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Doping:Bleibt die Strafe bestehen?

Die mit Spannung erwartete Anhörung zu Russlands Olympia-Ausschluss beginnt am Montag vor dem International Sportgerichtshof. Die Erwartungen des organisierten Sports sind klar.

Der Weltsport blickt von Montag an gespannt nach Lausanne: Wenn im russischen Dopingskandal vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas die Anhörung beginnt, geht es nicht nur um einen möglichen Schlussstrich unter die langwierige Affäre. Es geht um eine Vierjahressperre für die Sportgroßmacht sowie die Wirksamkeit des internationalen Anti-Doping-Kampfes. "Unsere Erwartung ist, dass die von der Wada ausgesprochene Sanktion bestätigt wird. Damit würde ein klares Zeichen gesetzt, dass ein solch massiver Betrug und die Missachtung der Regelwerke nicht ungestraft bleiben", teilt die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) mit.

Ein Urteil wird es erst zu einem späteren Zeitpunkt geben

Am 9. Dezember 2019 war Russland wegen der Manipulation von Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor für vier Jahre aus dem Weltsport verbannt worden. Weder an Olympischen Spielen noch Weltmeisterschaften wie im Fußball 2022 darf Russland als Nation teilnehmen. Für nachweislich ungedopte russische Sportler bliebe bestenfalls eine Teilnahme als "neutrale Athleten". Aber nur, wenn der Cas den russischen Einspruch gegen die Strafe der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ablehnt. "Eine klare und harte Entscheidung des Gerichts wäre ein wertvolles Zeichen für den globalen Anti-Doping-Kampf", sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann. IOC-Chef Thomas Bach fordert ein Urteil, das "keine Interpretationsmöglichkeit" lasse.

Dabei war es just das IOC unter Bach gewesen, das die Russen immer wieder im Spiel gehalten hatten: Bei Olympia 2016 mit einem großen Team unter russischer Fahne, 2018 in Pyeongchang dann mit einer Sanktion, die bestenfalls einem Wimpel- und Fahnenverbot gleichkam.

Dabei liegen viele der durch mehrere Untersuchungen untermauerten Vorwürfe schon lange vor: ein von staatlichen Stellen gestütztes Dopingsystem und organisierte Vertuschung, nicht nur durch die Datenmanipulation; dazu der Tiefpunkt bei den Skandalspielen von Sotschi 2014, als die Russen im Anti-Doping-Labor durch ein Loch in der Wand Proben austauschten, mutmaßlich mit Hilfe des Geheimdienstes. Rund 1000 Sportler sollen in das Dopingsystem involviert gewesen sein, alleine 15 000 Dateien seien bei den Manipulationen gelöscht und mindestens 145 Athleten dadurch geschützt worden.

Amerikanische und britische Behörden hatten zuletzt mitgeteilt, dass Russland zudem hinter einer Cyberattacke gesteckt habe, die die Eröffnungsfeier der Winterspiele 2018 betroffen hatte. Auch für die Sommerspiele 2021 seien Angriffe geplant. Der Kreml hatte das zurückgewiesen.

Bis zum kommenden Freitag ist die wegen der Pandemie mehrmals verschobene Verhandlung angesetzt - an einem geheimen Ort in Lausanne, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Urteil wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet. "Die Wada hat im Vorfeld jeden Stein umgedreht", sagt ihr Präsident Witold Banka. Er sei überzeugt, dass seine Organisation mit der Sanktion die richtige Entscheidung getroffen habe. Und Russland? Glaubt an seine wohl geringe Chance. "Wir haben unsere Argumente", sagt Michael Buchanow, Generalsekretär der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada), bei insidethegames.

Juristisch wird das Urteil wohl wegweisend sein, auch wenn den Russen noch der Gang vor das Schweizer Bundesgericht bliebe. Ob die Aufarbeitung der Affäre auch einen grundlegenden Mentalitätswandel in Russland gebracht hat, ist eine andere Frage - und wird nicht vor dem Cas verhandelt.

© SZ vom 02.11.2020 / SID, SZ
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