Skifahrer Hannes Reichelt "Ich habe sogar immer jedes Hustenzuckerl überprüft"

Hannes Reichelt 2017 in Garmisch.

(Foto: REUTERS)
  • In der "Operation Aderlass" wird nun auch ein alpiner Skifahrer verhört: der Österreicher Hannes Reichelt.
  • Der österreichische Langlauf-Trainer Gerald Heigl sitzt sogar in Untersuchungshaft.
  • Beide bestreiten ein Dopingvergehen.
Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Die Ermittlungen in der Doping-Affäre "Operation Aderlass" weiten sich aus. Am Wochenende musste der frühere österreichische Langlauf-Trainer Gerald Heigl in Untersuchungshaft, zudem erreicht die Causa auch den alpinen Skisport. Wie nun bekannt wurde, verhörte die Staatsanwaltschaft Innsbruck bereits Ende der vergangenen Woche den früheren Super-G-Weltmeister Hannes Reichelt aus Österreich. Der 38-Jährige weist jeden Manipulationsvorwurf zurück.

"Ich weiß nicht, wo das alles herkommt. Ich weiß nur, dass ich nichts getan habe", sagte Reichelt der Kronen-Zeitung, die als Erstes über die Einvernahme berichtet hatte: "Nie, nie nahm ich irgendwelche verbotenen Substanzen ein. Ganz im Gegenteil: Ich habe sogar immer jedes Hustenzuckerl überprüft, damit ja nichts passiert!"

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In jedem Fall machen die neuen Entwicklungen die Doping-Affäre für Österreichs Sport noch brisanter. Das Alpin-Segment hat im Land bekanntlich einen immensen Stellenwert, und Reichelt war in den vergangenen Jahren einer der stärksten Alpin-Fahrer: Er gewann 2015 den WM-Titel im Super G, 2014 die Abfahrt in Kitzbühel und dazu noch ein Dutzend weiterer Weltcuprennen. Dem Vernehmen nach soll es bei Reichelts Einvernahme aber nicht um die Blutdoping-Praktiken gegangen sein, die im Mittelpunkt der "Operation Aderlass" stehen - sondern um den Verdacht, dass der Speed-Spezialist verbotene Medikamente eingenommen habe.

"Es gibt kein Dopingvergehen", sagt Heigls Anwalt

Reichelt und sein Anwalt sprechen von einer Intrige. Fakt ist aber, dass sich Reichelt und der nun verhaftete Trainer Gerald Heigl schon seit gemeinsamen Schultagen kennen. Laut Reichelts eigener Aussage habe ihm der Schulfreund seit 2005 die Trainingspläne geschrieben. "Er hat mir nie angeboten, irgendetwas Illegales zu machen." Aber die Frage ist schon, warum sich der Alpin-Mann just einem Langlauf-Spezialisten anvertraute.

Heigl gehörte seit Mitte der Nullerjahre zum Trainerteam des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV); in seine Zeit dort fielen diverse Doping-Skandale, von der Razzia bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 bis zum positiven Epo-Befund bei Langläufer Johannes Dürr während der Winterspiele 2014 in Sotschi. 2017 schied Heigl beim ÖSV aus, betreute danach aber weiter einige österreichischen Athleten - etwa den Biathleten Dominik Landertinger oder den Langläufer Max Hauke, der zu Beginn der Blutdoping-Affäre mit einer Kanüle im Arm erwischt und als Kunde des Doping-Netzwerkes identifiziert worden war.

Von Dürr, der mit seinem Geständnis die Affäre ausgelöst hatte, war Heigl bereits vor einigen Wochen schwer belastet worden. Der Trainer habe ihn vor den Sotschi-Spielen mit dem Blutdoping-Klassiker Epo und mit Wachstumshormonen versorgt, teilte er da mit. Zudem, so ist aus Österreich zu hören, soll Heigl im Laufe der Ermittlungen noch von einer zweiten Person belastet worden sein.

Heigls Anwalt wies Dürrs Darstellung damals zurück. Auch am Montag bestritt er, dass sich sein Mandant in Dopingfragen schuldig gemacht habe. "Wir sind verwundert, aber nicht überrascht über die Untersuchungshaft", sagte er der SZ: Es gebe nichts Konkretes, und "es gibt kein Dopingvergehen". Nach seiner Festsetzung am Freitag habe Heigl bei der Staatsanwaltschaft aber keine Aussage machen wollen, weswegen er nun erst einmal in Untersuchungshaft sitzt.

Neben Heigl wurde Ende der vergangenen Woche auch ein österreichischer Servicemann festgesetzt. Dieser machte am Donnerstag und am Freitag allerdings eine Aussage und musste nicht in Untersuchungshaft.

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