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Doping:Dürr fest­genommen

Johannes Dürr

Johannes Dürr.

(Foto: Roland Schlager/dpa)

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilt mit, es gebe einen Verdacht gegen den Langläufer Johannes Dürr. Er hatte mit einem Geständnis die Seefeld-Razzia ausgelöst.

Von Johannes Aumüller, Innsbruck/Frankfurt

In der Affäre um ein von Deutschland aus gesteuertes Doping-Netzwerk ist es am Dienstag zu einer überraschenden Wendung gekommen. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck bestätigte, dass sie Johannes Dürr festgesetzt habe - jenen österreichischen Ski-Langläufer, dessen Doping-Geständnis die "Operation Aderlass" sowie die Razzien in Seefeld und Erfurt in der vergangenen Woche erst ausgelöst hatten. Im Zuge der Ermittlungen habe sich ein Verdacht gegen ihn ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nähere Angaben dazu machte sie nicht.

Noch am Wochenende hatte die Behörde betont, dass sie Dürr nicht als Beschuldigten führe - und damit einen Medienbericht zurückgewiesen, nach dem Dürr als Vermittler zwischen zwei österreichischen Ski-Langläufern und dem Erfurter Netzwerk gewirkt habe. Doch am Dienstagmorgen gewannen die österreichischen Behörden neue Erkenntnisse.

Dürr, 31, war 2014 bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi positiv auf den Klassiker Epo getestet worden. Vor wenigen Wochen legte er in der ARD ein ausführliches Doping-Geständnis ab und berichtete von Manipulationen mit Epo, Wachstumshormon und Eigenblut. Gegenüber den Ermittlungsbehörden gab er auch an, wer ihn bei Blutdopingpraktiken unterstützt habe: nämlich der mutmaßliche Dopingzirkel um den Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt. Daraufhin setzten deutsche und österreichische Behörden Ermittlungen in Gang, die in der "Operation Aderlass" mündeten.

Unterdessen bekannte sich am Dienstag in Person des estnischen Ski-Langläufers Algo Kärp ein weiterer Sportler, dass er Kunde von Schmidt gewesen sei. Ein früherer Teamtrainer habe ihm den Kontakt vermittelt, berichtete er der Tageszeitung Ohtuleht. "Ich selbst habe diese Möglichkeit nicht gesucht", sagte er. Kärp ist bereits der dritte estnische Langläufer, der zum Kundenstamm zu zählen ist. Insgesamt sind bisher neun Sportler bekannt, die sich vom Erfurter Netzwerk versorgen ließen. Da die Ermittler bei ihren Razzien um die 40 Blutbeutel sicherstellen konnten, ist davon auszugehen, dass zahlreiche weitere Sportler betroffen sind.

© SZ vom 06.03.2019

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