biathleten, arbeitete bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City, Turin und Peking sowie 2006 bei der Fußball-WM. 2009 wurde er zum leitenden Olympiaarzt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) berufen. Wolfarth ist 47 Jahre alt - und längst einer der wichtigsten Sportmediziner Deutschlands. Eine Bilderbuchkarriere. Wäre da nicht dieser eine Makel. Wolfarth sagt: "Schade, dass ich nicht über ein anderes Thema promoviert habe."

Die Doktorarbeit, die er geschrieben hat, erschien unter dem Titel "Zur Regeneration im Ausdauersport". Der Gutachter, der Wolfarth mit der Note "sehr gut" bedachte, hieß Joseph Keul. In der gerade heftig diskutierten Studie "Doping in Deutschland" wird der im Jahr 2000 verstorbene Keul von den Historikern der HU Berlin als zentraler Strippenzieher der anwendungsorientierten Dopingforschung in der alten Bundesrepublik beschrieben.

Sein von 1985 bis 1993 durchgeführtes dreiteiliges Forschungsprojekt "Regeneration und Testosteron" wird als "herausragendes Fallbeispiel für die Geschichte des Dopings in Westdeutschland" bezeichnet. Wolfarth hat laut HU wesentliche Inhalte für den dritten Teil eingebracht. Die Ergebnisse flossen später in seine Doktorarbeit ein.

Wolfarth: habe keine Testosteronspritzen gesetzt

Das ist nicht ganz neu. Hin und wieder wurde auch schon darüber berichtet. Neu ist allerdings die Quellenlage. Im vorläufigen Abschlussbericht der HU-Studie werden Keuls angewandter Testosteronforschung fast 100 Seiten gewidmet. Hier wird das ganze beklemmende Ausmaß dieses steuerfinanzierten Projektes deutlich.

Für die dritte Teilstudie wurden deutschen Sportlern im Jahr 1988 in Freiburg sechs Wochen lang jeweils 250 mg Testosteron pro Woche gespritzt. Es handelte sich um das Mittel "Testoviron 250 Depot" der Schering AG. Als Probanden dienten laut HU-Bericht "16 ausdauertrainierte Athleten der Disziplinen Skilanglauf und Straßenradsport in der Phase des Trainings". Testosteron stand seit 1982 auf der IOC-Dopingliste.

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