bedeckt München 26°

Doping:Britanniens Sport "geschockt und zutiefst besorgt"

AFC Bournemouth v Manchester City - Barclays Premier League

Auch die Premier League soll unter Verdacht stehen.

(Foto: REUTERS)
  • Ein Arzt soll 150 Sportler, darunter Fußballer der Premier League, mit Doping versorgen.
  • Spieler der Vereine FC Arsenal, FC Chelsea, Leiciester City und auch Birmingham sollen betroffen sein.
  • Unter Druck gerät die britische Anti-Doping-Agentur - die kürzlich den Auftrag erhielt, das russische Dopingproblem zu lösen.

Fünf Monate vor den Olympischen Spielen und der Fußball-EM im Juni wird Großbritannien von einem Doping-Skandal erschüttert. Nach Recherchen des WDR und der englischen Zeitung Sunday Times soll der Londoner Gynäkologe Mark Bonar in den vergangenen sechs Jahren etwa 150 Top-Athleten mit Doping-Mitteln versorgt haben. Darunter seien Fußball-Profis des FC Arsenal, des FC Chelsea und von Erstliga-Tabellenführer Leicester City sowie Teilnehmer der Tour de France, Boxer und Tennisspieler.

Die WDR-Dokumentation, die am Sonntagabend in der ARD- Sportschau (18.00 Uhr) ausgestrahlt wird, zeigt, wie der Arzt einem eingesetzten Lockvogel vor versteckter TV-Kamera über sein umfangreiches, geheimes Doping-Geschäft berichtet. "Natürlich sind einige der Behandlungen, die ich mache, im Profisport verboten", sagte Bonar einer WDR-Mitteilung zufolge. "Aber ich habe das schon mit vielen Sportlern gemacht. Jahrelang. So ziemlich aus jedem Sport."

Zeitung nennt noch keine Namen

Die drei Premier-League Clubs weisen die Doping-Vorwürfe zurück. "Die Anschuldigungen sind falsch und entbehren jeder Grundlage", hieß es in einer Mitteilung des FC Chelsea. Der Verein habe niemals die Dienste von Bonar in Anspruch genommen und auch keine Kenntnis davon, dass Chelsea-Spieler von ihm behandelt worden seien. Der FC Arsenal, Verein von Nationalspieler Mesut Özil und Per Mertesacker, teilte mit, dass man sich vollständig an die Anti-Doping-Regeln halte.

Die Sunday Times stellt in ihrem Text klar, dass sie außer den Aussagen von Bonar keine Beweise hat, dass Spieler oder Vereine mit dem Arzt zusammenarbeiten. Der Arzt habe sogar einige Namen genannt von Sportlern, die sich von ihm versorgen lassen. Auf Nachfrage der Zeitung haben diese Athleten alle Doping bei Bonar dementiert oder eine Antwort verweigert. Deshalb habe sich das Blatt entschieden, die Namen vorerst nicht zu nennen.

Bonar behauptet, dass er mit englischen und auch Spielern aus dem Ausland zu tun gehabt habe. "Auch mit einem ganz Großen, dem habe ich Epo, Testosteron und Wachstumshormone gegeben", sagte der Arzt. "Fußballer werden ja sowieso kaum getestet. Und ältere Spieler über 30 müssen was machen, die können mit den jungen Spielern um die 18 sonst doch gar nicht mithalten."

"Es ist sehr beängstigend für mich"

Der designierte Chef der Welt-Antidoping-Agentur (Wada), Olivier Niggli, reagierte auf die ihm vorab gezeigte TV-Doku bestürzt. "Es ist sehr beängstigend für mich zu sehen, wie ein Mediziner ein solches Verhalten an den Tag legt", sagte er.

Pikant ist zudem, dass die britische Anti-Doping-Agentur (Ukad) im Auftrag der Wada nach Aufdeckung des flächendeckenden Dopings in Russland die Planung der Tests russischer Athleten übernommen hat. Denn die Ukad steht nun im Fall Bonar selbst unter Druck. Laut WDR-Angaben soll sich nämlich ein des Dopings überführter Sportler als Whistleblower vor längerer Zeit an die britische Agentur haben und Beweise für die Doping-Umtriebe Bonars vorgelegt haben. Die Ukad habe dem Informanten aber Anfang 2015 mitgeteilt, keine Grundlage für Ermittlungen gegen den Arzt zu sehen.

Ukad verteidigt sich

Die britische Anti-Doping-Agentur erklärte in einer Stellungnahme, dass die von dem Athleten vorgelegten Beweise für ein verbotenes Handeln von Bonar nicht ausreichend gewesen seien. "Ukad erhielt im Oktober 2014 handgeschriebene Rezepte des Sportlers. Er behauptete, dass sie von Dr. Bonar ausgestellt seien", hieß es in der Mitteilung. Nach einer Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen sei man jedoch zum Urteil gelangt, den Fall nicht weiter zu verfolgen.

Der britische Kulturminister John Whittingdale zeigte sich angesichts der Enthüllungen "geschockt und zutiefst besorgt". Er ordnete eine Untersuchung der Vorwürfe gegen Ukad an. Entsetzt reagierte Siebenkampf-Olympiasiegerin Jennifer Ennis-Hill: "Der Fall zeigt, dass der britische Sport ein größeres Doping-Problem hat, als sich viele von uns vorgestellt haben."