Doping "Betroffenheit und Wut"

Die deutschen Eisschnellläufer Patrick Beckert und Nico Ihle wehren sich nach einem Fernsehbericht gegen einen Generalverdacht.

Deutschlands beste Eisschnellläufer Patrick Beckert und Nico Ihle haben nach einem ARD-Bericht über einen Dopingverdacht in ihrer Sportart betont, dass sie den mutmaßlichen Drahtzieher eines angeblichen Netzwerkes nicht kennen. Beide bedauerten vor allem, dass ihre Sportart unter Generalverdacht geraten sei.

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft München äußerte sich nicht zu dem Bericht über etwaige Ermittlungen gegen einen angeblich unter Dopingverdacht stehenden deutschen Eisschnellläufer. Die Nationale Anti-Doping-Agentur erklärte, dass sie eng mit der Münchner Staatsanwaltschaft kooperiere, aber derzeit den von der ARD genannten Fall "weder bestätigen noch dementieren" könne.

Der Chemnitzer Eissprinter Ihle teilte in einem Statement mit, er finde es sehr schade, dass der Eisschnelllauf mit diesem Thema in die Schlagzeilen gerate: "Das ist für all die Athleten unfair, die sauber für ihre Leistung kämpfen." Auch Beckert verlangte, die sauberen Athleten zu schützen. "Diese Leute wird es immer wieder geben. Umso wichtiger ist es, diese Leute rauszufinden und zu benennen", erklärte der Erfurter WM-Vierte über 10 000 Meter.

Nach Angaben der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in München wurden nach den Razzien bei der Nordischen Ski-WM und in Erfurt bisher 21 Sportler aus acht europäischen Ländern ermittelt, die mutmaßlich Eigenblutdoping betrieben haben. Sie kommen aus fünf Sportarten, darunter drei Wintersportarten.

Beckert befürwortete die Ermittlungen gegen ein mutmaßliches Doping-Netzwerk, in dessen Mittelpunkt der Erfurter Sportmediziner stehen soll. "Aber keine Sorge, ich habe damit nichts zu tun", schrieb er bei Facebook. Er selbst habe den Namen des als Hauptbeschuldigter geltenden Arztes nicht gekannt, betonte Beckert, der Strafen für Dopingverstöße als zu mild bezeichnete. Ihle schrieb, er kenne Arzt, Verfahren und den verdächtigten Athleten nicht. Der Aktivensprecher des Verbandes, Moritz Geisreiter aus Inzell, berichtete, dass ihn vielen Sportler kontaktiert hätten: "Die Reaktion ist eine Mischung aus Betroffenheit und Wut." Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft, bei zwei Olympischen Winterspielen medaillenlos, hatte sich am Sonntag "bestürzt und geschockt zugleich" gezeigt. Dem Verdacht müsse mit allen Mitteln nachgegangen werden, hieß es in einer Mitteilung.